Tipps vom Coach
So stärken Sie Ihr Team und sorgen für mehr Zufriedenheit
Die Zusammenarbeit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden sind entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Karsten Drath gibt Tipps, wie Sie Ihr Team stärken und für mehr Zufriedenheit sorgen können.
Sorgen Sie für ein positives Teamklima!
Ist das Teamklima positiv, so werden Belastungen eher als Herausforderungen wahrgenommen, die gemeinsam mit den Kollegen bewältigt werden können. Dadurch steigt das Leistungsvermögen mit der Zeit. Viele Start-up-Unternehmen haben solch ein inspirierendes und ansteckendes Klima und sind dabei für ihre langen Arbeitszeiten bekannt. Dort macht es den Mitarbeitern häufig Freude, als Team viel Arbeit und Energie in ein gemeinsames Vorhaben zu stecken. Ein stark ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl schweißt das Team zusammen.
In einem negativen Teamklima dagegen entstehen mehr Konflikte und es gibt weniger kollegiale Unterstützung. Dies führt dazu, dass anstehende Veränderungen eher als nicht zu bewältigende Überforderung eingeschätzt werden und das Leistungsvermögen, Kreativität und Agilität vieler Teammitglieder insgesamt abnimmt.
Fördern Sie das Commitment Ihrer Mitarbeiter!
‚Commitment‘ beschreibt das Maß an Hingabe, das eine Person für eine Sache, aber typischerweise eher für eine Gruppe empfindet, und folglich auch die Bedeutsamkeit, die sie diesem größeren Ganzen einräumt. Die Konsequenz von Commitment lässt sich in Identifikation und emotionaler Energie ausdrücken, die eine Person bereit ist, in eine Gruppe zu investieren, frei nach dem Motto, das der französische Schriftsteller Alexandre Dumas seinen drei Musketieren in den Mund legte: »Einer für alle, alle für einen!« Dies mündet, wie zahlreiche aktuelle Studien belegen, schließlich in besserer Leistung, größerem Arbeitseinsatz und höherer Qualität. Commitment findet auf verschiedenen Ebenen statt. Man kann sich seinem eigenen Erfolg oder seinen Zielen gegenüber verpflichtet fühlen oder aber gegenüber den Kollegen, die man nicht hängen lassen möchte. Man kann Commitment zum Vorgesetzten empfinden oder aber – abstrakter – zur Firma oder Marke als solche. Viele spüren auch eine Verpflichtung einer gewissen inhaltlichen Thematik oder Tätigkeit gegenüber.
Bauen Sie Vertrauen und Unterstützung innerhalb des Teams auf!
Starke Teams neigen dazu, sich gegenseitig im Zweifelsfall beste Absichten zu unterstellen. Das heißt nicht, dass jede Handlung oder Unterlassung eines Gruppenmitglieds zwangsläufig gutgeheißen wird, aber sie wird auch nicht als feindlicher Akt verstanden, der das Ziel hat, die eigene Reputation oder das Team als Ganzes zu beschädigen.
Diese Art von Vertrauen führt dazu, dass politische Spiele und Spiegelfechterei weitestgehend unterbleiben und stattdessen eigene Erfolgserlebnisse und Rückschläge offen und wertschätzend angesprochen werden können. Dabei geht es zudem nicht um Schuld, sondern um konkrete Lösungen, und darum, was sich aus dieser Erfahrung für das Team und jeden Einzelnen lernen lässt. Vertrauen geht in diesen Gruppen einher mit gegenseitiger Unterstützung im Sinne von kollegialer Beratung. Dabei werden konkrete Problemstellungen gemeinsam betrachtet, hinterfragt und diskutiert. Alternative Lösungsansätze und Ideen werden ausgetauscht, es wird Anteilnahme und Anerkennung gezeigt und eigene ähnliche Fälle werden dargelegt. Diese ausgeprägte Offenheit ist dabei nicht mit einer behüteten, risikolosen Umgebung zu verwechseln, denn die Verantwortung für die letztendliche Umsetzung und Lösung eines Themas bleibt immer bei der Person, die die Problematik eingebracht hat.
Üben Sie Konfliktfähigkeit innerhalb der Gruppe!
Ein gestärktes, zufriedenes Team schafft es, ein Paradoxon zu lösen: Einerseits haben die Gruppenmitglieder eine starke Basis von Vertrauen und Loyalität untereinander aufgebaut, andererseits führt dies aber nicht dazu, dass sich unbewusste Muster nach dem Motto »Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus« manifestieren und entstehende Konflikte ignoriert oder bagatellisiert werden. Die Lösung zu diesem augenscheinlichen Widerspruch besteht in dem Verhältnis zur Professionalität und zu Nähe bzw. Distanz in der Gruppe. Eine Gruppe mit ausgeprägter Konfliktfähigkeit besteht aus selbstbewussten, reflektierten Kollegen, die gemeinsam und individuell besser werden möchten, und nicht aus Freunden, die sich gegenseitig ihre Zuneigung bekunden müssen. Allerdings besteht sie auch nicht aus Feinden oder Gegnern, die partout nicht zusammenarbeiten wollen.
All dies ermöglicht zur gleichen Zeit sowohl die Wertschätzung der Person als auch das Hinterfragen des Verhaltens. Das englische Verb »to challenge«, das wörtlich übersetzt eigentlich »herausfordern« bedeutet, beschreibt diese Gleichzeitigkeit sehr gut. Es ist vergleichbar mit einer starken Fußballmannschaft, die auf dem Platz zusammenhält, um gemeinsam zu gewinnen, während es in der Kabine deutliche Worte vom Trainer und von Mitspielern gibt, nicht nur was Spitzenleistungen, sondern auch was Fehlverhalten angeht.
Schaffen Sie Sinn und Identität!
Sinn und Identität sind die Energien, die eine Gruppe von innen heraus und nach außen hin zusammenhalten. Der Sinn ist die Daseinsberechtigung einer Gruppe und liefert eine Antwort auf die Frage, warum man sich in der Gruppe engagiert und wofür sich die Gruppe als Ganzes einsetzt. Der Sinn einer Gruppe kann dabei sowohl die Erreichung eines konkreten Ziels sein oder aber das Verfolgen einer eher abstrakten Mission. Je deutlicher der Sinn formuliert ist und je mehr sich Ihre Mitarbeiter mit ihm identifizieren können, desto mehr Zufriedenheit kann dies bei Ihren Mitarbeitern freisetzen.
Die Identität regelt einerseits, wer zur Gruppe gehört und wer nicht, und andererseits, was die Qualitäten oder Eigenschaften sind, für die diese Gruppe einsteht. Die Identität einer Gruppe stellt eine eigene Einheit dar, welche die individuellen Identitäten ihrer Mitglieder übersteigt. Damit eine Gruppe funktionieren kann, müssen die Mitglieder ihre Identität der Gruppenidentität zumindest teilweise unterordnen. Dies wird auch als Loyalität bezeichnet. Im Ausgleich dafür erhalten sie von der Gruppe das Gefühl der Zugehörigkeit, was nicht notwendigerweise etwas mit tiefer Sympathie zu tun haben muss. Stark ausgeprägte Identität und Zugehörigkeit sorgen in einer Gruppe für ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität. Dies ist umso bedeutsamer, je turbulenter und belastender das Umfeld ist, in dem Ihr Team agiert. Eine stabile emotionale Heimat in einer Gruppe zu haben, ist eine wichtige Ressource, um Ihr Team zu stärken.
Der Autor
Karsten Drath ist Coach und Managing Partner bei Leadership Choices, einer internationalen Unternehmensberatung mit Sitz in Wiesbaden. Schwerpunkt seiner Arbeit sind die Führungskräfte- und Organisationsentwicklung auf Top-Management-Ebene. Der Autor arbeitet mit Top-Managern und ihren Teams, um die Effizienz und Widerstandsfähigkeit von Führung zu verbessern. Außerdem ist Karsten Drath zertifizierter Executive Coach, Buchautor und Dozent.














