ABB
Die ABB-Neuheiten zur Hannover Messe 2013
Noch sind es über zwei Monate hin, bis die Hannover Messe 2013 ihre Pforten öffnet: Im Rahmen einer Vorpressekonferenz hat ABB schon jetzt einen Einblick in die dort zu erwartenden Highlights gewährt – darunter die neue Engineering-Suite 'Automation Builder' sowie diverse Leistungsschalter.
Sich vom Komponenten- zum Lösungsanbieter zu entwickeln – so lautet das erklärte Ziel der ABB-Division Industrieautomation und Antriebe. Auf dem Weg dorthin hat das Unternehmen nun laut Dr. Sönke Kock "einen wichtigen Meilenstein erreicht". Kern der Automation Builder Suite ist die Engineering-Plattform basierend auf dem Codesys Framework 3.0. In dieser Plattform, die eine gemeinsame Objektdatenstruktur zur Konfiguration bereitstellt, speichern künftig alle Tools ihre Projektdaten. Hieraus werden zudem die relevanten Plug-ins und Tools für die verschiedenen Geräte gestartet. Nicht zuletzt stellt sie das Portal für webbasierte Inhalte, wie Applikationsbeispiele, Gerätebeschreibungen, News und Software-Updates dar. Eine Projektdatei für alle Engineeringkomponenten gewährleistet Kock zufolge, "dass die Software stets auf dem aktuellen Stand ist und keine Versionskonflikte auftreten. Das Distributionsmedium USB-ROM mit gemeinsamem Installer sorgt gleichzeitig für eine reibungslose und schnelle Installation – kunden- oder projektspezifisch."
Die Komponenten des Automation Builder
Der Automation Builder enthält zunächst den Control Builder Plus, das bisherige Programmier- und Konfigurationstool für die Speicherprogrammierbaren Steuerungen AC500 und AC500-eCo in der Version 2.3. Als neues Feature wurde hier unter anderem die Möglichkeit der Programmierung in der Hochsprache C integriert. Entsprechende Funktionsblöcke lassen sich mit IEC-61131-Blöcken mischen und auch die integrierte C-Programmierung über den GNU-Compiler für die SPS AC500 ist zukünftig möglich. Weiterhin ist die Sicherheitssteuerung AC500-S im Projekt optional mit nicht-sicheren Geräten kombinierbar. Die Programmierung erfolgt analog zur Standard-SPS, allerdings mit einem sicherheitszertifizierten Editor gemäß SIL 3 (IEC 61508) und PL e (ISO 13849).
Ebenfalls als integrierte Funktionen im Automation Builder realisiert, sind die Parametrierung und Anwendungsprogrammierung von elektrischen Antrieben über den aktualisierten ‚Drive Manager‘. Dieser ermöglicht die Fernkonfiguration und Online-Diagnose von ABB-Frequenzumrichtern über das SPS-Netzwerk, was die Inbetriebnahme und Diagnose des Gesamtsystems beschleunigt. Ein neues Feature ist in diesem Zusammenhang die Anwendungsprogrammierung des Industrial Drive ACS880. Wurde dieser bis dato mit einer proprietären Sprache programmiert, so zeigt ABB in Hannover erstmals die Variante mit einer Embedded-SPS auf Basis von Codesys. Systemintegratoren und Maschinenbauer können die antriebsbasierte Steuerung mit den Ein- und Ausgängen der Antriebe somit für die Realisierung einer dezentralen Steuerung nutzen.
Was Motion Control beziehungsweise die Einbindung des Servotechnik betrifft, so kann der Anwender durch die Integration des Mint Workbench V5706 in den Automation Builder künftig den Ethercat-Antrieb MicroFlex e150 mit einer AC500 als zentralen Mehrachs-Motion-Controller verwenden. Hierfür hat ABB eine eigene PLCopen-basierte Bibliothek erstellt, womit das Motion-Control-Portfolio entlang der Mint-Produktlinien NextMove, MotiFlex und MicroFlex um eine SPS-basierte Lösung erweitert wurde.
Bleibt noch das Thema Robotik-Integration, was den Worten von Sönke Kock zufolge für viele Anwender immer noch ein Ärgernis darstellt – insbesondere was die Schnittstelle vom Roboter zur SPS angeht. Zwar will ABB hier keinen neuen Standard definieren, wohl aber die Schnittstellenanbindung über den Automation Builder 'automatisieren'. Teil der Automation Builder Suite ist die neueste Version 5.15 von Robotstudio, dem Softwaretool zur Konfiguration, Programmierung und Simulation der ABB-eigenen Roboter. Um diese als Feldgerät an die AC50-SPS anbinden zu können, werden gemeinsame Feldbus-I/O-Signale definiert und nach Robotstudio übertragen. Von dort ist die I/O-Kommunikation der Robotersteuerung IRC5 dann einfach und konsistent konfigurierbar. Damit, so Kock, "werden SPS und Roboter Teil des gleichen Automatisierungsprojekts und inkonsistente Schnittstellen gehören der Vergangenheit an."
Neues auch bei der Leittechnik
Neben dem Automation Builder stellt ABB auf der Hannover Messe neue Versionen seiner Prozessleitsysteme Freelance und System 800xA vor.
So wird zur Messe 'Freelance 2013' zum Vertrieb freigegeben. Im Mittelpunkt dieser neuen Version steht der Controller AC 900F, der das verfügbare Hardware-Portfolio nach oben abrundet. Gegenüber dem aktuell stärksten Modell AC 800F wartet er mit doppelter Geschwindigkeit und doppeltem Speichervolumen auf. Weiterhin bietet der Controller die optionale Möglichkeit des Redundanzbetriebs. Ein im Bereich der Leitsysteme seltenes Feature ist laut ABB die Option, Programme oder Programmänderungen per SD-Karte in den Controller zu laden, ohne die Engineering-Umgebung nutzen zu müssen. Weiterhin erfährt das Engineering-Tool 'Control Builder F' eine umfassende Überarbeitung. Last but not least wurde für Freelance ein Formulierungspaket geschnürt, mit dem einfache Batch-Applikationen ohne zusätzliche Softwarepakete komplett in Freelance abgebildet werden können.
Was das System 800xA betrifft, geht ABB in Hannover vor allem auf das Thema Electrical Integration ein, das heißt auf die integrierte Bedienung von Energieautomation und Prozessautomation. Mit der Einführung der IEC 61850 ist die Integration deutlich vereinfacht und wird im neuesten Feature Pack 4 durch die Bereitstellung von Typicals für die Repräsentation der elektrischen Ausrüstung erleichtert.
Zweiter Schwerpunkt ist Safety & Security: Der erste Aspekt wird bei ABB mit dem Begriff ‚High Integrity (HI)‘ adressiert. Hier stehen SIL3-zertifizierte Controller zur Verfügung und für Anwender, die noch kein System 800xA im Einsatz haben, wird die HI-Lösung ab sofort auch stand-alone angeboten. Was schließlich das Thema Cyber Security betrifft, kann mit einer für System 800xA zertifizierten Lösung von ‚Industrial Defender‘ die Sicherheit der gesamten Installation erhöht werden. ABB bietet hierzu zudem Services an, die dem Anwender helfen, den Sicherheitsstatus festzustellen und zu erhöhen.













