Forschungsergebnisse für die Produktionspraxis
Fraunhofer IPK veröffentlicht Leitfaden für ambidextre Produktionssysteme
Das Fraunhofer IPK und Accentus haben einen Praxisleitfaden zur organisatorischen Ambidextrie in produzierenden Unternehmen veröffentlicht. Die Publikation zeigt, wie sich effiziente Kernprozesse mit Innovationsfähigkeit verbinden lassen und basiert auf Forschungsergebnissen aus dem Projekt ‚AmbiProd‘.
Das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) hat gemeinsam mit Accentus den Praxisleitfaden „Wenn das Tagesgeschäft die Zukunft verdrängt“ veröffentlicht. Die Publikation richtet sich an Führungskräfte produzierender Unternehmen und entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Ambidextre ganzheitliche Produktionssysteme (AmbiProd)“.
Das Projekt wurde gemeinsam mit Ingenics Consulting sowie den Anwendungspartnern AZO Global Product Center und budatec durchgeführt. Es ist Teil der Hightech Agenda Deutschland und wurde im Förderprogramm „Zukunft der Wertschöpfung“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Balance zwischen Stabilität und Innovation
Ausgangspunkt des Leitfadens ist die Beobachtung, dass Unternehmen ihr Tagesgeschäft meist priorisieren, während Innovationsprojekte häufig in den Hintergrund geraten. Das Konzept der organisationalen Ambidextrie soll helfen, bestehende Prozesse effizient zu betreiben und gleichzeitig neue Entwicklungen sowie unvorhersehbare Ereignisse zu bewältigen.
Der Leitfaden basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen sowie empirischen Erkenntnissen aus 18 leitfadengestützten Interviews mit Mitarbeitenden und Führungskräften sowie Beobachtungen in realen Produktionsumgebungen. Die Auswertung zeigt, dass standardisierte Abläufe und Prozessdisziplin in vielen Unternehmen gut etabliert sind, explorative Aktivitäten jedoch häufig zu kurz kommen.
Acht Gestaltungsfelder und neues Organisationsmodell
Als Handlungshilfe stellt die Veröffentlichung ein Basismodell mit acht Gestaltungsfeldern vor. Diese reichen von Unternehmenskultur und Strategie über Führung und Organisationsstruktur bis hin zu Kompetenzentwicklung und digitalen Assistenzsystemen. Ergänzend unterstützt ein Zielsystemkonfigurator Unternehmen dabei, den eigenen Entwicklungsstand zu bewerten und geeignete Maßnahmen abzuleiten.
Eine weitere Komponente ist die sogenannte Projekt-, Innovations- und Krisenstruktur (PIK) mit einem zentralen Lagezentrum. Das Modell orientiert sich an Organisationsprinzipien der Polizei und soll Innovationsprojekte sowie Krisensituationen koordinieren, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen.










