AMA Verband für Sensorik und Messtechnik

Inka Krischke,

Schlüsseltechnologie Sensorik

Wo steht die Sensorik-Branche in Deutschland aktuell und wohin geht die Entwicklung? Philipp Gutmann, neuer Geschäftsführer des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik, erläutert die Herausforderungen, mit denen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen konfrontiert sind.

Philipp Gutmann: „Ich blicke sehr optimistisch in die Zukunft und sehe für unsere Mitglieder große Chancen in der Kopplung von Sensorik und KI.“ © Hoffotografen/Christine Blohmann

Welche zentralen Ziele setzen Sie sich als neuer Geschäftsführer des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik?

Mein Ziel ist, das Netzwerk sowie die Innovationskraft unserer Branche weiter zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Mitglieder nachhaltig zu fördern. Ein besonderes Anliegen ist mir die engere Vernetzung zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen, um den Technologietransfer zu beschleunigen und neue Entwicklungen schneller zur Marktreife zu bringen.

Ein konkretes Beispiel hierfür ist unsere aktuelle Studie ‚Sensor Trends 2030‘, die wir gemeinsam mit dem VDI und unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Klaus Drese von der Hochschule Coburg durchgeführt haben. Diese Studie zeigt auf, welche technologischen Entwicklungen und Markttrends die nächsten Jahre prägen werden – von Smart Sensor Systems über Edge Computing bis zu nachhaltigen Sensorkonzepten. Unser Ziel ist es, diese Erkenntnisse für unsere Mitglieder nutzbar zu machen und die Branche strategisch auf die kommenden Herausforderungen und Chancen vorzubereiten.
Darüber hinaus sehe ich die Internationalisierung als wichtigen Schwerpunkt: Der hohe Exportanteil der Branche unterstreicht die globale Bedeutung der Sensorik und Messtechnik. Ich möchte unsere Mitglieder dabei unterstützen, ihre internationale Präsenz auszubauen und regulatorische Hürden erfolgreich zu bewältigen unter anderem mit Kooperationen wie dem französischen Sensor Netzwerk ‚Reseau Mesure‘ oder der Zusammenarbeit mit Wissenschaftskonferenz ‚Eurosensors‘ in Verbindung mit unserem Wissenschaftsjournal JSSS.

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Die Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen steht im Fokus. Die Sensorik ist eine Schlüsseltechnologie für Digitalisierung und Automatisierung – es gilt, diesen Vorteil bestmöglich zu nutzen und unsere Mitglieder dabei zu unterstützen sich strategisch auf die Zukunft vorzubereiten.

Wie ist es derzeit wirtschaftlich um die Sensorik-Branche bestellt? Was treibt die in Ihrem Verband organisierten, vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen um?

Trotz der global angespannten wirtschaftlichen Lage in Schlüsselindustrien wie der Automobilbranche bleibt die Sensorik- und Messtechnikbranche insgesamt stabil. Für 2025 erwarten wir einen Umsatzanstieg von etwa 3 %, nachdem die Branche 2024 einen Rückgang von 4 % verzeichnete. Besonders bemerkenswert ist, dass unser Bereich seit 2015 mit durchschnittlich 6 % pro Jahr relativ stärker gewachsen ist als das verarbeitende Gewerbe insgesamt. Das zeigt, dass Sensorik und Messtechnik eine zentrale Rolle in nahezu allen Lebensbereichen spielen und somit eine gewisse Krisenresistenz aufweisen.
Ein weiteres wichtiges Thema für unsere Mitglieder ist der hohe Exportanteil von 56 %, wobei 33 % in Nicht-EU-Staaten wie die USA und Asien gehen. Damit spielen internationale Handelsbedingungen, insbesondere Zölle und Exportregularien, eine wesentliche Rolle – auch für den Mittelstand.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für die Branche?

Die größten Herausforderungen für die Branche liegen aktuell in den globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten, die zu Nachfrageschwankungen führen. Befürchtete Lieferengpässe – Stichwort Taiwan –, steigende Rohstoffpreise und geopolitische Spannungen wirken sich auf die Produktionsprozesse unserer Mitglieder aus.
Ein konkretes Beispiel für geopolitische Unsicherheiten sind die von Donald Trump angedeuteten neuen Zölle auf europäische Produkte, die den Export in die USA – einen der wichtigsten Märkte für die deutsche Sensorik und Messtechnik – erschweren könnten.
Zusätzlich sorgt die Umsetzung des Lieferkettengesetzes weiterhin für einen erhöhten administrativen Aufwand, insbesondere für KMU. Diese Unternehmen müssen ihre Lieferketten transparenter gestalten und Compliance-Anforderungen erfüllen, was zusätzliche Ressourcen bindet. Während Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Lieferketten wichtige Ziele sind, stellen die aktuellen Regularien viele Unternehmen vor Herausforderungen.

Auch die steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz stellen viele Unternehmen vor Herausforderungen, bieten aber gleichzeitig Chancen für innovative Lösungen. Sensorik kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie Prozesse effizienter und umweltfreundlicher gestaltet.

Wie entwickelt sich der Markt für vernetzte Sensorik?

Der Markt für vernetzte Sensorik wächst kontinuierlich, da immer mehr Branchen IoT- und Edge-Computing-Lösungen implementieren, um Prozesse zu optimieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Unsere Mitglieder investieren in diese Technologien, um den steigenden Anforderungen an Echtzeit-Datenverarbeitung und dezentrale Intelligenz gerecht zu werden. Ein besonders dynamischer Bereich ist die industrielle Automation, wo Sensoren direkt in Maschinen eingebaut werden, um präzise und schnelle Entscheidungen vor Ort zu ermöglichen. Auch in der Medizintechnik und im Umweltmonitoring spielen vernetzte Sensoren eine immer größere Rolle.

Allerdings bringt die Vernetzung auch Herausforderungen mit sich – insbesondere im Bereich der Cybersicherheit und der Datenintegrität. Hier müssen Unternehmen ihre Strategien anpassen, um sichere und zuverlässige Lösungen anbieten zu können.

Inwiefern beeinflussen aktuelle Regularien wie etwa die NIS2-Richtlinie die Unternehmen der Sensorik-Branche?

Die NIS2-Richtlinie stellt erhöhte Anforderungen an die Cybersicherheit und betrifft damit auch viele Unternehmen in der Sensorik- und Messtechnikbranche. Gerade für mittelständische Unternehmen kann die Umsetzung dieser Richtlinien eine Herausforderung darstellen, da sie mit zusätzlichen Aufwänden für IT-Sicherheit und Compliance verbunden ist.

Gleichzeitig bietet die gestiegene Bedeutung der IT-Sicherheit neue Geschäftschancen für unsere Mitglieder. Sensorik ist oft ein kritischer Bestandteil von vernetzten Systemen – sichere und widerstandsfähige Sensorlösungen werden daher künftig noch stärker gefragt sein.

Als Verband sehen wir es als unsere Aufgabe, unsere Mitglieder über neue Regularien zu informieren und sie dabei zu unterstützen, sich frühzeitig auf neue Anforderungen einzustellen.

Inwiefern ist das Thema künstliche Intelligenz für die Verbandsmitglieder von Relevanz? Welche Rolle spielt der EU AI Act für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Sensorlösungen?

Jede Branche muss sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzen. Für die Sensorik- und Messtechnik ist das Thema jedoch besonders relevant, da Sensoren die Grundlage für viele KI-Anwendung bilden. Ohne präzise Sensordaten kann eine KI keine fundierten Entscheidungen treffen. Ich sehe Sensorik als die ‚Sinnesorgane‘ der Künstlichen Intelligenz – sie liefern die essenziellen Informationen, auf deren Basis KI-Modelle lernen und agieren können.

Während der EU AI Act einen regulatorischen Rahmen schafft, beobachten wir derzeit noch eine Phase der Orientierung, in der die Verbindung von Sensorik und KI in konkrete Anwendungen übersetzt wird. Ich bin überzeugt, dass sich diese Entwicklung sehr viel schneller vollziehen wird, als viele erwarten. Davon wird auch die Sensorik erheblich im Bereich der Quantensensorik profitieren, die völlig neue Messmöglichkeiten eröffnen wird.

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