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Artikel und Hintergründe zum Thema

All Electric Society | WHZ

Alexandra Hose,

KI, flexible Prozesse und offene Schnittstellen

Die Transformation zur All Electric Society verändert die industrielle Produktion grundlegend. Künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und IoT-Technologien spielen dabei eine zentrale Rolle, um Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Flexibilität miteinander zu verbinden. Ein Interview.

Manoël Kraus und Benny Gottschalk von der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) erklären, wie Automationssysteme, Datenplattformen und vernetzte Prozesse optimal auf die Anforderungen einer vollelektrifizierten Industrie abgestimmt werden können.

Manoël Kraus (li.) und Benny Gottschalk, wissenschaftliche Mitarbeiter Westsächsische Hochschule Zwickau. © WHZ

Welche Bedeutung kommt künstlicher Intelligenz bei der Automatisierung von Prozessen in einer vollständig elektrifizierten Industrie zu?
Manoël Kraus: Künstliche Intelligenz hat eine große Bedeutung, denn sie ermöglicht die Analyse komplexer Wirkzusammenhänge und die Optimierung von Prozessen in dynamischen, volatilen Systemen. Während in wenig automatisierten Umgebungen relevante Daten oft fehlten, eröffnet die zunehmende Verfügbarkeit interner und externer Daten neue Optimierungspotenziale. Gleichzeitig steigt die Komplexität dieser Optimierungsaufgaben, wodurch KI als Schlüsseltechnologie essenziell wird, um Muster zu erkennen, Prognosen zu erstellen und Prozesse adaptiv zu steuern.

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Inwiefern kann die Vernetzung von Industrieanlagen über digitale Zwillinge zur Effizienzsteigerung der All Electric Society beitragen?
Manoël Kraus: Durch eine präzise digitale Abbildung von Produktions- und Energieprozessen können Abläufe optimal aufeinander abgestimmt werden, um Flexibilitäten zu schaffen – ein wesentliches Element für ein stabiles und effizientes Energiesystem. Dieser koordinierte Einsatz ermöglicht eine netzverträglichere Nutzung der Energieinfrastruktur, wodurch Engpässe reduziert und eine höhere Netzauslastung realisiert werden kann. Gleichzeitig erlaubt die intelligente Steuerung der Industrieanlagen eine flexible Anpassung an die ver-fügbare Netzkapazität sowie an Prognosen erneuerbarer Energiequellen. Dadurch können Unternehmen ihren Eigenverbrauch optimieren, Lastspitzen vermeiden und den Netzausbau effizienter gestalten.
Insgesamt tragen digitale Zwillinge somit dazu bei,  Industrieprozesse smarter, energieeffizienter und nachhaltiger zu machen, indem sie eine dynamische, bedarfsgerechte Steuerung ermöglichen und das Zusammenspiel zwischen Energieerzeugung, -verbrauch und -verteilung verbessern.

Welche digitalen Plattformen und IoT-Technologien sind erforderlich, um Produktionsprozesse optimal in die All Electric Society zu integrieren?
Benny Gottschalk: Die Integration von Produktionsprozessen in die All Electric Society erfordert eine umfassende Erfassung und Steuerung aller energetischen Prozesse innerhalb der Produktion. Zentral hierfür ist ein ERP-System, das als übergeordnete Plattform sämtliche Energieflüsse, Maschinenzustände und Produktionsdaten in Echtzeit erfasst, analysiert und optimiert. Durch die Verknüpfung mit IIoT-Lösungen können hierbei alle relevanten Energiedaten aus Maschinen, Sensoren und Smart Grids nahtlos integriert werden. Durch die vollständige Integration der energetischen Prozesse in das ERP-System wird eine transparente, automatisierte und energieeffiziente Steuerung der Produktion ermöglicht. Dies bildet die Grundlage für eine ressourcenschonende und nachhaltige Fertigung, die optimal in die All Electric Society eingebunden ist.

Wie müssen industrielle Automationssysteme angepasst werden, um den Anforderungen einer vollständig elektrifizierten Produktionsumgebung gerecht zu werden?
Manoël Kraus: In einer vollständig elektrifizierten Produktionsumgebung ergeben sich keine grundlegend neuen Anforderungen an die industrielle Sensorik und Aktorik. Vielmehr müssen die dahinterliegenden Automationssysteme offene, standardisierte Schnittstellen bieten und Flexibilisierungskomponenten integrieren. Dies erfordert ein erweitertes Verständnis der Automationsebene für Energieverbräuche sowie deren eigene Einflussnahme darauf. Dadurch können Flexibilitäten gezielt genutzt werden, beispielsweise durch Leistungsbegrenzungen oder die optimierte Steuerung energieintensiver Prozesse.

Die sächsischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Dresden, Leipzig, Mittweida, Zittau/Görlitz und Zwickau haben sich für die Stärkung des forschungsbasierten Wissens- und Technologietransfers als Saxony5 zusammengeschlossen. Der Transferverbund bündelt die Ressourcen und Kompetenzen der fünf HAW und ihrer Partner.

https://saxony5.de/

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