Wave Trophy 2014 – Tag 2
Nervenkrimi auf 215 Kilometern
Wie viel Reichweite kann man aus einem Elektrofahrzeug rauskitzeln? Am 2. Tag der Elektrofahrzeug-Rallye gilt es für die Teilnehmer 215 Kilometer von Wolpertshausen nach Garching bei München möglichst ohne Nachladen zu überwinden. Das Phoenix Contact-Team stellt den e-Golf auf die Probe.
Am Morgen in Wolpertshausen ist unser Auto bis zur Oberkante mit Energie gefüllt, so dass wir uns erst einmal Zeit für ein gutes Frühstück in einem örtlichen Bioladen nehmen. Danach geben wir die Etappenziele des Tages – Nördlingen, Neuburg, Pfaffenhofen und TU München in Garching – in unser Navigationssystem ein. Nach ausgiebigem Studium der Papierkarte wählen wir schließlich eine Route, die möglichst wenig Steigungen hat, denn Steigungen kosten Energie! Wir setzen uns das Ziel, die 215 Kilometer nach Garching ohne Nachladen zu schaffen. Doch die Reichweitenanzeige in unserem e-Golf gibt uns erst einmal einen Dämpfer. Der Grund: Die Anzeige nutzt als Stützwert die vergangenen Tage und 215 Kilometer sind hier nicht drin. Unsere Strategie ist, bei jedem Zwischenstopp neu abzuwägen, ob wir laden oder nicht.
Langsam - mit maximal 50 Stundenkilometern und im ECO+Mode - machen wir uns auf den Weg, natürlich nur auf Landstraßen. Einvernehmlich entscheiden wir, das Radio einzuschalten. Die Klimaanlage und alle anderen Verbraucher bleiben aus. Die wichtigste Anzeige ist in diesen Stunden das Navigationssystem. Bloß nicht verfahren! Auch den durchschnittlichen Verbrauchswert haben wir ständig im Blick: Ziel muss es sein unter 10 kWh pro 100 Kilometern zu bleiben. Zu unserem Glück bewegt sich die Anzeige kontinuierlich nach unten und pendelt sich ein zwischen 9 und 9,2 kWh/100 km. Ein phantastischer Wert, der aber den Fahrer sehr herausfordert! In Nördlingen angekommen befinden wir uns beim Verbrauch genau auf der Ziellinie – wir sind optimistisch. Allerdings sind in der Reichweitenprüfung dieses Tages feste Abfahrtszeiten angesetzt – der Tag zieht sich lange hin. Hinzu kommt die Geduldsprobe, vor einer verfügbaren Steckdose zu stehen und sie nicht nutzen zu dürfen. Wie wir bereits bei der Abfahrt ahnten, müssen die ersten Elektrofahrzeuge beim ersten Zwischenstopp in Nördlingen nachladen – sie werden bei der Reichweitenprüfung von der Wave-Jury also nur zwei Punkte bekommen.
Beim zweiten Stopp des Tages in Neuburg an der Donau empfängt uns der Bürgermeister auf dem Gelände der Stadtwerke. Wieder sind zahlreiche Interessierte da, die viel über Elektromobilität erfahren wollen. Auch an diesem Zwischenstopp entscheiden wir, nicht zu laden. Von Neuburg aus sind es noch 76 Kilometer nach Garching und die Reichweitenansicht zeigt uns noch 92 verfügbare Kilometer an. Es bleibt uns also eine hauchdünne Reserve von 16 Kilometern. Ortskundige Besucher geben uns Tipps für eine Route mit nur geringer Steigung. In Pfaffenhofen schrumpft das Feld der Konkurrenten - immer mehr müssen ihr Fahrzeug an der Ladesäule anschließen. Nach einer kleinen Stärkung machen wir uns auf die letzte Etappe, 37 km bis zur TU München in Garching. Unsere Reichweitenkalkulation zeigt noch 46 km an – die Reserve von 9 Kilometern muss ausreichen!
An der Autobahnauffahrt Pfaffenhofen diskutieren wir, ob wir es wagen wollen, die Autobahn zu nutzen. Denn dort wollen wir mit unserem Tempo kein Hindernis sein. Es gilt also mindestens 70 bzw. 80 km/h zu fahren. Gesagt, getan! Zu unserem Glück ist auf der Autobahn zähfließender Verkehr – dank Rush Hour und Baustelle. Unser Navigationsgerät zeigt vorsorglich alle Rastplätze auf der Strecke an, so dass wir jederzeit die Autobahn verlassen können. Nach 30 Kilometern Nervenkrimi auf der Autobahn verlassen wir an der Abfahrt München Garching Nord die Autobahn. Trotz des gewählten Tempos haben wir eine Reserve von sechs Kilometern, die wir auf dem restlichen Weg halten können. Unser persönliches Tagesziel ist erreicht! 215 km mit einer Batterieladung gefahren, sechs Kilomter Restladung im Akku und acht Punkte in der Reichweitenprüfung erreicht! Nachdem wir das Fahrzeug an eine Ladesäule anschließen, können wir für diesen Tag wieder aufatmen. Ein Feierabendbier haben wir uns verdient!










