Prokrastination im Job
Was hilft gegen »Verschieberitis«?
Ungeliebte Arbeiten auf später verschieben, wer kennt das nicht? Doch wie kommt man gegen diese unbewusste Strategie des Selbstboykotts an? Coach Bernhard Broekmann gibt Tipps.
Kennen Sie das: Eigentlich müssten Sie dringend die Präsentation fertigstellen, den Rasen mähen oder die Steuererklärung machen, doch stattdessen lesen Sie die Nachrichten, trinken noch einen Kaffee und checken die neuesten Social Media Posts? Das nennen wir Aufschieben oder »Verschieberitis«, auch Prokrastination. Sie tritt vor allem dann auf, wenn wir uns über- oder unterfordert fühlen. Dabei lenken wir uns unbewusst gezielt ab, um Arbeiten zu vermeiden, die wir gleichermaßen als anspruchsvoll oder unattraktiv erleben.
»Verschieberitis« wird häufig mit mangelnder Zeit begründet. Doch dies trifft in Wirklichkeit meist nicht zu. Vielmehr handelt es sich um eine unbewusste Strategie des Selbstboykotts, mit der wir uns selbst daran hindern, dauerhaft erfolgreich zu sein. Wenn Sie regelmäßig wichtige Termine verstreichen lassen oder aus Zeitmangel unzureichende Qualität abliefern, dann sollten Sie sich fragen: Welchen Vorteil habe ich davon, mich selbst so zu boykottieren?
Die Selbstwirksamkeit
Ein guter Freund und Berater sagte mir mal: »Wenn ich wissen will, was ich will, schaue ich auf das, was ich tue!« Ich war verblüfft, normalerweise formulieren wir das andersrum: »Ich muss noch das und das tun, also muss ich mich aufraffen« oder so ähnlich heißt es dann. Wenn ich nach dem Spruch meines Freundes also faul auf dem Sofa liege, statt die Präsentation fertig zu stellen, habe ich möglicherweise einen Erholungsbedarf, der den Bedarf nach Leistung übersteigt. Die Empfehlung: Nutzen Sie Ihre persönliche Achtsamkeit, um in sich hineinzuspüren und Ihr wahres Bedürfnis zu bestimmen. Das ist die eine Seite der Medaille.
Die andere Seite der Medaille ist die Erkenntnis der Hirnforschung, dass eine erledigte Aufgabe auch Freude, Zufriedenheit oder sogar Glücksmomente erzeugt. Warum? Eine Hürde geschafft zu haben, triggert hirnphysiologisch unser Belohnungssystem, wir erleben ein Wohlgefühl, ausgelöst v.a. durch die Ausschüttung von Dopamin. Dann sagen wir »Tschakka, ich hab´s geschafft!« und das fühlt sich gut an. Das wiederum führt zur Stärkung unseres Selbstwertes, ich habe etwas geschafft! Die Folge: Das Gefühl der Selbstwirksamkeit macht sich breit. Selbstwirksamkeit bedeutet, eine persönliche Grundüberzeugung zu haben oder zu entwickeln, nach der ich weiß, dass ich das, was ich mir vornehme, auch erreichen kann. Ich setze mir realistische und anspruchsvolle Ziele und setze sie um – ein toller Zustand.
Jetzt werden manche Leser*innen an den inneren Schweinhund denken, der uns gelegentlich verführt, doch lieber auf der Couch zu liegen und Chips zu essen, als etwas für die Fitness oder die Arbeit zu tun. Hier ist die Schweinehund-Regel wichtig: Je schlauer das Herrchen/Frauchen, desto cleverer der Schweinehund. Er wird sich also immer etwas
einfallen lassen, uns von der Zielerreichung abzuhalten.
Den inneren Schweinehund besiegen
Doch Halt – wer ist eigentlich der Herr in Ihrem Haus? Ich hoffe doch Sie! Zwei Empfehlungen schließen sich an den o.g. Spruch meines Freundes an:
- dem Schweinehund ab und zu nachzugeben ist okay, dann genießen Sie aber bitte die Chips auf dem Sofa (Sie haben es ja so gewollt). Nichts ist schlimmer, als Chips essend auch noch ein schlechtes Gewissen auf dem Sofa zu entwickeln und sich durch innere Selbstvorwürfe zu zermürben.
- Wenn Sie dann feststellen, dass jetzt genug gefaulenzt ist, dann stehen Sie auf und machen das, was ansteht. Den Schweinhund überwinden Sie nur durch drei Buchstaben: TUN! Zerlegen Sie große Aufgaben in viele kleine Aufgaben und fangen an. Versuchen Sie dann bitte, auch die Erreichung der Teilaufgaben zu genießen. Denn auch damit triggern Sie Ihr Belohnungssystem.
Entscheidend bei all dem, was wir tun, ist die Frage, wer steuert? Eigentlich sollte es das ICH des Erwachsenen sein, der unser inneres Team steuert. Schon Goethe sagte: »Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust…!« In unserem inneren Team kommen in der Regel sehr viel mehr Spieler vor, der Schweinehund ist einer davon. Es gibt da oft den Ehrgeizigen, den Träumer, den Sozialen, den Machtmenschen usw., auch Rollen wie die Mutter oder der Ehemann kommen vor. Probieren Sie mal, Ihre Fleißige und Ihren Schweinehund aus dem Ich heraus zu steuern. Dann können Sie beiden Recht geben und jedem seinen angemessenen Platz und seine Zeit einräumen.
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Sechs praktische Tipps |
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(Quelle: Sieck, Helmut (2019): Zeit- und Selbstmanagement. Beck kompakt) |
Der Autor
Bernhard Broekman ist Dipl.- Psychologe. Als Senior Coach DBVC und Stressmanagementtrainer bei Leadership-Choices coacht er auf allen Ebenen Managerinnen und Manager unter anderem zu den Themen Führung, Rolle, Kommunikation und immer öfter zu Stressbelastung, Work-Life-Balance und Gesundheit.














