Expertentipps
Mehr Wertschätzung in Online-Meetings
Viele Kolleginnen und Kollegen leisten ihre Arbeit aus dem Home-Office. Wie transportiert eine Führungskraft Wertschätzung für das Geleistete? Hier finden Sie Tipps.
Digital Wertschätzung spenden
© Pixabay / CC0Die meisten Arbeitsleistungen aus den Home-Offices bleiben abstrakt. Das Ergebnis jeglicher Büroarbeit lässt sich nicht in Tonnen messen, nicht in Zentimetern und auch nicht in Litern. Das war auch schon vor der Pandemie so. Wie also erfährt man Wertschätzung für die eigene Arbeit? Und dann auch noch über die Distanz, sprich: digital? Früher hieß die Gleichung: abstrakte Arbeit – konkrete, analoge Wertschätzung. Heute ist beides digital und abstrakt. Wie können Führungskräfte trotz alledem echte Wertschätzung spenden?
Sich der Verantwortung bewusst sein
Auch wenn wir mit Bits & Bytes jonglieren: Unsere zentrale Einflussgröße ist der Mensch. Oder wie Simon Sinek es formuliert: »Leadership is not about being in charge. Leadership is about taking care of those in your charge.«
In etwa: »Führung bedeutet nicht, die Verantwortung zu tragen. Führung bedeutet, sich um diejenigen zu kümmern, für die man Verantwortung trägt.« Führungskräfte tragen keine abstrakte Verantwortung für eine theoretische Sache, für Produktentwicklung oder Gewinnmaximierung, sondern für diejenigen Menschen, die diese Themen bearbeiten.
Es geht hier um das Selbstverständnis einer Führungskraft: Sind meine Leute dafür da, dass ich am Ende gute Ergebnisse in meinem Bereich habe? Oder bin ich dafür da, dass meine Leute am Ende gute Ergebnisse für unseren Bereich beisteuern?
Klassisches Servant Leadership, dienende Führung.
»Eine Führungskraft, die die Menschen um sich herum anfeuert, indem sie konkretes Lob für Dinge ausspricht, die richtig gemacht wurden, ist eine Führungskraft, die die Herzen der anderen gewinnen und große Dinge vollbringen wird«, sagt Ken Blanchard, Leadership-Guru aus den USA und Entwickler einiger zentraler Führungskonzepte in den letzten Jahrzehnten. Hier kristallisiert sich schon etwas heraus, das zu tun ist: konkretes Lob aussprechen.
So spenden Sie Anerkennung im digitalen Raum
Nun gibt es hinsichtlich der reinen Leistung noch eine weitere mögliche Option: Kritik zu äußern. Auch das ist wichtig. Anerkennung besteht nicht nur darin, stets und ständig zu loben. Wenn dem Lob keine einordnende Kritik zur Seite steht, weil sie schlicht nicht stattfindet, dann ist das Lob nichts wert. Umgekehrt gilt dasselbe: Steht einer ständigen Kritik kein Lob zur Seite, so ist die Kritik nichts wert.
Es braucht also ein realistisches, wohlwollendes Anerkennungsgefüge. Die Kritik dagegen sollte verdaulich formuliert sein: Ein ‚das könntest du besser machen‘ verkraften wir besser als ein ‚hier hast du es schon wieder vergeigt‘.
Folgen wir dem Gedanken, wie wir Anerkennung am besten konstruktiv einsetzen können, so landen wir alsbald bei der Frage, was der Mensch denn sonst noch so braucht. Anerkennung spenden wir im direkten Miteinander oft zwischen Tür und Angel, auf dem Flur, am Kaffeeautomaten – also meist zwischendurch und nebenbei.
Den Mitarbeiter in den Fokus setzen
Türen und Angeln, Flure und Kaffeeautomaten sind in digitalen Zeiten einsame Orte geworden, dort treffen wir niemanden mehr, der Anerkennung sucht. Wir brauchen also neue Formate, neue Gelegenheiten. Deshalb:
Welche Gelegenheit haben Sie als Führungskraft, Anerkennung zu spenden? Machen Sie es ganz konkret für jedes einzelne Mitglied Ihres Teams. Wo treffen Sie die Person wie an? Welche Möglichkeiten gibt Ihnen das gegenwärtige Setting? Face-to-Face? Telefon? Video-Konferenz zu zweit? Video-Konferenz im Team? Telefonat? Mail? Und wie gestalten Sie Ihre Team-Meetings? Gibt es darin festgelegte Zeitfenster für Persönliches?
Fragen Sie sich: Welches Format eignet sich für diese ganz bestimmte Person? Fragen Sie nicht vordergründig, welches Format sich für Sie selbst eignet – fragen Sie nach der Situation, die für die Empfangenden ideal ist.
Sie finden keine gute Situation im gegenwärtigen Setting? Nun, dann haben Sie zwei Optionen zur Auswahl: Entweder, Sie schaffen eine solche Situation, oder Sie schaffen ein Vakuum. Ein Vakuum, in dem nichts wachsen und gedeihen, aber eine Menge vergehen kann.
Seien Sie mutig: Kreieren Sie Anerkennungsformate! Kümmern Sie sich um die Menschen, die in Ihre Verantwortung gegeben wurden! Sie werden es Ihnen danken.
Der Autor
Martin Kruse coacht seit vielen Jahren Führungskräfte und Manager und ist seit 2019 Partner bei Leadership Choices, einer international aufgestellten Coaching-Organisation.














