Fraunhofer-Projekt FlexBit
KI-Plattform soll Energy Sharing in der Industrie ermöglichen
Im EU-Projekt FlexBit entwickelt das Fraunhofer IFF eine KI-gestützte Plattform zur Optimierung von Energiespeichern und zum Management industrieller Energy-Sharing-Systeme. Erprobt wird das Konzept in einer Industrial Energy Community in Magdeburg und gewinnt durch den neuen regulatorischen Rahmen des Energy Sharing an zusätzlicher Relevanz.
Hohe Energiepreise, schwankende Netze und der Druck zur Dekarbonisierung setzen produzierende Unternehmen zunehmend unter Spannung – auch in der Kunststoffbranche, wo energieintensive Prozesse wie Extrusion, Spritzguss oder Granulierung einen erheblichen Anteil der Betriebskosten ausmachen. Klassische Energiesysteme sind diesen Anforderungen oft nicht gewachsen: Sie sind starr ausgelegt und nutzen erneuerbare Energiequellen meist nur unzureichend.
Genau hier setzt das europäische Forschungsprojekt FlexBit an, das am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF koordiniert wird. Im Zentrum steht eine digitale Plattform, die mithilfe künstlicher Intelligenz das Management moderner Energiespeicher automatisiert und optimiert. Dazu zählen Technologien wie HT-PEM-Brennstoffzellen und Vehicle-to-Grid-Systeme, die gespeicherte Energie bedarfsgerecht wieder ins Netz zurückspeisen können. Ergänzt wird das Konzept durch Blockchain-Anwendungen, die den Energieaustausch innerhalb sogenannter Energiegemeinschaften – lokal vernetzter Erzeuger und Verbraucher – transparent und nachvollziehbar dokumentieren sollen.
Rückenwind erhält das Projekt durch die Gesetzgebung: Mit dem neuen Paragrafen 42c des Energiewirtschaftsgesetzes wird Energy Sharing in Deutschland ab dem 1. Juni 2026 operativ anwendbar. Damit steht erstmals ein regulatorischer Rahmen zur Verfügung, der die gemeinschaftliche Nutzung erneuerbarer Energien auch für industrielle Zusammenschlüsse ermöglicht.
Als Reallabor dient die Industrial Energy Community in Magdeburg, an der die Unternehmen Arte Möbel und Aue Bestattungen beteiligt sind. Beide erzeugen bereits Strom über Photovoltaikanlagen und sollen künftig von neuen Energy-Sharing-Modellen profitieren. Bei Arte Möbel werden unter anderem Produktionsprozesse, Druckluftkompressoren, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ins Energiemanagement eingebunden – Anlagenkomponenten, die sich strukturell auch in vielen Kunststoffbetrieben wiederfinden. Bei Aue Bestattungen stehen Batteriespeicher, Kälteanlagen und Ladepunkte im Mittelpunkt der digitalen Steuerung.
Ein weiterer Projektschwerpunkt liegt auf blockchain-basierten „Digital-Trust“-Lösungen, die Energieflüsse manipulationssicher dokumentieren und die Nachhaltigkeit von Energieflüssen besser nachvollziehbar machen sollen. Projektkoordinator Dr. Pio Alessandro Lombardi vom Fraunhofer IFF betont, dass die neue Gesetzgebung erstmals konkrete Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen schafft, die aktiv zur Energiewende beitragen und gleichzeitig wirtschaftliches Potenzial aus Energy-Sharing-Modellen heben wollen.
Für die Kunststoffindustrie, die sich ohnehin mit Themen wie Kapazitätsauslastung, steigenden Energiekosten und regulatorischem Druck auseinandersetzt, liefert FlexBit damit ein praxisnahes Beispiel, wie sich Energiemanagement künftig stärker in die Produktionsumgebung integrieren lässt. Die im Projekt entwickelten Steuerungs- und Vertrauensmechanismen sollen dabei als Grundlage für weitere Anwendungen im Bereich der automatisierten Fertigung dienen.
FlexBit wird im Rahmen der Clean Energy Transition Partnership (CETPartnership) gefördert, mitfinanziert durch die Europäische Kommission (GA N°101069750) sowie weitere beteiligte Förderorganisationen. Die Projektlaufzeit beträgt 30 Monate.










