VDMA
Großanlagenbau: Entwicklung im Jahr 2012
Der aktuelle Lagebericht der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (AGAB) zeigt: Die Mitgliedsfirmen konnten in 2012 nicht an die positive Geschäftsentwicklung der Jahre 2010 und 2011 anknüpfen. Für 2013 erwartet die Branche eine leichte Belebung des Auftragseinganges im einstelligen Prozentbereich.
Die Mitgliedsfirmen der AGAB verbuchten in 2012 mit Bestellungen in Höhe von 20,5 Mrd. Euro 18 % weniger Auftragseingänge als im Vorjahr. In 2011 beliefen sich diese noch auf 24,9 Mrd. Euro. Die Exportquote stieg 2012 um acht auf 81 %. Das absolute Volumen der Auslandsaufträge lag mit 16,6 Mrd. Euro um 1,7 Mrd. Euro niedriger als 2011.
Während die Industrieländer an Bedeutung einbüßten, stieg diese für die Absatzmärkte der Schwellenländer in Asien, Südamerika und Osteuropa weiter an. So lagen fünf der zehn bedeutendsten Märkte des Großanlagenbaus 2012 in Asien. China stand mit Bestellungen von 1,6 Mrd. Euro an der Spitze, gefolgt von Südkorea mit 1,3 Mrd. Euro und Indien in Höhe von 945 Mio. Euro. Doch auch außerhalb Asiens bieten bevölkerungsreiche Länder wie die Türkei, Brasilien und Russland dem Industrieanlagenbau großes Potenzial. Im vergangenen Jahr kamen aus diesen Staaten Aufträge im Wert von jeweils über einer halben Mrd. Euro.
Chancen für den Großanlagenbau in den USA
Die Förderung von Schiefergas in den USA und die damit einhergehenden sinkenden Gaspreise bewirken im Anlagenbau tiefgreifende Veränderungen. In den Vereinigten Staaten werden neue Großprojekte geplant oder bereits umgesetzt, die in anderen Weltregionen immer schlechter darstellbar sind. Die Orderbücher des Großanlagenbaus sind mit Aufträgen für den Bau von Methanol-, Ammoniak- und Düngemittelanlagen sowie von Erdgaskraftwerken und von Anlagen zur Rohr-Herstellung in den USA gut gefüllt. "Der Auf- und Ausbau von Vertriebs- und Planungskapazitäten in den Vereinigten Staaten sowie die Suche nach Kooperationspartnern sind Herausforderungen, denen sich die Branche verstärkt stellt. Gleichzeitig müssen die Unternehmen die Schiefergasmärkte der Zukunft - wie etwa Argentinien, China und Polen - aufmerksam beobachten, um rasch auf die sich dort bietenden Marktchancen reagieren zu können", beschreibt Helmut Knauthe, Sprecher der AGAB die Chancen der deutschen Anbieter.
Inlandsgeschäft bricht ein
Die inländische Nachfrage brach 2012 ein: Mit 3,9 Mrd. Euro lagen die Auftragseingänge um 41 % unter dem Vorjahresniveau von 6,6 Mrd. Euro. Für diese Entwicklung gab es zwei Ursachen: Zum einen gingen die nominalen Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland um über sechs Prozent zurück, wovon auch Bestellungen von Großanlagen betroffen waren. Zum anderen brachte es ein ungünstiger energiepolitischer Rahmen mit sich, dass notwendige Investitionen in fossil befeuerte Kraftwerke ausblieben.
Trend zur Größe ungebrochen
Der Trend zu komplexeren Projekten hielt im Berichtszeitraum an und zeigte sich vor allem in den Schwellenländern. Der Anteil sogenannter Megaanlagen, die zumeist schlüsselfertig zum Festpreis bestellt werden, ist deutlich gestiegen, während die Zahl mittelgroßer Projekte rückläufig ist. Gleichzeitig nahm in den Industrieländern die Nachfrage nach Instandhaltungs- und Modernisierungsleistungen zu. Von diesem auf dem Weltmarkt zu beobachtenden Trend konnten deutsche Anbieter 2012 nicht proportional profitieren und müssen sich daher neu positionieren. Vor allem das Erreichen einer kritischen Unternehmensgröße ist zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor geworden. "Deutsche Anbieter reagieren hierauf mit dem Ausbau von Kooperationen mit anderen Anlagenbauern. Aber auch die Zusammenarbeit mit Anlagenbetreibern, Industriedienstleistern und strategischen Zulieferern sowie die spartenübergreifende Kooperation innerhalb von Konzernen sind Antworten auf diese Entwicklung", erläutert Knauthe.












