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Artikel und Hintergründe zum Thema

Systemumbau der Energieversorgung

Nach Unterlagen des VDE FNN | Andrea Gillhuber,

Systemstabilität im Fokus der VDE-FNN-Roadmap 2025

Der Systemumbau der deutschen Energieversorgung schreitet weiter voran. Mit der VDE-FNN-Roadmap 2025 „Vom Netz zum System“ werden zentrale Maßnahmen zur Sicherung der Systemstabilität und Versorgungssicherheit definiert.

© killykoon/adobe.stock.com

Der Systemumbau der deutschen Stromversorgung schreitet weiter voran. Im Mittelpunkt steht dabei die langfristige System- und Netzstabilität. Der Verband VDE FNN veröffentlicht alle vier Jahre eine Roadmap, die den Netz- und Systemumbau aus technischer Perspektive bewertet, bisherige Entwicklungen einordnet und künftige Maßnahmen definiert. Aktuell rücken die Weiterentwicklung von Ordnungsrahmen, Marktmechanismen und Technik stärker in den Fokus – Bereiche, die künftig noch enger verzahnt werden müssen.

„Wir bauen derzeit bei laufendem Betrieb die größte Maschine der Welt um – damit das gelingt, brauchen wir dringend Orientierung und Klarheit für alle Beteiligten“, sagt Dr. Joachim Kabs, Vorstandsvorsitzender von VDE FNN.

Hohe Versorgungssicherheit trotz Energiewende

Die aktuellen Kennzahlen belegen die hohe Versorgungssicherheit im deutschen Stromsystem: Laut der VDE-FNN-Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik 2024 waren Stromkundinnen und -kunden in Deutschland zu 99,998 Prozent versorgt. Die durchschnittliche Stromunterbrechungsdauer lag bei lediglich 12,9 Minuten pro Kunde. Damit zählt das deutsche Stromnetz weiterhin zu den zuverlässigsten der Welt.

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Grundlage dafür ist eine leistungsfähige Infrastruktur mit über 100.000 Kilometern Übertragungsnetz und rund 1,7 Millionen Kilometern Verteilnetz, die insgesamt 45 Millionen Kunden zuverlässig mit elektrischer Energie versorgt. Damit diese hohe Netzstabilität auch künftig gewährleistet bleibt, müssen Netzbetreiber, Dienstleister, Politik und technische Regelsetzer gemeinsam handeln.

Herausforderungen durch erneuerbare Energien und Elektrifizierung

Der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die zunehmende Elektrifizierung von Wärme und Mobilität stellen das Energiesystem vor neue Herausforderungen. Insbesondere Netzausbau, Digitalisierung und Systemintegration gewinnen weiter an Bedeutung. Diese Entwicklungen erfordern abgestimmte technische Lösungen und klare Rahmenbedingungen.

Seit 2017 begleitet VDE FNN diesen Transformationsprozess mit einer eigenen Roadmap. Anhand von drei zentralen Aktionsschwerpunkten zeigt sie auf, wie der technische Status quo aussieht und an welchen Stellen konkret weitergearbeitet wird. Die VDE-FNN-Roadmap 2025 „Vom Netz zum System“ knüpft konsequent an die bisherigen Veröffentlichungen an.

„Momentan kommen immer mehr Herausforderungen in der Praxis an. In diesem Umfeld ist es unser Anspruch als VDE FNN, vorausschauend zu agieren, Orientierung zu bieten und Kontinuität sicherzustellen“, so Dr. Joachim Kabs.

Der laufende Umbau des Energiesystems leistet dabei einen entscheidenden Beitrag sowohl zum Klimaschutz als auch zur Reduzierung der Abhängigkeit von Energieimporten und stärkt damit die langfristige Versorgungssicherheit in Deutschland.

Systemumbau im laufenden Betrieb: sichere Versorgung im Fokus

Das Energiesystem im Jahr 2030. © VDE FNN

Um Systemstabilität sicherzustellen, muss die Gesamtheit der Speicher und Erzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien die bisherigen Großkraftwerke in ihrer Funktion sukzessive ersetzen – nicht nur durch Leistung, sondern auch durch technische Fähigkeiten und Dienstleistungen für das System. Die Roadmap Systemstabilität des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) definiert seit 2023 als Ziel ein stabiles Stromsystem auch bei 100 % Erzeugung aus erneuerbaren Energien. Dabei soll der systemische Bedarf durch technische Mindestanforderungen, marktliche Beschaffung und integrierte Netzkomponenten gedeckt werden. VDE FNN entwickelt die Anforderungen an systemstützende und netzbildende Eigenschaften von Kundenanlagen und bringt diese in die BMWE-Roadmap ein.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Weiterentwicklung der Netzanschlussregeln (TAR), die definieren, welche Anforderungen für Netzbetreiber und Netzkunden am Netzanschlusspunkt gelten. Dabei geht es um neue Anforderungen an Erzeugungsanlagen, den Anschluss von Speichern und Wärmepumpen, die Definition von systemstützendem Verhalten oder die Voraussetzungen für eine Steuerung am Netzanschlusspunkt. „Ein Element aus dem Ordnungsrahmen, das wir dringend brauchen, sind die überarbeiteten europäischen Connection Network Codes (CNC 2.0). Aktuell hat die EU-Kommission diese depriorisiert, ohne einen neuen Termin zu nennen. Damit fehlt ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung einer stabilen, harmonisierten Stromversorgung auf Grundlage Erneuerbarer in Europa“, so Heike Kerber, Geschäftsführerin von VDE FNN. Zumal mit dem Network Code Demand Response auch die Festlegung wichtiger Prozesse und Marktregeln für die Kundenpartizipation in Europa mittelbar verzögert werden. Um die Regulierungslücke zu überbrücken, prüft VDE FNN derzeit, wie sich die Anforderungen aus dem geplanten CNC 2.0 an nationale Gegebenheiten anpassen lassen.

Digitalisierung als Treiber: Endkunden an der Energiewende beteiligen

Das zentrale Element der Digitalisierung im Verteilnetz ist das intelligente Messsystem (iMSys), die Kombination aus moderner Messeinrichtung und Smart-Meter-Gateway. Über die Steuerungseinrichtung des iMSys ist die Steuerung flexibler Anlagen im Niederspannungsnetz möglich, die laut Planung der Bundesregierung mindestens 23 Millionen Endkunden betrifft. Sie können damit das Potenzial bereitgestellter Flexibilität und dynamischer Stromtarife voll ausschöpfen. Die Nutzung von Flexibilität und die Möglichkeit zum Eingriff bei Engpässen sind für den Netz- und Systembetrieb zentrale Bausteine zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit.

VDE FNN betrachtet den Einsatz intelligenter Messsysteme als Ende-zu-Ende-Prozess. Heike Kerber: „Wir beschreiben nicht nur technische Komponenten, sondern geben auch Umsetzungshilfen für alle Beteiligten vom elektronischen Lieferschein bis zur Durchführung eines Steuerbefehls.“ Um bei der Steuerung Fahrt aufzunehmen, sei es erforderlich, dass die vielfältigen Regelungen im Ordnungsrahmen stärker auf den Netzanschluss fokussiert werden, anstelle – wie bisher – auf einzelne Anlagentypen und getrennt nach Erzeugung und Verbrauch. Steuerung nach § 14a EnWG und § 9 EEG müssen technisch und prozessual integriert gedacht werden. Cybersicherheit ist hierbei eine unabdingbare Anforderung, die vom Backend bis zum intelligenten Messsystem konzipiert sein muss. Private Kundenanlagen werden in der Masse systemkritisch und müssen mitgedacht werden, um das System vor Angriffen zu schützen.

Netzbetrieb der Zukunft: Sicherheit und Effizienz

Der dritte Schwerpunkt der VDE FNN Roadmap schafft die Grundlagen für einen sicheren und effizienten Netzbetrieb. Die Transformation des Energiesystems führt zu einem volatileren Verhalten der Marktteilnehmer, vor allem in den Verteilnetzen. Mitarbeitende in den Netzleitstellen müssen in der Lage sein, die aktuelle Netzsituation zu überwachen, um bei Gefährdungen oder Störungen gemäß § 13 und § 14 EnWG angemessen agieren zu können.

Durch ein gemeinsames Verständnis von Resilienz und den zu treffenden Maßnahmen wird die Basis für ein robusteres und sicheres Energiesystem an die neuen Herausforderungen angepasst. Dabei sind gesetzliche Grundlagen wie das KRITIS-Dachgesetz zu berücksichtigen. Eine kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung von Primär- und Sekundärtechnik sowie Krisen- und Risikomanagementsystemen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Resilienz unseres Elektrizitätsversorgungssystems.

Auch diese Themenfelder begleitet VDE FNN durch die Weiterentwicklung von Prozessen, Handlungsempfehlungen sowie die Beschreibung der technischen Anforderungen. „Unsere Roadmap sagt, was wir machen wollen – und das machen wir dann auch“, so Dr. Joachim Kabs. „Wir sorgen für Orientierung aus technischer Sicht und leisten damit unseren Beitrag zu einer gezielten Weiterentwicklung von Technik, Markt und Ordnungsrahmen. Eine zuverlässige Energieversorgung auf Grundlage erneuerbarer Energien sicherzustellen, muss unser gemeinsames Ziel bleiben.“

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