Bedienen und Beobachten
Taster und Touchscreen auf einem Panel
Touchscreens, gegebenenfalls mit Multitouch, stehen zwar auch in der industriellen HMI-Technik hoch im Kurs. Ersetzen werden sie aber die klassischen elektromechanischen Bedienelemente nicht. Im Gegenteil: Es ist sogar en vogue, beides auf ein und demselben Panel zu integrieren.
"Als großen Trend betrachten wir die Systemintegration von Bedien- und Anzeigeelementen", bestätigt Axel Zauke, Produkt- und Innovationsmanager Komponenten bei Rafi. "Kurzhubtaster, Touchscreens und Befehlsgeräte werden also immer häufiger in einem gemeinsamen Panel integriert sein." Eugen Froch, Vertriebsleiter von N&H Technology, bestätigt dies: "Oft wünschen Kunden aus der Industrie eine Kombination von Touch-Bediensystemen und elektromechanischen Bedienelementen", sagt er. "Dabei sollen vor allem sicherheitsrelevante Befehle über die klassischen Tasten gesteuert werden können."
In der klassischen elektromechanischen Eingabetechnik kann von Stillstand ebenfalls nicht die Rede sein. Vielmehr machen sich die technischen Neuerungen sogar als Trends bemerkbar. "Bei mechanischen Schaltern und Tastern geht der Trend zu robusten Bedienelementen aus Edelstahl und Keramik mit Multicolor-Beleuchtung", erläutert Christian von Arb, Produktmanager in der Division Components von Schurter. Aus Sicht von Michael Schulze, Geschäftsführer von Apem, spielen für Industriekunden bei Schalt- und Meldegeräten die Faktoren Robustheit und Dichtigkeit weiterhin eine entscheidende Rolle. "Wenn es um den sicheren und wartungsarmen Einsatz unter rauen Bedingungen geht, ist der klassische Schalter nach wie vor die unangefochtene Nummer 1", führt er aus.
Wolfgang Zoll, Vertriebsleiter von Schlegel, sieht aktuell zwei Trends am Markt für elektromechanische Bedienelemente: "Erstens müssen die Bedienelemente kompakt sein bezüglich Frontrahmenhöhe und möglichst geringer Einbautiefe«, stellt er fest. »Zweitens ist ein funktionales, ästhetisches Design in einem zunehmend design-orientierten Industrieumfeld gefordert."
Das Produktdesign wird also nicht nur in der Consumer-, sondern auch in der Industrie-Elektronik immer wichtiger. Michael Schulze bestätigt dies: "Unsere Kunden erwarten in zunehmendem Maße, dass Schalter und Taster nach individuellen Anforderungen konfigurierbar sind, damit sie sich harmonisch in die Produktgestaltung einfügen und die Ergonomie unterstützen", sagt er. "Das betrifft neben der Form- und Farbgebung auch die individuelle Kennzeichnung von Auslösern und Kappen mit Beschriftungen oder Icons sowie die Beleuchtung."
Auch Ralf Nebel, bei Ultratronik im Bereich Technischer Support HMI tätig, hebt die Bedeutung des Produktdesigns hervor: "Schalter und Taster sind noch immer kostengünstiger herzustellen und deshalb nach wie vor im Trend, hauptsächlich bei weniger komplexen Bedienfunktionen wie Ein/Aus", sagt er. "Für eine positive User Experience ist allerdings die richtige Wahl der Interaktionselemente von entscheidender Bedeutung. Ein moderner projiziert-kapazitiver Touchscreen (PCAP) mit stylischer, durchgezogener Glasfront ist aus Design-Sicht sicherlich das Nonplusultra."
Alina Lenga, Sales Manager Rotary Components bei Elma Electronic, sieht einen Trend zu integrierten elektromechanischen Bediensystemen: "Wir gehen davon aus, dass sich auf dem Markt für elektromechanische Bedienelemente die Trends zur Miniaturisierung und RGB-Beleuchtung weiter fortsetzen, die Bedienelemente selbst aber eher klassisch bleiben werden", führt sie aus. "Möglicherweise zeigt sich eine Innovation in Richtung integrierter Bediensysteme wie etwa Joysticks mit Drehfunktion oder sogenannte Jog Dials."
Trends bei Touchscreen-Bediensystemen
PCAP – das Stichwort, das Ralf Nebel ins Spiel gebracht hat - steht für die aktuelle Entwicklung auf dem Touchscreen-Markt. "Bei industrietauglichen Touch-Bediensystemen geht der Trend zu geschlossenen Glasoberflächen in kundenspezifischem Design mit integrierten projiziert-kapazitiven Touch-Sensoren", verdeutlicht Roland Maurer, Produktmanager in der Division Inputsystems von Schurter. "Für Anwendungen in Automatisierung und Medizintechnik sind vor allem EMV-stabile PCAP-Lösungen gefordert."
Eric Bulach, Produkt- und Innovationsmanager Systeme bei Rafi, redet Touchscreens mit Multitouch das Wort: "Kunden aus verschiedenen Branchen fordern PCAP-Systeme mit Multitouch-Eingabe", sagt er. "Sie wollen moderne und zukunftsweisende Eingabemöglichkeiten bei Geräten, Maschinen oder Anlagen wie etwa Ultraschallgeräten oder CNC-Anlagen anbieten." Multitouch ermögliche aber nicht nur eine moderne Eingabe, sondern sorge auch für Bediensicherheit, etwa durch eine Zweihandeingabe, die bestimmte Funktionen bewusst freischalte. Eine Zweihandbedienung im Sinne der funktionalen Sicherheit sei über Multitouch-Eingaben aber weiterhin nicht umsetzbar.
Ralf Nebel betrachtet optisches Bonding als Trend bei Touchscreens: "Vollständiges optisches Bonding setzt sich auch bei mittleren Diagonalen von 7 bis 12 Zoll vermehrt durch", führt er aus. "Das Bonding mittels flüssiger optischer Kleber sorgt für mehr Robustheit und optische Brillanz. Zudem reduzieren sich Beeinträchtigungen durch Fremdlicht stark."
Über die Zukunft von Touch-Bediensystemen in der Industrie äußert sich Alina Lenga optimistisch: "Wir glauben, dass sich Touch-Systeme aufgrund von Vorteilen wie intuitive Bedienung, Grafikfähigkeit, Kosten, Reinigungsfähigkeit, Sterilisierbarkeit, Wasserdichtheit und Ästhetik weiter durchsetzen werden", sagt sie. "Besonders in Industrie-Anwendungen dürften Touch-Systeme weiter Einzug halten, weil sie sich in wesentlichen Aspekten wie Langlebigkeit und Robustheit deutlich verbessert haben." Etwas skeptischer ist das Resümee von Michael Schulze: "Sicherlich gab es in der Vergangenheit in bestimmten Bereichen eine Verdrängung elektromechanischer Bedienelemente durch Touchscreens, und dieser Trend wird sich weiterhin fortsetzen", führt er aus. "Andererseits bieten elektromechanische Lösungen klare Vorteile gegenüber den neuen Techniken – vor allem, wenn Zuverlässigkeit unter rauen Umgebungsbedingungen gefragt ist."
electronica 2014:
- Schurter: Halle A3, Stand 115; Halle A5, Stand 260
- Rafi: Halle B5, Stand 173
- Apem: Halle B5, Stand 542
- N&H Technology: Halle B5, Stand 279
- Elma: Halle B1, Stand 274
- Ultratronik: Halle A3, Stand 323
- Schlegel: Halle B5, Stand 472












