Solarstrom aus der Wüste

Stefan Kuppinger,

Industrie-Initiative unterstützt Projekt Desertec

Zwölf Unternehmen wollen die Errichtung von Solarkraftwerken in Wüstenregionen vorantreiben und haben gestern in München ein „Memorandum of Understanding“ zur Gründung einer Desertec Industrial Initiative Planungsgesellschaft (DII) unterzeichnet.

© Solar Millennium

Ziel dieser Initiative ist die Analyse und Entwicklung der technischen, ökonomischen, politischen und ökologischen Rahmenbedingungen zur Kohlendioxid-freien Energieerzeugung (Solar- und auch Windkraftwerke) in den Wüstenregionen Nordafrikas.

Der durch die Quadrate markierte Platzbedarf für Solarkollektoren würde theoretisch genügen, um den weltweiten Strombedarf (18000 TWh/a, 90000 km²), von Europa (3.200 TWh/a, 15625 km²) und von Deutschland oder MENA (Middle-East and North-Africa) mit 600 TWh/a und 3025 km²) zu erzeugen.

© Solar Millennium

Ausgangspunkt bildet das von der TREC-Initiative (Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation) des Club of Rome entwickelte Desertec-Konzept, das die Vorteile einer nachhaltigen Stromversorgung für alle Regionen der Welt mit Zugang zum gewaltigen Energiepotenzial von Wüsten beschreibt. Der Club of Rome ist eine Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik, mit dem Ziel, sich für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft der Menschheit einzusetzen.

Nach den Untersuchungen der Desertec Foundation würden theoretisch rund 90000 km² Solarkollektoren ausreichen, um den weltweiten Strombedarf zu decken. Für den deutschen Strombedarf veranschlagt die Desertec-Foundation immerhin noch solarthermische Kraftwerke mit etwa 600 TWh Jahresproduktion oder 3025 km².

Die Gründungsunternehmen der DII, deren regionaler Fokus auf Europa, Nah-Ost und Nordafrika (MENA) liegt, sind die Firmen ABB, Abengoa Solar, Cevital, Deutsche Bank, E.ON, HSH Nordbank, MAN Solar Millennium, Münchener Rück, M+W Zander, RWE, Schott Solar und Siemens.

Die Unternehmen wollen bis Ende Oktober eine Planungsgesellschaft gründen, zu deren Gesellschaftern auch die Desertec Foundation gehören wird. Zu den wesentlichen Zielen der DII gehören auch die Erarbeitung konkreter Geschäftspläne und darauf aufbauender Finanzierungskonzepte sowie der Beginn von industriellen Vorbereitungen zum Bau einer Vielzahl vernetzter und über die MENA Region (Middle-East, North-Africa) verteilter solarthermischer Kraftwerke. Ziel ist bis 2050 rund 15 % des Strombedarfs von Europa und einen erheblichen Anteil des Strombedarfs für die Erzeugerländer zu erzeugen.

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Basistechnologie ist schon länger erprobt

Die Technologie für die Solarkraftwerke ist bereits seit Mitte der 80er Jahre verfügbar und in Anlagen wie in der kalifornischen Mojave-Wüste oder im andalusischen Kraftwerk AndaSol im Einsatz: Parabol-Rinnen-Panel. Bei diesen Typ wird Flüssigkeit durch die über Rarabolspiegel auf ein Rohr konzentrierte Sonnenenergie verdampft. Der Dampf treibt wiederum Turbinen mit Stromgeneratoren an.

Einer der wichtigsten Vorteile dieses Verfahrens ist die Stromerzeugung auch bei Dunkelheit. Dazu wird die bei Tag produzierte Energie genutzt, um Spezialsalz in riesigen Tanks zu verflüssigen. Nachts wird die gespeicherte Energie dann genutzt, um den Dampfstrom zu den Generatoren in Gang zu halten.

Insgesamt sollen rund 500 Solarkraftwerke in Südeuropa, Nord-Afrika und Nah-Ost entstehen. HGÜ-Leitungen (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) sollen die bei den extremen Leitungslängen entstehenden Übertragungsverluste auf 15 % bis 20 % begrenzen.

DII will handeln, nicht debattieren

Alle Tätigkeiten der Desertec Industrial Initiative sind darauf ausgerichtet, umsetzungsfähige Investitionspläne innerhalb von drei Jahren zu erstellen. Diese sehr praxisnahe Orientierung ist eine der Leitlinien, die in den DLL-Statuten festgeschrieben sind. Neben den Geschäftschancen für die Unternehmen ergeben sich weitere ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Potenziale, darunter:

  • eine höhere Energiesicherheit für die EU/MENA-Länder.
  • Wachstums- und Entwicklungschancen für die MENA-Region durch die Milliarden-schweren Investitionen privater Geldgeber
  • die Sicherung der künftigen Trinkwasserversorgung in den MENA-Ländern durch die Nutzung überschüssiger Energie in Meerwasser-Entsalzungsanlagen.

An Kritik wird nicht gespart

Kritiker bemängeln, dass die Finanzierung der Investitionen von rund 400 Mrd. € in Kraftwerke und die Infrastruktur wie das notwendige HGÜ-Netz (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) noch unklar ist. Ebenso offen sind die Themen Trassenführung der Leitungen, Aufkauf der notwendigen Flächen und die Sicherheit der Anlagen in Nordafrika und den anderen potenziellen Kraftwerks-Standorten in Wüstenregionen.

Elektroindustrie unterstützt Desertec-Initiative

ZVEI Vorsitzender Dr. Klaus Mittelbach: „Die Kritik am Desertec-Projekt ist unberechtigt.“

© ZVEI

Die deutsche Elektroindustrie stellt sich hinter die Desertec-Initiative deutscher Unternehmen, mit der in Nordafrika Solarstrom gewonnen werden soll. „Dies ist eine faszinierende Vision, auch wenn der Weg bis zur Realisierung sicher noch lang ist," sagt Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Die Initiative kann Deutschland und Europa beim Klimaschutz, der Diversifizierung der Energieversorgung und in der technologischen Führerschaft bei Solarenergie und Energieübertragung voranbringen.

Der Vorwurf von Projektgegnern, mit Desertec würde eine Energieabhängigkeit von einer politisch unsicheren Region entstehen, lässt Mittelbach nicht gelten: „Das Argument ist vorgeschoben,.denn die Aussage gilt schon jetzt für viele Länder aus denen Deutschland Energie bezieht."

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