Projektabschluss

Inka Krischke,

Factory-X schafft Grundlage für interoperable Datenräume und industrielle KI

Nach zweieinhalb Jahren gemeinsamer Projektarbeit zieht das Factory-X-Konsortium auf dem Abschlussevent am 17. und 18. Juni 2026 in Berlin Bilanz: Mit dem erfolgreichen Abschluss der Konsortialprojektphase legt Factory-X die Grundlage für die operative Nutzung eines offenen digitalen Datenraums für Fabrikausrüster und -betreiber und damit für einen neuen Weg unternehmensübergreifender Zusammenarbeit in industriellen Wertschöpfungsketten.

Panelteilnehmer zum Thema „Industrie im Wandel – ohne Daten-Ökosysteme keine (KI-) Zukunft?“ Rainer Brehm, Siemens; Dr. Stephan Mayer, Trumpf; Prof. Dr. Dipl-Ing Berend Denkena, DMG Mori; Dr. Beate Baron, BMWE; Hagen Heubach, SAP (vlnr) © Factory-X

Unter der Konsortialführung von Siemens und SAP haben 47 Konsortialpartner sowie zehn assoziierte Partner aus Industrie, Mittelstand, Verbänden und Forschung gemeinsam an der Umsetzung gearbeitet. Als Leuchtturmprojekt innerhalb der Initiative Manufacturing-X habe Factory-X gezeigt, wie sicherer, standardisierter und föderativer Datenaustausch nicht nur entlang von Lieferketten, sondern auch direkt in der Fabrik und auf dem Shopfloor Mehrwerte erzeugen kann, heißt es seitens Factory-X. Im Fokus stand der Aufbau einer technischen und organisatorischen Basis, die es Unternehmen ermöglicht, Daten souverän zu teilen, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und industrielle Prozesse resilienter, effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Damit schafft Factory-X zugleich eine Grundlage für den Einsatz industrieller KI.

Zentrale Meilensteine erreicht

Ein wesentliches Ergebnis des Projekts ist der MX-Port, als branchenübergreifend einsetzbare technische Integrationsarchitektur. Er ermöglicht den multilateralen Austausch industrieller Daten und schafft die Voraussetzung für standardisierte Schnittstellen, gemeinsame Datenmodelle und interoperable Datenflüsse über Unternehmens- und Ökosystemgrenzen hinweg. Mit seinen verschiedenen Konfigurationen schafft der MX-Port standardisierte Schnittstellen und Datenmodelle und gewährleistet damit durchgängige und vertrauensvolle Datenflüsse entlang verschiedener industrieller Wertschöpfungsketten.

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Elf praxisnahe Use Cases erfolgreich umgesetzt

Darüber hinaus wurden im Projekt elf konkrete Anwendungsfälle spezifiziert, prototypisch umgesetzt und validiert. Sie zeigen, wie Datenräume in der Praxis konkrete Mehrwerte schaffen können – von der besseren Zusammenarbeit zwischen Fabrikausrüstern und -betreibern über datenbasierte Services und Qualitätsprozesse bis hin zu neuen Möglichkeiten für KI-basierte Anwendungen und autonome industrielle Prozesse. Diese Use Cases belegen, dass Datenräume nicht nur entlang von Lieferketten wirken, sondern direkt auf dem Shopfloor messbare Mehrwerte erzeugen.

Die in Factory-X erarbeiteten Open Source Software-Lösungen wurden im Factory-X GitHub und auf der Tractus-X-Plattform veröffentlicht, weitere inhaltliche Projektergebnisse sind auf der Factory-X Website einsehbar. Dies stärkt die Transparenz, fördert die Weiternutzung durch Anwender und bildet die Basis für die operative Umsetzung im industriellen Einsatz.

Grundsteine für den operativen Betrieb gelegt

Im Rahmen der Projektarbeit wurden die Voraussetzungen für einen dauerhaften operativen Betrieb geschaffen. Bestehende Betreibergesellschaften, wie Cofinity-X, stellen bereits heute den laufenden Betrieb sicher und zeigen, dass die im Projekt entwickelten Konzepte industriell skalierbar sind.

Grundlage für industrielle KI

Mit Factory-X wurde ein Fundament geschaffen, das über klassische Digitalisierungsvorhaben hinausgeht. Denn leistungsfähige industrielle KI benötigt vertrauenswürdige, kontextualisierte und qualitätsgesicherte Daten. Factory-X adressiert genau diese Voraussetzung: Daten bleiben souverän beim jeweiligen Unternehmen, können aber standardisiert, sicher und zweckgebunden mit Partnern geteilt und für neue Anwendungen nutzbar gemacht werden. Damit entstehen neue Möglichkeiten für datenbasierte Services, Software-as-a-Service-Angebote, verbesserte Produktionsprozesse, nachhaltigere Wertschöpfung und perspektivisch auch für autonome industrielle Abläufe. Qualitativ hochwertige, sichere und interoperable Daten sind die unverzichtbare Voraussetzung für den industriellen KI-Einsatz und Factory-X will genau diese Infrastruktur liefern.

Mittelstand als zentrale Zielgruppe

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Mittelstand. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen benötigen praxistaugliche, bezahlbare und leicht integrierbare Lösungen im Rahmen ihrer Digitalen Transformation. Factory-X trägt dazu bei, die Eintrittshürden an Datenräumen für mittelständische Unternehmen zu senken und ihnen Zugang zu neuen datenbasierten Geschäftsmodellen zu ermöglichen.

Übergang in Umsetzung und Skalierung

Nach Abschluss des Konsortialprojekts werden die Ergebnisse gezielt in die nächste Phase überführt. Im Mittelpunkt stehen die operative internationale Nutzung, die Weiterentwicklung der technischen Komponenten, die Integration in industrielle IT-Anwendungen sowie die Skalierung über bestehende Betreibermodelle. Die Arbeiten werden unter dem Dach der Plattform Industrie 4.0 und der Führung aus Industrie und beteiligten Verbänden und Organisationen im Kontext von Manufacturing-X weitergeführt. Dazu gehören insbesondere VDMA, ZVEI, Catena-X, IDSA und IDTA. Ziel ist es, die im Projekt entwickelten Konzepte und Architekturen weiter zu harmonisieren, in reale Anwendungen zu überführen und die internationale Anschlussfähigkeit industrieller Datenräume zu stärken.

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