Tipps vom Coach

Karsten Drath | Andrea Gillhuber,

Warum ist Resilienz bei Stress wichtig?

Es gibt zahlreiche Führungskräfte, denen Probleme oder Konflikte buchstäblich den Schlaf rauben, während andere in ähnlicher oder noch schlimmerer Situation die Ruhe selbst zu sein scheinen. Doch was hat Resilienz damit zu tun?

© stokkete/stock.adobe.com

Das Empfinden von Stress ist in hohem Maße subjektiv. Das bedeutet, verschiedene Menschen reagieren auf eine vergleichbare Anforderung mit unterschiedlich ausgeprägten Stressreaktionen. Das Maß an objektiven Belastungsfaktoren ist daher keinesfalls gleichzusetzen mit dem subjektiv empfundenen Stress, den ein Mensch biologisch und emotional deswegen erlebt. Wie sensibel oder robust das Stress-System einer Person auf eine Herausforderung von außen reagiert, hängt im Wesentlichen von der Ausprägung seiner individuellen Resilienz ab.

Einstellung zu negativen Belastungen entscheidend – Stress als »Kick«

Neben der genetischen Veranlagung eines Menschen haben vor allem dessen biografische Erfahrungen in der Kindheit und Jugend einen starken Einfluss darauf, ob er sich von Herausforderungen eher angespornt oder überwältig fühlt. Aber auch eigene Glaubenssätze und die Haltung gegenüber Problemen spielen dabei eine herausragende Rolle. Ebenso ist das Umfeld für die Resilienz von Mitarbeiter und Führungskräfte von zentraler Bedeutung.

Ein sich hartnäckig haltender Mythos über die Resilienz ist der, dass resiliente Menschen sich besser schonen und sich so einfach weniger Stress aussetzen als andere. Doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Zahlreiche Studien legen nahe, dass resiliente Persönlichkeiten vielmehr eine andere Einstellung zu negativen Belastungen entwickelt und kultiviert haben und diese daher als weniger belastend empfinden, obwohl sie objektiv durchaus mit sehr großen Aufgaben zu kämpfen haben. Stress stellt eine Folge der Aktivierung des Schmerzareals im Gehirn dar – unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen körperlichem, sozialem oder seelischem Schmerz. Bei Menschen mit einer ausgeprägten Resilienz wird tendenziell eher das Belohnungszentrum als das Schmerzareal aktiviert, da sie sich von schwierigen Herausforderungen nicht überwältigt fühlen, sondern einen »Kick« davon bekommen, diese zu überwinden.

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Wenn sich Stress auslösende Faktoren addieren

Faktoren, die die individuelle Resilienz und Stressresistenz eines Menschen schwächen, können sich aufaddieren, sprich: verschiedene kleinere schwächende Faktoren, die jeder für sich genommen kein gravierendes Problem darstellen, können sich in der Summe aufschaukeln, wenn nicht genügend stärkende Faktoren dem entgegenstehen. Dies trifft umso mehr zu, je mehr diese stressauslösenden Faktoren in verschiedenen Lebensbereichen auftauchen, beispielsweise wenn neben Problemen im Job noch Schwierigkeiten in der Beziehung oder mit der Gesundheit auftauchen. Die verschiedenen Lebensbereiche und ihre individuelle Bedeutung sind dabei natürlich für jeden Einzelnen unterschiedlich. Meine Erfahrung ist, dass vielen Managern, mit denen ich arbeite, ein Bewusstsein oder eine gute Übersicht fehlt, welche Faktoren in ihrem Leben – neben dem schwierigen Vorstand und den unmöglichen Kunden – überhaupt Stress auslösen.

Resilienz aufbauen

Ein weiterer Aspekt, der eine wichtige Rolle spielt, ist der Zeitpunkt, zu dem man mit dem Training seiner eigenen Resilienz beginnt. Wenn jemand segeln will, beginnt man damit typischerweise nicht bei Windstärke zehn, sondern bei einem beherrschbaren Wind mit vielleicht drei bis vier Windstärken. Mit der Resilienz verhält es sich ähnlich: Die innere Widerstandsfähigkeit wird am effektivsten vor dem Eintreten einer schwerwiegenden Karriere- oder einer allgemeinen Stresssituation geschult und nicht erst, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Kann man jedoch darauf vertrauen, bei Bedarf Unterstützung von Kollegen und Führungskräfte oder seinem familiären Umfeld zu erhalten, so reduziert dies deutlich die Wahrnehmung von Stress. Will man also Manager und ihre Mitarbeiter im Umgang mit Stress stärken, so ist der vielversprechendste Hebel die Verbesserung ihrer Resilienz.

Der Autor

Karsten Drath ist seit 2006 als Coach für Führungskräfte bei Leadership Choices tätig. In seiner Zeit als Coach veröffentlichte er mehrere Artikel und Bücher zum Thema Führung, Coaching und Resilienz.

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