Smart Grids
Europa und USA im Normen-Wettstreit
China will in den nächsten Jahren massiv in erneuerbare Energien investieren. Ein Teil des Geldes soll in intelligente Stromnetze fließen. Bei der Normung der Smart Grids buhlen nun europäische und amerikanische Organisationen um die Gunst Chinas.
Bis 2020 will China seinen CO2-Ausstoß um 40 Prozent reduzieren. Hierzu will die chinesische Regierung massiv den Ausbau von regenerativen Energien und Smart Grids fördern. Das Land möchte eine Führungsposition auf diesen Gebieten einnehmen, wie Baoquan Shi vom SAC (Standardization Administration of China) während eines Forums zum Thema Smart Grids Ende Mai verkündete. Ziel des Forums war es, die Zusammenarbeit zwischen der EU und China bei intelligenten Netzen zu fördern und eine Harmonisierung von Normen und Standards zu erreichen.
Es zeichnet sich ab, dass sich China zu einem der größten Energieproduzenten der Welt entwickelt, wobei der Smart-Grid-Technologie eine Schlüsselrolle zukommt. Von dieser Entwicklung könnte die deutsche Industrie profitieren. „Allerdings nur, wenn wir uns frühzeitig mit China bezüglich der Architektur und Standardisierung von Smart Grids abstimmen können," betont Roland Bent, Geschäftsführer Marketing und Entwicklung bei Phoenix Contact. Eine frühzeitige Berücksichtigung von Normungsaspekten im Forschungsprozess und bei der Umsetzung schaffe Wettbewerbsvorteile für Deutschland.
„Was wir brauchen sind einheitliche internationale Standards, die den Informationsaustausch für Grid Automation, Industry Automation und Home Automation beschreiben", bestätigte auch Dr. Bernhard Thies, Sprecher der Geschäftsführung von VDE und DKE. Aufgrund der rasanten Entwicklung bei den Smart Grids, müsse nun schnell gehandelt werden. Denn auch die Amerikaner haben diesen Zukunftsmarkt im Visier und bereits einige Anstrengungen unternommen, China in Sachen Normung und Standardisierung auf ihre Seite zu ziehen.
„Wir stehen im Wettbewerb mit den USA, was Standardisierungskonzepte und Definitionen von Smart Grids betrifft. China denkt in Monaten und nicht in Jahren. Deshalb kommt es jetzt darauf an, dass die Ergebnisse der deutschen Normung rasch implementiert werden", so Thies. Um den IKT-Sektor mit dem Energie-Sektor in Einklang zu bringen, sollten alle Akteure auf die schon bestehenden Standards zurückgreifen. Zahlreiche international anerkannte IEC-Standards in den Bereichen Power, Industrial and Building Automation existieren bereits.
Lin Xianyu, Leiter der Abteilung Smart Grid der State Grid Corporation of China, erklärte dass China auf bereits erprobte Standards aufbauen möchte und sowohl die amerikanischen NIST-Standards (NIST= National Institute of Standards and Technology) wie auch die internationalen IEC-Standards (IEC= International Electrotechnical Commission) auf Adaptierbarkeit prüfe. China lege dabei großen Wert auf die Kooperation mit Europa und vor allem mit Deutschland.









