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Relayr-Studie

Krisenstimmung in der Fertigung?

08. Juli 2020, 12:11 Uhr   |  Inka Krischke

Krisenstimmung in der Fertigung?
© Pixabay

Das IIoT-Unternehmen Relayr hat jeweils 100 Unternehmen der produzierenden Industrie in Deutschland und den USA unter anderem dazu befragt, wie sich die 'Corona-Krise' auf ihr Unternehmen auswirkt und wie sie mit den Herausforderungen umgehen.

Die Corona-Krise wird nach aktuellen Schätzungen sowohl in Deutschland als auch in den USA zu starken Konjunktureinbrüchen führen. Exportrückgänge und die schlechte Planbarkeit der zu erwartenden Entwicklung der Pandemie wie auch der Wirtschaft führen zu Verunsicherung in der produzierenden Industrie. Die kürzlich durchgeführte Studie von Relayr und dem Marktforschungsinstitut Forsa zeigt nun auf, wie Unternehmen der Fertigungsindustrien beider Länder selbst die Krise und ihre Auswirkungen auf das eigene Geschäft einschätzen.

Laut der Umfrage beurteilen 21 % der befragten deutschen Unternehmen die Effekte der Krise auf ihr Unternehmen als teils oder sogar sehr positiv, 25 % bemerken keine relevanten Unterschiede. In den USA ist die Stimmung etwas schlechter, aber auch hier schätzen immerhin 18 % der Befragten die Krisenauswirkungen auf das eigene Unternehmen als teils oder sehr positiv ein, 15 % sehen keinen Effekt auf ihr Geschäft. Nicht überraschend: 54 % der deutschen Befragten sagen, die Krise habe einen teils oder sehr negativen Einfluss auf ihr Geschäft. In den USA sind es mit sogar 67 % deutlich mehr. Als größte Herausforderungen der Krise wurden dabei der Rückgang neuer Aufträge (D: 55 %, USA: 58 %), der Umsatzrückgang (D: 57 %, USA: 54 %) sowie die Sorge der Mitarbeiter vor einer Covid-19-Ansteckung (D: 44 %, USA: 56 %) genannt. Nur 16 % der deutschen Unternehmen machen sich aber ernsthaft Sorgen um das Fortbestehen des Unternehmens; in den USA sind es mit 11 % sogar noch weniger.

Investitionsverhalten positiv

Überraschend positiv sind die deutschen Antworten auf die Frage, wie sich die Pandemie auf ihr Investitionsverhalten auswirkt. 30 % der befragten deutschen Unternehmen wollen in 2020 ebenso viel investieren wie im vergangenen Jahr – 24 % sogar mehr als in 2019. In den USA sind diese Zahlen niedriger: 17 % wollen hier Investitionen in derselben Höhe wie im Vorjahr tätigen, 19 % möchten mehr investieren. Demgegenüber planen 45 % der deutschen Unternehmen niedrigere Investitionen als in 2019 – in den USA sind es 50 %.

Die Stimmung in der Fertigungsindustrie - Deutschland und USA im Vergleich

Relayr, Studie, Pandemie-Folgen Fertigung, Grafik 1
Relayr, Studie, Pandemie-Folgen Fertigung, Grafik 3
Relayr, Studie, Pandemie-Folgen Fertigung, Grafik 2

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Flexibilität ist das neue Mantra

Welche Maßnahmen haben die befragten Unternehmen ergriffen, um die Herausforderungen der Krise zu meistern? Ganz vorne liegt hier die Antwort ‚erhöhte Flexibilität‘ (D: 54 %, USA: 59 %). Den Kundenservice noch weiter verbessern zu wollen, nennen 27 % der deutschen und 24 % der amerikanischen Unternehmen als Mittel der Wahl. Und nicht zuletzt setzen Unternehmen beider Länder auf technische Innovationen: So möchten sich 27 % der deutschen sowie 25 % der amerikanischen Unternehmen (auch) auf diese konzentrieren, um die Krise zu meistern. Knapp ein Viertel der befragten hiesigen Unternehmen (24 %) wollen zudem durch Veränderungen und Verbesserungen am bestehenden Produkt punkten – in den USA sind dies nur 14 %.

Industrial Internet of Things auf dem Vormarsch

Die Unternehmen setzen verschiedene Technologien ein, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. In Deutschland wird hier mit großem Abstand das Industrial Internet of Things (IIoT) genannt, das bei 47 % der Unternehmen zum Einsatz kommt – in den USA dagegen nur bei 32 % der Unternehmen. Big Data hingegen nutzen in beiden Ländern je 33 %. Auch bei der Nutzung künstlicher Intelligenz liegt Deutschland mit 35 % deutlich vor den USA mit 22 %. Diese Technologien sind dabei offenbar nicht nur grundsätzlich ein Vorteil für das jeweilige Geschäft, sondern insbesondere auch in der aktuellen Lage: Von den Unternehmen, die eine oder mehrere der aufgelisteten Technologien verwenden, sind in Deutschland 95 % der Ansicht, dies würde ihrem Unternehmen in der Krise helfen. In den USA sind es ganze 99 %.

Pay-per-Use-Geschäftsmodelle immer beliebter

Eine komplette Änderung des eigenen Geschäftsmodells war für nur wenige der befragten Unternehmen eine Option: In Deutschland traf das nur auf 8 % der Befragten zu, in den USA dagegen auf 16 %. Dass neue Geschäftsmodelle wie zum Beispiel Pay-per-Use-Modelle (‚Equipment-as-a-Service‘) aber für Angebots- wie auch Nachfrageseite einen Vorteil in der aktuellen Krise darstellen können, erkennt ein Großteil der Befragten an: In Deutschland bewerten 26 % der Unternehmen solche Geschäftsmodelle als großen oder sogar sehr großen Vorteil, 42 % erkennen zumindest einen leichten Vorteil. In den USA nennen 34 % Pay-per-Use-Modelle jetzt einen großen bis sehr großen Vorteil, 29 % sehen darin immerhin einen leichten Vorteil. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen gibt dann auch an, ein Pay-per-Use-Modell selbst zu nutzen (D:10 %, USA: 18 %), anzubieten (D:17 %, USA: 15 %) oder sogar beides (D:14 %, USA: 9 %).

Positive Effekte durch Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen

Die ersten Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen, die im Laufe des Mai vorgenommen wurden, zeigen bereits erste positive Effekte: 8 % der deutschen Unternehmen spüren seitdem eine deutliche Zunahme bei der Nachfrage nach ihren Produkten, 44 % einen leichten Anstieg. In den USA sind die Zahlen sogar noch besser: Hier sehen 14 % einen deutlichen Anstieg und 45 % einen leichten im Vergleich zu den Wochen vor den Lockerungen.

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