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Cornelia Weber-Fürst | Andrea Gillhuber,

Was ist eigentlich Authentizität?

Wir alle denken, dass wir authentisch sind. Aber zu was sind wir eigentlich authentisch? In der Regel nur zu unseren Mustern und Prägungen. Wir alle haben die eigentliche Wahrhaftigkeit auf die ein oder andere Weise aufgegeben. Doch gerade für den Erfolg ist sie entscheidend.

Authentizität - was ist das eigentlich?

© Pixabay / CC0

Jeder schätzt Authentizität. Seit vielen Jahren wissen wir auch, dass die Authentizität einer Führungskraft einer der wichtigsten motivationserhaltenden Faktoren für Mitarbeiter ist. Interessant ist bei der Authentizitätsfrage jedoch der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Wir selbst erleben uns die meiste Zeit authentisch. Nicht authentisch sind meist nur die anderen. Nur selten verstellen wir uns aus einem bewussten Grund. Dennoch scheint Authentizität etwas zu sein, das wir bei anderen oft vermissen. Durch feine Sensoren spüren wir, wenn unser Gegenüber nur so tut als wäre er oder sie souverän, kompetent, etc. Wir heben es als etwas Kostbares hervor, wenn jemand wahrhaftig ist.

Die Ego-Struktur

Dieses Phänomen liegt an unserer Unbewusstheit über unser Ego und allem, was ohne Ego möglich wäre. Das Ego ist eine Struktur von Definitionen und Mustern, die wir uns über die Jahre, insbesondere die stark-prägende Kindheit, unbewusst zugelegt haben. Eine Ego-Struktur, auch Persönlichkeits-Struktur genannt, hat jeder. Wir sind also genauso wie jeder andere in der Regel authentisch zu unseren Wahrnehmungsmustern, Orientierungsmustern, Kommunikationsmustern, emotionalen Lieblingshaltungen und Ego-Bedürfnissen, was alles weder unserem Wesenskern noch der aktuellen Situation entspringt. Es fühlt sich für uns zum Beispiel sehr authentisch an, wenn wir uns über den Kollegen ärgern und unsere Konsequenz ziehen. Wir sind dabei jedoch meist nur zu unserer Prägung authentisch, die uns leider kaum Spielraum lässt, das wahrzunehmen und zu betrachten, was ist, ohne Interpretations- und Reaktionsmuster. Da es schwer ist, davon Abstand zu nehmen, geben wir uns zufrieden mit einem »so bin ich halt« – im Beispielfall wäre das vielleicht ein Gedanke wie »Dann muss er einfach alleine klarkommen. Ich kümmere mich ab jetzt nur noch um mein Zeug.«

Und das finden wir authentisch an uns selbst.

Wie sehr unser Ärger und unser Rückzug in uns ‚vorprogrammiert‘ ist, und was eine andere stimmige Sicht und Reaktion sein könnte, wird uns dabei nicht bewusst. Zum Beispiel könnte es angemessen und authentischer sein zu sagen, dass es uns verwirrt, wenn unser Vorschlag, der gut gemeint war, zurückgewiesen wird.

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Das Ego besiegen?

Wenn wir andere mit ihren Mustern erleben, erleben wir sie oft nicht ausgesprochen authentisch und beziehen uns damit auf eine andere, tiefere Art von Authentizität: Die Authentizität mit dem eigentlichen Wesen, dem Ursprünglichen, dem Menschlichen, dem Wahrhaftigen.

Wie erleben wir Authentizität?

© Cornelia Weber-Fürst

All dies ist nicht üblich im (Berufs-)Leben. Wir haben aufgehört zu spüren bzw. spüren zu wollen, wie etwas auf uns wirkt. Wir haben aufgehört, bei einer unangenehmen Empfindung zu bleiben. Wir haben aufgehört, uns ernst zu nehmen. Und wir haben schon gar nicht angefangen, unsere innere Wahrhaftigkeit anderen vermitteln zu wollen.

Stattdessen nutzen wir das, was wir uns als psychologische Navigationsstrategien fürs Leben unbewusst gebaut haben. Es ist vertraut. Es fühlt sich dadurch sicher an – existenziell und sozial. Und wir denken, es ist förderlicher fürs Image: Wir gehen innerlich und äußerlich in den Rückzug oder mit unserer Aufmerksamkeit zu betäubend Angenehmerem und mit unseren Äußerungen in vermeintlich souveräne und kompetente Gutmensch-Darstellungen.

Bewusst die Umgebung und das Ich erfahren

In irgendeiner Weise hat jeder von uns die Wahrhaftigkeit aufgegeben. Und das ist es, was wir anderen als fehlende Authentizität übelnehmen.

Es braucht bei jedem von uns eine bewusste Entscheidung, die innere Wahrheit der Gewohnheit und dem psychologischen Schutzmantel vorzuziehen, wach zu werden, hin zu schauen, ernst zu nehmen. Wer das nicht tut, braucht bzgl. fehlender Authentizität nicht auf andere zeigen.

Im Coaching werden viele wichtige Erkenntnisse dadurch erzeugt, der/dem Coachee ein Bewusstsein über das zu ermöglichen, was eigentlich für sie/ihn selbst stimmig und wahrhaftig ist und welche Muster ein dazu angemessenes und authentisches Verhalten verhindern. Je stärker die Bewusstheit dazu ist, umso weniger können diese Ego-Gewohnheiten greifen. Wir ‚wachen auf‘.

Authentisch ist nicht mit unangenehm oder problematisch gleich zu setzen. Dieser Gedanke kommt nur dadurch auf, dass wir mit der Ego-Orientierung meist gefällig sind, es anderen leicht machen oder souverän wirken wollen. Authentisch ist alles: Leicht und schwer, lustig und ernst, kompetent und überfordert, etc. Authentizität braucht die Wahrnehmung im Moment, eine von eigenen Ego-Bedürfnissen und -Mustern unbeeinflusste Präsenz und ein grundsätzliches ‚Ja‘ zu dem, was ist.

Bedürfnis, sich selbst zu sein

Wie lange können wir uns in der Gesellschaft und in der Wirtschaft den bisherigen Mangel an Wahrhaftigkeit noch leisten?

Wer immer anfängt, findet schnell Gleichgesinnte. Wahrhaftigkeit und Authentizität sind wie Kerzenlicht in einem dunklen Raum: Selbst wenn die Quelle klein ist, sie beeinflussen alles positiv.

Wahrhaftigkeit ist nicht immer leicht zu hören – das muss uns dabei bewusst sein.

Was sagt man darauf, wenn jemand ehrlich mitteilt, dass er gerade den Überblick verloren hat? Einen platten Trost? Den will keiner. Wir wollen auch für unsere Wahrhaftigkeit nicht stigmatisiert werden. Man kann sehr würdevoll mit allem wahrhaftig sein. Wer Wahrhaftigkeit und Authentizität in sein Team oder seine Lebensumgebung einführen möchte, hilft am besten zu Anfang den anderen aus dieser Überforderung im Gespräch, in dem er mit einem kurzen Statement beschreibt, dass es ihm wichtig ist, hier wahrhaftig zu sein. Wir wollen so sein dürfen, wie wir sind.

 

Die Autorin

Cornelia Weber-Fürst, Persönlichkeitsentwicklerin, Führungstrainerin und -Coach

© Cornelia Weber-Fürst

Cornelia Weber-Fürst, Persönlichkeitsentwicklerin, Führungstrainerin und -Coach, ist Master Certified Coach (MCC) des Internationalen Coaching-Verbands (ICF) und kennt die Branche seit über 20 Jahren. Sie setzt sich für einen wesentlicheren Fokus ein, um Manager über ihr Wissen und ihr Ego hinaus zu entwickeln und damit das Management für die Zukunft und die neuen Generationen von Mitarbeitern fit zu machen. Sie arbeitet an Persönlichkeit im Rahmen von Einzel-Coachings, dem TRIPLE A-Leadership-Programm und dem online-Kurs „Über-Ich-Spezial“.

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