Icotek
Abschirmung direkt am Übergang
EMV-Probleme zeigen sich in Industrieanlagen oft erst im Betrieb. Dann wird die Fehlersuche teuer, Nachrüstung aufwendig und Stillstand schnell zum Kostenfaktor. Abhilfe schaffen Lösungen, die direkt dort ansetzen, wo Störströme in Systeme eindringen oder sich ausbreiten: am Kabelschirm, an der Schrankdurchführung und am Potenzialausgleich.
Mit wachsender Automatisierung nehmen elektromagnetische Störungen in Anlagen zu. Servoantriebe, Frequenzumrichter und schnelle Datenleitungen erzeugen Felder und Störströme, die andere Komponenten beeinflussen können. Kritisch wird das oft erst nach der Inbetriebnahme.
Ein typischer Fall sind zum Beispiel interferierende Signale von Industrieanlagen: Eine neue Maschine mit umrichtergespeistem Antrieb wird neben einer bestehenden Anlage installiert. Plötzlich kommt es dort zu Fehlfunktionen. Ursache sind entweder feldgebundene Störungen, die in das Gehäuseinnere eindringen, oder schirmgebundene Störungen, die über den Leitungsschirm in das System übertragen werden. Sind Schirme nicht niederohmig und großflächig mit Masse verbunden, gelangen Störströme bis in die Steuerung. Die Folgen reichen von Kommunikationsfehlern bis zum Anlagenstillstand.
Störungen direkt am Eintrittspunkt ableiten
Besser ist es also, elektromagnetische Störungen gar nicht erst in die Anlage hineinzulassen. Icotek verlagert daher die EMV-Funktion bewusst an den Gehäusedurchtritt und damit an eine der kritischsten Stellen einer Anlage. Mit EMV-Kabeleinführungen und Schirmklammern mit nahezu 360°-Kontaktierung lässt sich so eine saubere und reproduzierbare Schirm-anbindung genau dort realisieren, wo Leitungen in den Schaltschrank oder in Geräte eingeführt werden. Der Einsatz dieser Lösungen reduziert Störungen im Betrieb und vereinfacht die Fehlersuche. Zugleich wird die Einhaltung relevanter EMV-Anforderungen unterstützt, was wiederum hilft, Ausfälle zu vermeiden und die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen.
Eine zentrale Produktgruppe des Unternehmens sind Schirmklammern. Sie verbinden den Kabelschirm mit dem Massepotenzial und sorgen für eine sichere Ableitung hochfrequenter Störströme. Entscheidend ist dabei nicht nur die Verbindung an sich, sondern ihre Qualität: kurze Anbindung, geringer Übergangswiderstand, hoher Anpressdruck und eine möglichst große Kontaktfläche. Die Schirmklammern ‚SKL‘ und ‚MSKL‘ bieten im Vergleich zu herkömmlichen EMV-Produkten wie Bügelschellen oder Schirmbändern technische Vorteile, wie etwa eine bis zu 50 % größere Kontaktfläche und ein effizientes Design, was sich vor allem bei hochfrequenten Störungen positiv auswirkt. Die Produkte bestehen aus hochwertigen Federstählen. In Verbindung mit dem Design ermöglichen sie einen konstanten federnden Dauerkontakt. Zudem werden mögliche Nachjustierungen, durch Vibrationen hervorgerufen, vermieden. Die Klammern sind wartungsfrei und in vielen Montagevarianten erhältlich, etwa für Direktmontage, Hutschiene, Sammelschiene oder C-Schiene. Sie decken unter anderem auch große Klemmbereiche ab, daher kann die Anzahl an unterschiedlichen Ausführungen reduziert werden. Alternativ zu den SKL-Schirmklammern bietet Icotek klassische Schirmklemmen in Varianten hinsichtlich Baugrößen und Montagemöglichkeiten an.
Je nach Ausführung lassen sich EMV-Schirmanbindung und Zugentlastung in einem Bauteil kombinieren. Das spart Platz und vereinfacht die Montage, etwa im Schaltschrankbau oder bei Profinet-Anwendungen. Wenn auf engstem Raum eine große Zahl von Leitungen sicher abgefangen werden muss, bieten sich die EMV-Reihenfüße ‚RLF‘ und ‚RLFZ‘ als Lösung an. Beide Produktreihen vereinen die Vorteile der Schirmklammern und der Zugentlastung und bieten platzsparende Lösungen für bis zu zwölf Leitungen. Mittels eines EMV-Konfigurators lässt sich die Bestückung passend zur jeweiligen Anwendung zusammenstellen; den individuell ausgelegten Reihenfuß fertigt und bestückt Icotek anschließend kundenspezifisch.
Abschirmung an der Gehäusewand
Während Schirmklammern vor allem schirmgebundene Störungen ableiten, setzt die Produktfamilie ‚EMV-KEL‘ direkt an der Kabeleinführung an. Die Kabeleinführungen sind für vorkonfektionierte Leitungen ausgelegt, sodass Stecker bei der Montage nicht entfernt werden müssen. Die Abschirmwirkung hier basiert auf leitfähigen Elastomer-Tüllen und leitfähigen Flachdichtungen, die bereits am Eintrittspunkt eine wirksame Kontaktierung und Abschirmung ermöglichen. Auf diese Weise lassen sich sowohl schirm- als auch feldgebundene Störungen gezielt reduzieren. Für Anwendungen mit zusätzlichen Anforderungen an Staub- und Wasserschutz gibt es eine Lösung in Schutzart IP55.
Auch für Standardausbrüche bietet das Unternehmen Lösungen an, um Leitungen mit Stecker EMV-technisch sauber einzubinden. Relevant ist dies vor allem in beengten Bauräumen und bei Nachrüstungen. Meist wird erst bei der Montage vor Ort entschieden, welche Größe die Kabeldurchführung haben muss, da dies vom Kabeldurchmesser abhängt. Oft ist die eingeplante Kabeldurchführung oder -verschraubung entweder zu groß oder zu klein und somit nicht passrecht. Icotek bietet hierfür die ‚KEL-DPF-OD‘: Ihr großer variabler Dichtbereich (3 bis 60 mm) ermöglicht es, mit einer Lösung unterschiedlichste Leitungsdurchmesser sicher abzudichten.
Potenzialausgleich ist entscheidend
Wirksame Schirmung funktioniert nur mit sauberem Poten-zialausgleich. Alle leitfähigen Teile einer Anlage müssen so verbunden sein, dass keine unerwünschten Spannungsunterschiede entstehen. Nur dann können Störströme kontrolliert über Masse und Erdung abgeleitet werden, statt im System zu verbleiben. Deshalb umfasst das Portfolio auch Masse- und Erdungsbänder sowie kundenspezifische Lösungen.
Aufeinander abgestimmte Lösungen
EMV-Probleme entstehen oft beim Einbau und im laufenden Anlagenbetrieb, vor allem auch bei Nachrüstungen, wenig Platz im Schaltschrank oder vorkonfektionierten Leitungen. Deshalb gilt es, nicht nur einzelne Bauteile, sondern das gesamte System zu betrachten. Anwender benötigen zuverlässige, aufeinander abgestimmte Lösungen zur EMV-Abschirmung, von der Kabeleinführung über die Schirmkontaktierung bis hin zu Zugentlastung und Potenzialausgleich.
Redaktion: Inka Krischke














