Robotik-Antriebe aus Europa
Synapticon und Generative Bionics kooperieren
Synapticon und Generative Bionics haben eine Partnerschaft für Antriebssysteme humanoider Roboter vereinbart. Ziel ist eine europäische Lieferkette für Entwicklung, Fertigung, Zertifizierung und Integration der Technologie sowie eine stärkere Unabhängigkeit von externen Zulieferern.
Das deutsche Unternehmen Synapticon und die italienische Robotikfirma Generative Bionics wollen bei der Entwicklung und Integration von Antriebssystemen für humanoide Roboter zusammenarbeiten. Die Partnerschaft konzentriert sich auf den Aufbau einer europäischen Lieferkette für zentrale Komponenten der sogenannten Physical AI, also KI-gestützter physischer Robotersysteme.
Humanoide Roboter werden zunehmend für industrielle und dienstleistungsbezogene Anwendungen entwickelt. Damit rücken neben den Fähigkeiten der Systeme auch Fragen der Lieferketten, Zertifizierung und technologischen Kontrolle in den Fokus. Nach Angaben der Unternehmen sollen kritische Technologien künftig innerhalb Europas entwickelt, gefertigt und integriert werden.
Antriebsebene als Schlüsseltechnologie
Im Mittelpunkt der Kooperation steht die Antriebsebene humanoider Roboter. Sie umfasst Motoren, Servoantriebe, Encoder, Sicherheitsfunktionen und Software zur Bewegungssteuerung. Erst das Zusammenspiel dieser Komponenten ermöglicht präzise Bewegungen und einen sicheren Einsatz von Robotern in der Nähe von Menschen.
Daniele Pucci, CEO von Generative Bionics, beschreibt die Bedeutung dieser Technologie: „Europa steht bei Physical AI und humanoider Robotik vor einer klaren Herausforderung hinsichtlich seiner technologischen Souveränität. Dabei geht es nicht um geschlossene oder isolierte Lieferketten. Die Schlüsseltechnologien humanoider Roboter müssen gegenüber geopolitischen Schwankungen und Lieferkettenstörungen robust sein. Zugleich müssen sie die Anforderungen an Sicherheit und Zertifizierung erfüllen. Die Antriebsebene ist dabei von grundlegender Bedeutung. Hier bündeln sich Bewegung, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Zertifizierungsvoraussetzungen.“
Drei Bereiche der Zusammenarbeit
Die Kooperation basiert auf drei Schwerpunkten. Zunächst soll eine innerhalb der Europäischen Union abgesicherte Lieferkette für die Antriebssysteme der humanoiden Plattform von Generative Bionics entstehen. Endmontage, Kalibrierung und Sicherheitsprüfungen sind überwiegend in Deutschland vorgesehen. Ergänzend planen die Unternehmen europäische Alternativlieferanten, Sicherheitsbestände innerhalb der EU und Maßnahmen zur Rückverfolgbarkeit kritischer Komponenten.
Darüber hinaus wollen die Partner gemeinsam kundenspezifische Antriebseinheiten entwickeln. Diese kombinieren Motoren, Servoregler, Encoder, Firmware und Funktionen der funktionalen Sicherheit. Die Systeme sollen an die mechanischen, thermischen und regelungstechnischen Anforderungen der Roboterplattform von Generative Bionics angepasst werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung einer Sicherheitsarchitektur für humanoide Roboter. Vorgesehen sind Funktionen für sichere Bewegungssteuerung, Personenerkennung und die Überwachung von KI-gesteuerten Robotersystemen. Grundlage bildet die Sicherheitsplattform ‚Positron‘ von Synapticon. Die Entwicklung soll sich an entstehenden internationalen Normen orientieren.
Fokus auf Resilienz und Nachverfolgbarkeit
Nach Angaben der Unternehmen werden Maßnahmen zur Absicherung der Lieferkette bereits in die Zusammenarbeit integriert. Dazu zählen vorqualifizierte europäische Alternativen für kritische Bauteile sowie innerhalb der EU gelagerte Sicherheitsbestände.
Zusätzlich sollen vertrauliche Nachweise zur Herkunft, zum Fertigungsstandort und zum Qualifizierungsstatus wichtiger Komponenten vorgehalten werden. Damit soll die Rückverfolgbarkeit innerhalb der Lieferkette sichergestellt werden.
Zusammenarbeit bei Großserienfertigung
Im Rahmen der Partnerschaft erhält Synapticon den Status eines strategischen europäischen Lieferanten für definierte Bereiche der Antriebstechnik. Generative Bionics wird als strategischer Kunde bevorzugten Zugang zu innerhalb der EU abgesicherten Produktionskapazitäten erhalten.
Zudem arbeiten beide Unternehmen bereits an einer neuen Aktuatorbaureihe von Synapticon, die für eine Großserienfertigung nach Vorbild der Automobilindustrie ausgelegt ist. Generative Bionics soll die Entwicklung mit strukturiertem Feedback begleiten und die Industrialisierung der Baureihe unterstützen.











