35 Jahre Helmholz
»Bürokratische Hemmnisse sind eine der größten Herausforderungen«
Seit 35 Jahren kümmert sich Helmholz um das Thema industrielle Kommunikation. Die beiden Geschäftsführer Karsten Eichmüller und Carsten Bokholt lassen die Zeit Revue passieren.
Die Helmholz-Geschäftsführung: Karsten Eichmüller und Carsten Bokholt (vlnr)
© HelmholzHerzlichen Glückwunsch zu 35 Jahren Helmholz! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung Ihres Unternehmens?
Karsten Eichmüller: Der Gründer unseres Unternehmens, Manfred Helmholz, hatte sich auf Basis seiner Berufserfahrung in der Automatisierungsbranche auf S5-Programmierung und Anlageninbetriebnahme selbständig gemacht. 1988 ist daraus die Firma Systeme Helmholz entstanden, die über viele Jahre im S5/S7-Umfeld tätig war. Im Gegensatz zu anderen Firmen, die ähnlich gestartet sind, führte dieser Weg Helmholz vor allem zur Kommunikationstechnik. Diese Ausrichtung wurde dann von der S5- in die S7-Welt übernommen und kontinuierlich ausgebaut.
Die technologische Neuausrichtung des Unternehmens begann vor genau zehn Jahren mit dem Launch des TB20 Feldbus I/O Systems. Aus unserer Sicht bedeutend für den weiteren Erfolg des Unternehmens ist die Entscheidung, sich von dem S7-Umfeld abzukoppeln und den Fokus auf industrielle Netzwerk- und Feldbustechnologie für den gesamten Automatisierungsmarkt zu legen.
Speziell das Switch-Portfolio ist eine wesentliche Produktsäule geworden – nicht nur mit Blick auf den Umsatz, sondern auch auf die strategische Aufstellung. Deshalb bauen wir dieses Angebot kontinuierlich aus, und zwar gemäß der ursprünglichen Philosophie von Helmholz.
Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘ und was macht ihn aus?
Karsten Eichmüller: Die Unternehmensausrichtung, die wir seit 2016 konsequent verfolgen, basiert auf sechs Produktsegmenten, die bei vielen Maschinennetzwerken und Anwendungen ineinandergreifen. Wir versuchen, unseren Kunden einen Mehrwehrt kombiniert mit einer möglichst einfachen Handhabung zu bieten: von einem I/0-System über Feldbuskoppler und Gateways, einem vollständigen Switch-Portfolio für das Maschinennetzwerk bis hin zum Fernzugriff über eine industrielle VPN Router Lösung zur Datenerfassung. Eines der besonderen Produkte aus dieser Entwicklung ist das Wall IE – NAT-Gateway, das speziell für die Bedürfnisse des Maschinenbaus entwickelt wurde. Insbesondere im Hinblick auf die Integration in übergeordnete Netzwerke mit dem Fokus auf Netzwerksicherheit und Cyber-Security-Risiken können wir hier schon von einem Bestseller sprechen.
In 35 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?
Carsten Bokholt: An der Entwicklung unseres Portfolios lassen sich die technologischen Trends in der Automatisierung - wie Multiprotokoll-Lösungen, Connectivity und offene Schnittstellen bis zu Fernwartung, Cybersicherheit und IoT - gut ablesen. Sicherlich können wir dem Markt als Mittelständler keinen technologischen Stempel aufdrücken. Aber wir sind agil genug, um unser Portfolio zeitnah auf sich ändernde Bedürfnisse im Markt anzupassen. Diese Agilität hat uns auch gut durch die vergangenen Krisen gebracht, ohne dass dies für das gesamte Helmholz-Team wesentliche Folgen gehabt hätte.
Die bürokratischen Hemmnisse sind für Unternehmen wie uns eines der größten Herausforderungen. Der Umgang mit immer neuen Verordnungen, Rechtsvorschriften, Maßnahmen und Gesetzen beansprucht erhebliche Kapazitäten. Diese kostbare Zeit fehlt dann für neue Lösungen und unternehmerische Konzepte, gerade im Mittelstand.
Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?
Carsten Bokholt: Die Netzwerkkommunikation ist das Rückgrat der heutigen Automatisierungslandschaft und gewinnt durch größere Datenmengen und weitergehende Vernetzung immer mehr Bedeutung. Wir werden diesen Bereich auch in Zukunft mit Lösungen bedienen und unseren Kunden dabei helfen, die Technik sinnvoll und vor allem sicher einsetzen zu können. Unsere Kunden sollen ihre Kernkompetenzen in der Realisierung der Maschine entfalten können und sich bei der Maschinenkommunikation auf Helmholz verlassen können.
Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Helmholz wichtig sind beziehungsweise werden?
Carsten Bokholt: Wir konzentrieren uns bei der Entwicklung neuer Lösungen auf vier Trends, die alle den Bereich der Kommunikation von Daten im industriellen Umfeld betreffen: Ganz vorn stehen die konvergenten Netzwerke, also die hybride Kommunikation aller Komponenten in einem gemeinsamen Netzwerk. Hier wird in Zukunft TSN eine wichtige Rolle spielen. Ebenfalls ein wichtiger Trend ist die Ethernet-Kommunikation bis zum Sensor mit IO-Link, SPE oder APL. Beim vertikalen Datenaustausch zwischen den Steuerungen und der Leitebene wird in Zukunft OPC UA als standardisierte Lösung Einzug finden. Und über Allem steht das Thema Netzwerksicherheit mit der neu eingeführten Norm IEC 62443 und den zugehörigen Komponenten.
Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?
Karsten Eichmüller: Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, hohe Inflation und viel Bürokratie vermiesen die Stimmung vor allem bei mittelständischen Unternehmen. Das vielzitierte ‚Rückgrat der deutschen Wirtschaft‘ scheint nur noch eine Floskel im politischen Sprachgebrauch zu sein. Viele Unternehmen orientieren sich bereits zu anderen Standorten, um ihrer Wettbewerbssituation im internationalen Vergleich standhalten zu können. So hat auch Helmholz seit fast zehn Jahren einen Entwicklungsstandort in Kroatien, der derzeit für künftige Aufgaben erweitert wird.














