Digitales Lernen – Teil 4

Alexander Brochier | Andrea Gillhuber,

Individuelle Mitarbeiterschulung 4.0

Die Mitarbeiter im Automobilbau lange vor dem ersten Prototyp auf neue Modelle schulen, das gelingt Vizendo mit der digitalen Trainingsumgebung von Siemens. Dadurch wird die Time-to-Market nach Produkt- und Prozessänderungen beschleunigt.

Die Mitarbeiter im Automobilbau lange vor dem ersten Prototyp auf neue Modelle schulen, das gelingt Vizendo mit der digitale Trainingsumgebung von Siemens.

© Siemens/Vizendo

Was hat ein 3D-Video-Spiel mit dem Training von Mitarbeitern in beispielsweise Automobil-Fertigungshallen zu tun? Optisch ziemlich viel, wenn man sich die Vizendo Virtual Training Solutions von Siemens ansieht. Das Serviceangebot aus dem Portfolio der Digital Enterprise Services ermöglicht es Automobilherstellern und anderen Unternehmen aus der diskreten Fertigung, ihre Mitarbeiter lange vor den ersten Prototypen auf neue Modelle zu schulen. Neben dem Zeitfaktor spielen bei der virtuellen und herstellerunabhängigen Serviceleistung vor allem auch Kostenersparnis und Wettbewerbsfähigkeit eine entscheidende Rolle. Bei Produkt- und Prozessänderungen dienen die auf präzisen Daten basierenden, realistischen 3D-Modelle dem gezielten Anlernen der Mitarbeiter. Lernerfolge der Trainingsteilnehmer können über personalisierte Zugänge nachvollzogen und den Trainingsleitern zur Verfügung gestellt werden.

Im Durchschnitt bringt ein Automobilhersteller alle vier Jahre ein neues Fahrzeugmodell und alle zwei Jahre ein Facelift auf den Markt. Das bedeutet, dass die Fertigungsmitarbeiter in sehr regelmäßigen Abständen neue Modelle montieren und dafür trainiert werden müssen; je nach Größe des Herstellers kann das bis zu hunderte oder tausende Mitarbeiter betreffen. Findet dieses Montagetraining an realen Prototypen statt, ist das für den Hersteller nicht nur zeit-, sondern vor allem auch kostenintensiv. Siemens bietet dafür mit Vizendo Virtual Training Solutions eine wirtschaftliche Alternative – für alle Brachen, derzeit aber mit Schwerpunkt auf Automotive und Aerospace.

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In drei Schritten zum individuellen, virtuellen Training

Kurz und knapp: Vizendo Virtual Training Solutions ist eine virtuelle, auf das Produkt des Kunden individuell angepasste Servicelösung, durch die Mitarbeiter zum Beispiel in einer 3D-Umgebung ähnlich einem Videospiel die reellen Montageprozesse üben können. Der Service besteht aus drei Modulen: Assessment, Creation und Virtual Training.

Im Modul ‚Assessment‘ werden die Rahmenbedingungen und Anforderungen des Kunden erfasst. Dazu gehören beispielsweise die Komplexität des abzubildenden Prozesses, Anzahl der Varianten, Timeline, Trainingsbeginn, mögliche Anzahl vorserieller Fahrzeuge und Produktionsbeginn. Zudem werden bereits vorhandene Daten bewertet. Bei Bedarf kann gemeinsam mit dem Kunden auch vorab über einen PoC (Proof of Concept) eine RoI (Return of Invest)-Betrachtung durchgeführt werden, um die Servicelösung konkret abzustimmen.

Im Modul ‚Creation‘ wird auf Basis der PML/CAD-Daten des Kunden das gewünschte, individuelle Training entwickelt und agil immer wieder mit den Vorgaben des Auftraggebers abgeglichen.

Anschließend erfolgt im letzten Schritt die Übergabe des virtuellen Trainings an den Kunden. Von diesem Punkt an agiert der Kunde bei der Schulung seiner Mitarbeiter eigenverantwortlich, kann sich jedoch auf Service und Support von Siemens verlassen.

Gamification für Mitarbeiter - Schneller Lernerfolg

»Unsere Lösung ist eine ideale Ergänzung zu herkömmlichen Trainings«, erklärt Dr. Marina Kinschel, Global Head of Services for Factory Automation bei Siemens. »Mit diesem neuen Trainingsansatz können Kunden nicht nur die Anzahl der Prototypen und die Time-to-Market deutlich reduzieren. Sie können flexibler trainieren und haben auch einen präzisen Überblick, welcher Mitarbeiter bereits welches Trainingslevel und somit Qualifikation erreicht hat.« Über den Siemens-eigenen speziellen Ansatz der Gamification für Mitarbeiter aller Altersgruppen lassen sich diese schnell qualifizieren und intern zertifizieren. 

Dazu erfasst die produkt- bzw. prozessspezifische Siemens-Lösung über einen personalisierten Login die Fortschritte jedes Mitarbeiters innerhalb der Trainingsumgebung. Über farbliche Markierungen sehen die Trainingsteilnehmer sofort, ob der eben durchgeführte Arbeitsschritt korrekt war oder nicht. Dieses unmittelbare Feedback erleichtert den Lernprozess und sichert schnelle Lernerfolge. Die Vorgesetzten beziehungsweise Verantwortlichen erhalten eine entsprechende Analyse der jeweiligen Trainingsergebnisse aller Mitarbeiter. So wird sichergestellt, dass die Montageschritte verinnerlicht beziehungsweise verstanden wurden. Als Konsequenz kann das Training an den Prototypen verkürzt werden, um eine schnelle Rückkehr in die Fertigung zu garantieren. Dieses unmittelbare Feedback erleichtert den Lernprozess und sichert schnelle Lernerfolge.

Herstellerunabhängige Lösung mit flexibler Nutzeroberfläche

Im Rahmen des Trainings durchlaufen die Mitarbeiter im Durchschnitt vier Trainingslevel – von maximaler Unterstützung seitens des Systems in Level 1 bis hin zu keinerlei Hilfestellung bei der virtuellen Montage in Level 4. Dabei spielt es für die Siemens-Lösung keine Rolle, welche Komponenten von welchen Herstellern der Auftraggeber verwendet. In die Trainingslösung können alle Bauteile und Prozessschritte integriert werden, solange die zugehörigen PLM/CAD-Daten vorliegen. Ebenso unabhängig ist der Auftraggeber bei der Wahl der Nutzeroberfläche: Siemens liefert die Trainings nach Absprache als AR-, VR-, Desktop- oder Mobil-Variante.

Schneller zur Markteinführung

»Für die Erstellung eines Trainings für eine komplette Fertigungsstraße mit unterschiedlich gewünschten Ausstattungsvarianten benötigen wir in der Regel zehn bis zwölf Wochen«, so Dr. Kinschel. »Letztlich hängt die Entwicklungsdauer von den Wünschen des Kunden ab. Je komplexer das Produkt oder der Fertigungsprozess, desto aufwendiger ist die Creation für uns.« Aber der Aufwand lohnt sich. »Mit Vizendo Virtual Training Solutions können Unternehmen bis zu 50 % der Schulungszeiten einsparen. Auch sind die Anlaufzeiten nach Produkt- oder Prozessänderungen kürzer. Zudem reduzieren sie Fehler bei der Ausführung der eingeübten Arbeitsschritte um bis zu 40 %. Abgesehen von der messbaren Zeit- und Fehlerreduktion gehen wir mit diesem modernen Trainingsansatz mit der Zeit und sprechen vor allem auch jüngere Menschen der Generation Y und Z an.«

 

Aktuell nutzen rund 20 Automobilhersteller aus Europa und Übersee die Servicelösung von Siemens. Der bisherige Fokus lag auf Automotive und Aerospace, schlichtweg, weil die Entwicklung des virtuellen Trainings in Kooperation mit einem europäischen Automobilhersteller startete. »Unsere Lösung eignet sich allerdings für viele Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Industrien«, betont Dr. Kinschel.»Sie alle profitieren von einem auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Service, der als ‚Ready-to-use-Lösung‘ von uns geliefert wird. Die Kunden müssen also keine wertvolle Zeit opfern, um Standardtrainings auf ihre Anforderungen hin zu konfigurieren. Stattdessen können sie direkt loslegen.«

Virtual Trainings auch für Aftersales, Wartung und Piloten möglich

In Zukunft will und wird Siemens die Zielgruppen weiter ausbauen. Wie bereits angesprochen sind Fertigungen bei Automotive und Aerospace zwar aktuell im Fokus des Trainingsangebots, aber der Service lässt sich auch in vielen anderen Branchen nutzen. Beispielsweise ließen sich Vizendo Virtual Training Solutions auch im Aftersales und Wartungsbereich aller Airlines flexibel und effizient einsetzen. Denn nicht nur Piloten müssen am Ende der Pandemie in Simulatoren wieder fit für ihren Job gemacht werden, sondern zudem auch alle Flugzeuge, die in dieser Zeit ‚gegroundet‘ wurden. »Hier müssen Mechaniker rund um die Welt auf allen Flughäfen trainiert werden, damit der Flugverkehr pünktlich wieder aufgenommen werden kann«, weiß Dr. Kinschel. Schließlich spiele es für die Vizendo Virtual Training Solutions keine Rolle, welcher Prozess als Training simuliert werde.

Die Artikelserie

Sitrain besteht aus drei Lernformaten: der Wissensdatenbank, der digitalen Lernplattform sowie Trainings.

© Siemens

Die Artikelserie über die digitale Lernplattform Sitrain von Siemens beschreibt die einzelnen Elemente der Plattform:

Dieser Beitrag, Teil 4 der Artikelserie, ist losgelöst von der Lernplattform zu betrachten und beschreibt, wie mit dem Siemens-Angebot Vizendo Virtual Training Solutions Mitarbeiter basierend auf einer digitalen Trainingsumgebung individuell geschult werden können.

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