Siemens
Mit neuer Konzernstruktur ins Digitalisierungs-Zeitalter
Der Siemens-Konzern verpasst sich einmal mehr eine neue Struktur - mit nur noch drei statt bisher fünf Geschäftsbereichen und einer Aufteilung in 'Operating Companies' und 'Strategic Companies'.
Siemens hat sein im Jahr 2014 initiiertes Strategieprogramm ‚Vision 2020‘ größtenteils abgeschlossen – laut Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands, erfolgreicher und schneller als geplant: „Wir haben in den vergangenen vier Jahren hart gearbeitet. Fast alle Geschäfte sind heute deutlich ertragsstärker und unsere Digital Factory ist Marktführer in der Industriellen Digitalisierung“.
Ungeachtet dessen soll die Konzernstruktur nun weiter verschlankt und vereinfacht werden. Kern der weiterentwickelten Unternehmensstrategie ‚Vision 2020+‘ sei es, den einzelnen Geschäften deutlich mehr unternehmerische Freiheit unter der Marke Siemens zu geben und damit den Fokus auf die jeweiligen Märkte zu schärfen. Außerdem ist geplant, mit Investitionen in neue Wachstumsgebiete, wie etwa den IoT-Services, dezentrales Energiemanagement oder infrastrukturelle Elektromobilität das Wachstumsportfolio zu stärken. Dazu soll auch der konzentrierte Ausbau der industriellen Digitalisierung beitragen. In Summe sollen somit mittelfristig die jährliche Wachstumsrate des Umsatzes und die Gewinnmarge des Industriellen Geschäfts um jeweils zwei Prozentpunkte steigen.
Siemens-Chef Joe Kaeser begründet den erneuten Konzernumbau wie folgt: „Die Geschwindigkeit und Mächtigkeit der globalen Veränderungen nehmen zu und wir haben die Pflicht, diese zu antizipieren. Es wäre unverantwortlich, wenn wir uns jetzt auf den erreichten Erfolgen ausruhten. Zudem werden nicht die größten Unternehmen überleben, sondern die anpassungsfähigsten.“
Einher mit dem Konzernumbau gehen nicht zuletzt neue Verantwortlichkeiten innerhalb des Siemens-Vorstandes.
Die neue Struktur im Detail
Konkret werden im Zuge des Konzernumbaus die Organisationsebene der bisherigen Divisionen gestrichen, die Landesorganisationen für noch mehr Kundenorientierung neu geordnet und die Konzernzentrale schlanker aufgestellt. Unterhalb der Konzern-Ebene wird es künftig drei Operating Companies und drei Strategic Companies geben. Kaeser hierzu: „Die Zeiten, in denen wir Projektgeschäft-, Produkt-, Software- und Dienstleistungsunternehmen mit ihren unterschiedlichen Anforderungen zentral und effizient steuern konnten, sind vorbei“.
Die neue Struktur tritt zum neuen Geschäftsjahr am 1. Oktober 2018 in Kraft. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und soll bis 31. März 2019 abgeschlossen sein. In den drei neuen Operating Companies gehen die Divisionen Building Technologies (BT), Energy Management (EM), Power and Gas (PG), große Teile der Process Industries & Drives (PD) und Digital Factory (DF) auf. Die Business Units des Unternehmens werden ebenfalls neu und fokussierter aufgestellt und den drei Operating Companies zugeordnet.
Die ‚Operating Companies‘ von Siemens
Gas and Power (GP)
Sitz: Houston / USA
CEO: Lisa Davis
COO: Tim Holt
CFO: Michael Becker
Das Unternehmen erwirtschaftet mit ca. 71.000 Mitarbeitern weltweit etwa 21 Mrd. Euro Umsatz und eine Gewinnmarge von rund 9 % (Geschäftsjahr 2017).
Smart Infrastructure (SI)
Sitz: Zug / Schweiz
CEO: Cedrik Neike
COO: Matthias Rebellius
CFO: Axel Meier
Das Unternehmen erwirtschaftet mit ca. 71.000 Mitarbeitern weltweit etwa 14 Mrd. Euro Umsatz und eine Gewinnmarge von rund 11 % (Geschäftsjahr 2017).
Digital Industries (DI)
Sitz: Nürnberg / Deutschland
CEO: Klaus Helmrich
COO: Jan Mrosik
CFO: Maria Ferraro
Das Unternehmen erwirtschaftet mit ca. 78.000 Mitarbeitern weltweit etwa 14 Mrd. Euro Umsatz und eine Gewinnmarge von rund 16 % (Geschäftsjahr 2017).
Die ‚Strategic Companies‘ von Siemens
Zu den Strategic Companies zählen die voll konsolidierten Mehrheitsbeteiligungen Siemens Healthineers, Siemens Gamesa Renewable Energy sowie bis zum geplanten Vollzug des Zusammenschlusses mit Alstom die Mobilitätssparte von Siemens.
Die ehemalige Division Financial Services wird im Bereich ‚Service Companies‘ zusammen mit ‚Global Business Services‘ und ‚Real Estate Services‘ geführt. Die Optimierung des Service-Portfolios soll zu einer deutlichen Effizienzsteigerung führen.
Im Bereich ‚Corporate Development‘ werden neben der Konzernforschung unter anderem auch die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (Small and Medium- Enterprises – SME) zentral geführt. Bei den SMEs handelt es sich zum einen um die zuvor in CMPA gehaltenen Beteiligungen und zum anderen um operative Geschäfte. Die operativen Geschäfte stammen im Wesentlichen aus der ehemaligen Division Process Industries & Drives (PD). Aber auch die zuvor in CMPA enthaltene ‚Siemens Postal Parcel & Airport Logistics‘ sowie das Subsea-Geschäft der Division EM sind nun in SME enthalten. Circa 21.000 Mitarbeiter erwirtschaften in den SMEs aktuell rund fünf Mrd. Euro Umsatz. Die Leitung der SMEs wird Jochen Eickholt übertragen.
im Fokus: Ausbau des Digitalisierungsgeschäfts
Mit der Übernahme von Mendix sowie dem Einstieg in das Geschäftsfeld ‚IoT Integration Services‘ will Siemens vor allem seine Position in der Industriellen Digitalisierung konsequent ausbauen. Mendix ist eines der führenden Unternehmen im Bereich der sogenannten ‚low code‘-Programmierplattformen. Unter anderem können Apps mit Hilfe der Mendix-Technologie bis zu zehn Mal schneller programmiert und implementiert werden. Dadurch können Siemens zufolge Mindsphere-Kunden deutlich schneller und kostengünstiger eigene Apps entwickeln.
Mit der neu geschaffenen Geschäftseinheit rund um das Thema ‚IoT Integration Services‘ plant Siemens zudem, auf der Basis von Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Cyber Security Beratungs-, Design-, Prototyping- und Implementierungs-Services anzubieten. Der weltweite Markt für IoT Integrationsdienstleistungen soll bis zum Jahr 2025 um 10 bis 15 %. Siemens hat vor, bis 2025 rund 10.000 Mitarbeiter in diesem Geschäft einzustellen.













