Beruf & Karriere
So steuern Sie Ihren Stresslevel
Homeoffice und virtuelle Meetings machen das Führen von Teams zu einer Herausforderung. Bei vielen Führungskräften steigt dadurch der Stresslevel. Stressmanagement ist gefragt.
Erfolgreiches Stressmanagement nach Kaluza
© Pixabay/CC0Der berufliche Alltag von Führungskräften in Unternehmen hat durch Corona nicht unbedingt an Stress verloren. Meetings waren nur noch virtuell möglich, das eigene Team zu führen war eine ganz neue Herausforderung. Besonders wichtig in diesen Zeiten, um im Alltag gesund zu bleiben, sind Stressmanagement, Salutogenese, Achtsamkeit und Resilienz.
Zum Stressmanagement unterscheidet das Grundmodell von Kaluza drei Ebenen des Stressgeschehens:
1. Äußere Stressoren: äußere Ereignisse, die Stressreaktionen auslösen. Diese können physikalischer (z.B. Lärm), körperlicher (z.B. Schmerz), sozialer (z.B. Konflikte) oder arbeitsbezogener (z.B. Leistungsanforderungen, Zeitdruck) Art sein. Im Vordergrund stehen heute meist soziale und arbeitsbezogene Stressoren.
2. Persönliche Stressverstärker: persönliche Einstellungen, Motive und Denkweisen, sowie Antreiber, die den Stressoren eine entsprechende Bedeutung verleiht, und
3. Physiologische Stressreaktion: alle körperlichen und psychischen Antworten auf die Konfrontation mit einem Stressor. Diese bewirken im Akutfall eine umfassende Aktivierung und Bereitstellung von Energie, die zur Bewältigung des Stressors eingesetzt wird. Langfristig führen chronische Stressreaktionen bei fehlenden Regenerationsphasen zu Erschöpfung und Erkrankungen, schlimmstenfalls zum Burnout.
Folgende Stresskompetenzen sind nötig
Instrumentelle Stresskompetenz
Das Ziel besteht darin, den eigenen Alltag so zu gestalten, dass die Entstehung von Stress möglichst von vornherein verhindert wird. Es gilt, äußere Belastungen und Anforderungen im beruflichen und privaten Bereich zu verändern, soweit möglich zu verringern oder ganz abzubauen. Dafür gilt es folgende Ansatzpunkte:
- Fachliche Kompetenzen: Information, Fortbildung, kollegialer Austausch.
- Organisatorische Optimierung: Aufgabenverteilung, Ablaufplanung, Ablagesysteme .
- Selbst- und Zeitmanagement: Arbeitsorganisation optimieren, Prioritäten klar definieren, realistische Zeitplanung.
- Sozialkommunikative Kompetenzen: Grenzen setzen, häufiger »Nein« oder »Jetzt nicht« sagen, Klärungsgespräche führen.
- Unterstützung suchen: Netzwerk aufbauen, sich helfen lassen.
Mentale Stresskompetenz
Selbstkritisch stresserzeugende Einstellungen und Bewertungen erkennen, diese zu verändern und förderliche Einstellungen und Denkweisen entwickeln. Ansatzpunkte für persönliche Stressverstärker:
- Perfektionistische Leistungsansprüche überprüfen und Leistungsgrenzen akzeptieren,
- Schwierigkeiten nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung sehen,
- sich mit alltäglichen Aufgaben weniger persönlich identifizieren, innere Distanz wahren,
- den Blick für das »Wesentliche« bewahren,
- sich des Positiven, Erfreulichen, Gelungenen bewusst werden und dankbar sein,
- unangenehme Gefühle wie Verletzung oder Ärger loslassen und vergeben lernen,
- sich selbst weniger wichtig nehmen und »Demut« lernen.
Regenerative Stresskompetenz
Körperliche und psychische Erregung dämpfen und abbauen, für regelmäßige Erholung sorgen und damit langfristig die eigene Belastbarkeit erhalten. Ansatzpunkte für Stressreaktion:
- regelmäßiges Praktizieren einer Entspannungstechnik,
- regelmäßige Bewegung,
- eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung,
- Pflege außerberuflicher sozialer Kontakte,
- regelmäßiger Ausgleich durch Hobbys und Freizeitaktivitäten.
So gelingt das Stressmanagement
Mit dem Begriff der Achtsamkeit (engl. Mindfulness) möchte ich ein Prinzip voranstellen, dass Analyse- und Interventionstool gleichermaßen darstellt. »What you can´t measure, you can´t manage!« gilt für Prozesse und Produkte, aber auch für Manager im Umgang mit sich selbst. Wer sich selbst achtsam im Fokus hat, kann auf seine Kräfte, seine Grenzen und seine
Bedürfnisse hören und die Signale der Erholungsbedürftigkeit wahrnehmen. Achtsamkeit als Schlüssel zur Selbstwahrnehmung will geübt und trainiert werden.
Die Salutogenese (Gesundheitsentstehung, lat. salus für Gesundheit, griech. genesis für Entstehung) konzentriert sich auf die Faktoren und dynamische Wechselwirkungen, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. Die Salutogenese (Antonovsky) bietet den komplementären Blick zur Pathogenese (Entstehung von Krankheiten). Danach ist Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess zu verstehen. Die Salutogenese basiert auf 3 zentralen Prinzipien:
Verstehbarkeit: Wechselwirkungen von Umwelt, Verhalten und Gesundheit verstehen
Handhabbarkeit: über Möglichkeiten verfügen, mit diesen Anforderungen umzugehen
Bedeutsamkeit: sich selbst Bedeutung verleihen, sich für die eigene Gesundheit zu engagieren.
Damit schließt sich der Kreis zur Achtsamkeit, denn ich werde nur das mit Achtsamkeit verfolgen, dem ich eine Bedeutung beimesse. Wenn die Führungskraft lernt,
- den Zusammenhängen zwischen Arbeitsverhalten, Arbeitsbeanspruchung und nachfolgender Belastung eine Bedeutung (Bedeutsamkeit) zu geben,
- die relevanten medizinisch-physiologischen Zusammenhänge zu verstehen (Verstehbarkeit) und
- notwendige Schritte zu unternehmen, um die eigene Stressbelastung zu begrenzen (Handhabbarkeit), wird sie Maßnahmen und Verhaltensweisen in den täglichen Arbeitsablauf einbauen, die helfen, langfristig sparsam und effektiv mit den eigenen Ressourcen umzugehen, sich mental zu unterstützen und Warnsignale frühzeitig zu erkennen.
Abschließend sei noch erwähnt, dass es ein erster Schritt sein kann, Achtsamkeit für die eigenen Verhaltensweisen und Denkvorgänge zu entwickeln, effektives Stress- und Gesundheitsmanagement braucht aber die gelebte Achtsamkeit im Alltagshandeln, erst sie nährt die Resilienz, die gesunde Widerstandsfähigkeit eines Menschen. Resilienz entsteht aus lebensgeschichtlichen Erfahrungen und nachfolgenden Ressourcen, die wir mehr oder weniger täglich einsetzen, die wir weiterentwickeln und aus denen wir Kraft schöpfen. Die Resilienzfaktoren sind u.a. Problemlösefähigkeit, Verantwortung übernehmen, eine optimistische Sicht entwickeln und die Fähigkeit, Unveränderbares zu akzeptieren, ohne damit zu hadern. Wir greifen auf unsere Resilienz zurück, wenn wir Krisen oder Belastungen zu bewältigen haben: eine Umstrukturierung im Betrieb oder Entlassung, ein komplett neues Team zu übernehmen oder den unerwarteten Tod eines nahen Angehörigen verkraften zu müssen. Resilienz wird aber auch in der Gegenwart durch erfolgreiches Stressmanagement gefestigt und aufrechterhalten.















