Wave Trophy 2014 – Tag 6
Zerreißprobe in den Walliser Alpen
Bei strahlendem Sonnenschein geht es für die Teilnehmer der Wave Trophy 2014 auf den 2.429 Meter hohen Furkapass in den Schweizer Walliser Alpen. Zu den Höhenmetern kommen noch zeitlich begrenzte Ladezeiten und eine Geschicklichkeitsprüfung hinzu. Das Phoenix Contact-Team kalkuliert mit der Reichweite ihres e-Golfs.
Das Wetter am Morgen ist phantastisch - kein Regen, aufgelockerte Bewölkung. Im Roadbook für heute steht eine Etappe von 224 Kilometern verbunden mit einem Anstieg um mehr als 2.000 Höhenmeter. Diese Etappe ist vergleichbar mit der Effizienzetappe von Wolpertshausen nach Garching bei München vor ein paar Tagen. Eine Steigerung besteht darin, dass die Abfahrtzeiten an den Haltepunkten durch den Tourdirektor Louis Palmer vorgegeben sind. Unsere Pausenzeiten zum Nachladen sind daher zeitlich sehr begrenzt. Als Folge müssen wir also eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit aufbringen, um mehr Zeit zum Laden zu haben. Hinzukommen die Anstiege, insbesondere der Anstieg zum Furkapass.
In Schwyz ändert sich die eigentlich geplante Route. Wir werden in die Gruppe der Langdistanzfahrer aufgenommen und haben als neuen Zielort Saas Fee. Diese Entscheidung des Tourdirektors bedeutet für uns noch einmal 1.000 Höhenmeter zusätzlich. Der Grund für diese Entscheidung: Wir haben die Möglichkeit, die Quickcharge-Box zu verwenden, wenn denn ein Drehstromanschluss gefunden wird.
Von Schwyz nach Andermatt gehen wir die ersten 1.000 Höhenmeter an – 52 Kilometer, die mit einem geladenen Akku auf ebener Straße keine Herausforderung wären. Doch in Andermatt zeigt uns der Ladezustand des Akkus bereits weniger als 50 % an. Nicht genug, um den Furkapass sicher zu bezwingen! Am Ladepunkt sind wir auf eine der wenigen Drehstromanschlüsse angewiesen, doch die wollen die anderen Teams natürlich auch nutzen. Sowohl in Göschenen, als auch in Andermatt können wir unseren Akku laden, doch die zur Verfügung stehende Ladezeit ist zu kurz – 100 % Ladung sind nicht drin. Als persönliche Schikane kommt noch hinzu, dass wir Teil eines Videos sein sollen. Das bedeutet: dynamisch fahren - und zwar bergauf.
Am Ende geht unser Plan auf. Wir erreichen die Furka-Passhöhe und nun nutzen wir die Rekuparations-Stufen des e-Golfs geschickt aus: Bergabfahren mit geringstem Bremseingriff - am Fuß des Passes beträgt der Ladezustand unseres Akkus etwas mehr als 50 %.
In Goms-Ulrichen steht eine Geschicklickeits-Prüfung auf den Plan. Diese hält fünf Aufgaben für alle Teams bereit:
- Rückwärts einparken in drei Parkplätze – dabei hat die Jury den Finger auf der Stoppuhr
- Einen Wendekreis fahren - dieser wird mit Punkten bewertet.
- Einen großen Ball mit dem Auto gezielt an eine Wand stoßen. Die Treffergenauigkeit wird bewertet.
- Eine Schikane-Fahrt um Pylone - aber das kannten wir ja schon aus dem vergangenen Jahr.
- Das Elektrofahrzeug so schnell wie möglich über eine Distanz von 15 Metern schieben.
In allen Prüfungen sind wir nicht an erster Stelle, doch wir bleiben optimistisch. Im oberen Feld sind wir auf jeden Fall mit dabei! Bei allem Spaß - auch solche Übungen kosten wertvolle Energie – können wir unser Fahrzeug nicht nachladen. Das Team 'VW', das auch mit einem e-Golf bei der Wave Trophy 2014 mitfährt, entscheidet vor Saas Fee – dem Tagesendziel – noch einmal ihr Fahrzeug nachzuladen. Tatsächlich findet sich mitten in den Bergen auf der Strecke ein örtlicher VW-Händler, der eine 400 V(AC) / 32 A-Steckdose bereithält. In 15 Minuten können sie den Ladezustand ihres Fahrzeuges von 49 % auf knapp 70 % erhöhen. Wir dagegen verzichten auf ein Nachladen - eine Entscheidung, die rückblickend fast zu einem Scheitern geführt hätte. Den Anstieg nach Saas Fee - nochmals 1.000 Höhenmeter - unterschätzen wir. Bei diesem Anstieg reduziert sich die Reichweite des Fahrzeuges im Verhältnis 1 zu 4, das heißt: Ein Kilometer Strecke minimiert die Reichweite des Fahrzeuges um vier Kilometer. Die letzten zehn Kilometer bis Saas Fee ziehen sich in die Länge. Dort angekommen, haben wir nur noch eine Restreichweite von elf Kilometern – bei der Steigung hätten wir also nur noch drei Kilometer fahren können. Aber geschafft ist geschafft!










