Tipps vom Coach
Wie kann man nach 20 Jahren im Job weiterhin motiviert sein?
Ständiger Wandel, unvorhersehbare Veränderungen, steigende Komplexität – da kann die Motivation leiden. Was man dagegen tun kann, erläutert Coach Oliver Erbe.
Die moderne Arbeitswelt unterliegt einem ständigen Wandel, geprägt durch Veränderungen, Unvorhersehbarem, zunehmende Komplexität und vielschichtige Herausforderungen. In diesem dynamischen Umfeld sind neue Kompetenzen unabdingbar, um es erfolgreich zu navigieren. Eine dieser entscheidenden Fähigkeiten ist die sogenannte mentale Agilität, die sowohl für Führungskräfte als auch für Mitarbeiter von großer Bedeutung ist. Diese Fähigkeit ermöglicht es, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, ohne bei jeder neuen Situation übermäßig viel Energie investieren zu müssen.
Doch was, wenn nach zwei Jahrzehnten im Unternehmen Schwierigkeiten auftreten? Wenn neue Projekte ohne die gewohnten Kenntnisse und Fähigkeiten stattfinden und die Motivation nachlässt?
Die gute Nachricht: Es gibt Stellschrauben, die gedreht werden können.
Ich setze im Coaching gerne das FiRE-Modell (Factors improving Resilience Effectiveness) ein, um meine Klienten bei der Reflexion über Haltung, mentale Agilität und Sinn zu unterstützen. Basierend auf verschiedenen Studien schlägt dieses Modell Handlungsfelder vor, die Einfluss auf die aktuelle Verfassung und Stimmung haben. Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Handlungsansätze vorstellen, die Coaches für sich mithilfe des Modells als zielbringend empfunden haben.
Wie blicke ich auf die Situation?
Es ist wichtig, bewusst über die eigene Haltung zu neuen Inhalten und Prozessen nachzudenken. Eine schrittweise Änderung der Haltung, beispielsweise von einer kritischen zu einer neugierigen Perspektive, kann hilfreich sein. Das mag am Anfang schwerfallen, wird aber immer leichter werden – wie ein Muskel, den Sie trainieren.
Wie blicke ich auf die Situation?
Es ist wichtig, bewusst über die eigene Haltung zu neuen Inhalten und Prozessen nachzudenken. Eine schrittweise Änderung der Haltung, beispielsweise von einer kritischen zu einer neugierigen Perspektive, kann hilfreich sein. Das mag am Anfang schwerfallen, wird aber immer leichter werden – wie ein Muskel, den Sie trainieren.
»Ja und« statt »Nein«
Fällt Ihnen auf, dass Sie auf angekündigte Veränderungen eher kritisch reagieren und auch Gründe erkennen, warum diese nicht optimal sind? In diesem Falle kann konstruktive Kommunikation von Kritik durch den Einsatz von »Ja und...«-Ansätzen hilfreich sein. Es ist ratsam, die Energieinvestition in Themen, die nicht beeinflussbar sind, sorgfältig abzuwägen. Setzen Sie diese Energie dort ein, wo es sinnvoll ist.
Wann bin ich im Flow?
Erkennen Sie, bei welchen Tätigkeiten Sie so richtig im Flow sind, also Energie verspüren, die bei einer Tätigkeit freigesetzt wird. Was tun Sie in einem solchen Moment? Die Identifizierung dieser Tätigkeiten, die Sie in den Zustand des Flows versetzen, ist entscheidend: Ist es Ihnen möglich, diese Tätigkeiten häufiger in Ihren Arbeitsalltag zu integrieren? Versuchen Sie, falls möglich, Ihre Arbeitsinhalte so weit wie möglich selbst zu gestalten.
Was treibt mich an?
Verschiedene Motivatoren treiben uns dazu an, Aufgaben mit mehr oder weniger Freude und Energie zu bewältigen. Warum arbeite ich? Häufige Motivationsquellen sind beispielsweise:
- Anerkennung – Es fühlt sich gut an, wertgeschätzt zu werden und die eigene Wirksamkeit zu spüren.
- Wissensdurst – Die persönliche Weiterentwicklung durch kontinuierliches Lernen motiviert viele.
- Perfektionierung: Es kann ein starker Antrieb sein, Projekte, Produkte und Ideen zu einem guten Endergebnis zu führen.
- Ordnung – Die Umwandlung scheinbar chaotischer Situationen in funktionierende Ordnung wird von vielen als erfüllende Zielsetzung empfunden.
- Status – Auch die Frage nach der eigenen Position im Vergleich zu anderen wirkt oft als motivierender Faktor, um sich selbst mehr zu engagieren.
- Freiheit – Die Möglichkeit, in der Tätigkeit Freiheiten zu haben oder zu schaffen, kann eine starke Motivation sein.
- Einfluss – Für viele kann es befriedigend sein, auf Dinge Einfluss auszuüben und Teil einer Richtungsentscheidung zu sein.
- Ehre – Der Stolz, Teil einer bestimmten Entwicklung oder einer bekannten Marke zu sein, gibt Energie.
- Verbundenheit – Eine Gemeinschaft zu finden, in der man sich wohl fühlt, kann sehr erfüllend sein.
- Sinnerfüllung – Die Möglichkeit, im Job einen Zweck und einen tieferen Sinn zu erfüllen, kann stark motivieren.
Was motiviert Sie? Welche Maßnahmen können Sie in Ihrem aktuellen Job priorisieren, um Ihre eigenen Motivatoren stärker zu erfüllen?
Wie ist meine Positionierung im Unternehmen?
Denken Sie darüber nach, wie Sie im Unternehmen wahrgenommen werden möchten, wofür Sie stehen wollen und mit welchen Werten Sie in Verbindung gebracht werden möchten. Ein Fall aus meiner Coaching-Praxis illustriert, wie sich die Positionierung im Laufe der Zeit ändern kann.
Ein Coachee fühlte sich durch viele technische Veränderungen abgehängt. Seine Expertise hatte sich verschoben und er wurde nun als Netzwerker und Verbinder wahrgenommen. Diese Klarheit über seine neue Positionierung half ihm, seine aktuellen Stärken zu erkennen und neu motiviert zu werden.
In einem anderen Fall positionierte sich ein Coachee als »väterlicher Freund und Berater«. Das bedeutet, Werte vorzuleben, unterstützend und beratend zur Verfügung zu stehen sowie sich um das Wohlbefinden des Teams zu kümmern – eine wichtige Voraussetzung für Erfolg.
Wichtig ist, sich über folgende Fragestellungen Klarheit zu verschaffen: Wie ist Ihre vergangene Positionierung? Hat sich etwas verändert? Wie möchten Sie heute wahrgenommen werden?
Sind Sie motiviert, sich zu motivieren?
Welche Zutaten können Sie in der passenden Dosierung für Ihr persönliches Motivationsrezept einsetzen? Sind Sie bereit, Ihr Rezept umzusetzen? Stellen Sie sich vor, Sie gehen voller Energie, Spaß und Motivation zur Arbeit. Wie fühlt sich das an? Ist es nicht lohnend, in diese Richtung so viele Schritte wie möglich zu unternehmen?
Der Autor
Oliver Erbe ist zertifizierter Business Coach und Associate Partner bei Leadership Choices in Wiesbaden. Mit über 20 Jahren Management-Erfahrung in verschiedenen internationalen Konzernen unterstützt er heute Führungskräfte in Fragen der Selbst- und Teamführung.














