Gehaltsvergleich

Thomas Günnel,

Was deutsche Ingenieure verdienen

Wonach entscheidet sich, mit welchem Einkommen ein Ingenieur in seinem Berufsleben rechnen kann? Die Personalberatung Pape Consulting hat entscheidende Faktoren in einer Studie ermittelt.

Reichen Fachkompetenz, Intelligenz, Ehrgeiz, Fleiß und Einsatzbereitschaft für ein gutes Gehalt aus, oder gibt es daneben weitere entscheidende Faktoren? Die Pape Consulting Group hat deutsche Ingenieursgehälter untersucht und dabei besonderes Gewicht auf den Vergleich zwischen Berufseinsteigern (bis 5 Jahre Berufserfahrung) einerseits, und sogenannten »alten Hasen« (> 10 Jahre Berufserfahrung) andererseits gelegt. Ausgewertet wurden mehrere 1000 Datensätze aus der eigenen Datenbank, zusätzlich wurden ca. 500 Ingenieure mit relativ geringer (im Schnitt < 5 Jahre) Berufserfahrung befragt.

Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau sind Top

Nicht ganz so überraschend ist die Erkenntnis, dass in beiden Gruppen Ingenieure mit Abschlüssen in den Fächern Elektrotechnik, Informatik, Physik und Maschinenbau auf den vorderen Rängen lagen, auch wenn die Reihenfolge in beiden Gruppen doch voneinander abweicht. Interessant dabei ist auch die Tatsache, dass Elektrotechnikingenieure zwar bessere Einstiegsgehälter beziehen, sich in der Informatik und im Maschinenbau aber offensichtlich bessere gehaltliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

 Berufsanfänger  erfahrene Ingenieure
Informatik  50400  107.300
Maschinenbau  48700  92.120
Elektrotechnik 53100 92.670
Physik - 94.070
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Ingenieure mit Diplom von Technischen Universitäten liegen vorn

Erwartungsgemäß liegen die Ingenieure mit Abschlüssen von technischen Universitäten vor FH-Ingenieuren. Promovierte Ingenieure können sich von beiden Gruppen noch einmal deutlich abheben und erhalten ca. zehn Prozent mehr, insbesondere bei den Berufsanfängern. Erstaunlich ist die Tatsache, dass Absolventen der wissenschaftlichen Universitäten sich nach einigen Jahren kaum noch von den FH-Ingenieuren absetzen können.

 Berufsanfänger  erfahrene Ingenieure
(Technische) Fachhochschulen  49.700  87.000
Technische Universitäten  54.000   95.800
Universität  -  87.400 

Tops und Flops nach Branchen

Bei den Ingenieuren mit relativ geringer Berufserfahrung wurden die besten Gehälter in den Branchen Medizintechnik, Automobil, und Elektrotechnik/Elektronik erzielt. Am schlechtesten  kamen Ingenieure im Maschinenbau, der Automatisierung und im Projektgeschäft (Leiharbeit!) weg. Bei den erfahrenen Ingenieuren liegen die Branchen Informatik, Maschinenbau, und Automotive vorne (holen also im Lauf der Zeit deutlich auf), während Elektrotechnik,  Automatisierung, Energie und Chemie/Werkstoffe sich weniger entwickeln und die hinteren Ränge belegen.

 Berufsanfänger 
 1. Medizintechnik 61.530
 2. Automobil 56.100
3. Elektronik, E-Technik 52.330
...  
Maschinenbau 43.556
Automatisierung 43.140
Beratung, Projekting. 42.667

In vielen Branchen ist die Streuung hierbei sehr hoch, und immer wieder werden von Studienabgängern Verträge mit Jahresgehältern von 25.000 oder 28.000 EUR akzeptiert.

Erfahrene Ingenieure  
 1. Informatik 102.750
 2. Maschinenbau 98.720
3. Automobil, Luft-, Raumfahrt 98.640
...  
Automatisierung, Elektro 88.860
Energie 87.540
Chemie, Werkstoffe 74.375

Ingenieure im Vertrieb/Marketing und Produktionsleitung verdienen besser als Entwickler

Betrachtet man die Ingenieursgehälter nach der funktionalen Zuordnung im Unternehmen, so können sich Ingenieure in der Fertigungsleitung und im Marketing/Vertrieb im Schnitt etwas besser stellen als die Kollegen in der Technik, insbesondere in der Entwicklung.

  
 Marketing, Vertrieb 97.410
 EDV/Software/Hardware 93.500
Entwicklung/Applikation 85.419
Berater 83.300

Starke Unterschiede nach Betriebsgröße und Region

Zwei Einflussfaktoren auf die Gehälter, die bei der Gruppe der Jung-Ingenieure noch abgefragt wurden, sollten noch erwähnt werden, nämlich die Betriebsgröße und die Region , in der der Arbeitgeber angesiedelt ist.

Region Jung-Ingenieure erfahrene Ingenieure 
Ost  39.460  76.640
Nord  48.000  87.420
Mitte/West 48.340 93.240
Süd 52.850 98.410

Ein Ingenieur im Süden der Republik verdient damit ca. 30 Prozent mehr, als einer, der in den neuen Bundesländern arbeitet. Es gibt also durchaus Argumente, nach Studienabschluss, oder nach einigen Berufsjahren, einen Umzug in ein anderes Bundesland in Erwägung zu ziehen. Allerdings darf dabei auch das unterschiedliche Niveau der Lebenshaltungskosten nicht vergessen werden. Umgekehrt müssen Unternehmen in den betroffenen Regionen mit niedrigerem Gehaltsniveau wohl nachlegen, wenn sie langfristig Fachkräfte binden wollen. Es zeigt sich auch ein linearer Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Gehalt, wobei diese Differenzierung leider nur für die Gruppe der Jung-Ingenieure verfügbar ist:

  
Bis 100 MA 43.900
101 – 500 MA 45.480
501-2000 MA 49.230
2001-1000 MA 57.910
>10000 MA 59.422

Die Unterschiede sind hier nicht weniger gravierend als in der regionalen Unterscheidung. Die Frage, ob sich ein Ingenieur in einem stark strukturierten und hierarchisch durchgegliederten Betrieb von 10.000 Mitarbeitern besser entfalten und seine Ideen durchsetzen kann, als in einem mittelständischen Unternehmen mit viel Gestaltungsspielraum, bleibt dabei aber unbeantwortet.

 

Welche grundlegenden Schlussfolgerungen lassen sich aus den erhobenen Daten ziehen?

1. Im Maschinenbau gibt es trotz niedrigerer Einstiegsgehälter gute Gehaltsperspektiven.

2. Der Energiesektor zahlt insgesamt unterdurchschnittlich. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass viele Solarenergieunternehmen im Osten angesiedelt sind, der außerdem regional benachteiligt ist.

3. Firmengröße und Region des zukünftigen Arbeitgebers sind wichtige

Differenzierungsfaktoren und sollten bei der Auswahl der Arbeitsstelle auf jeden Fall mit in Erwägung gezogen werden.

4. In der Entwicklung verdienen Ingenieure vergleichsweise schlecht. (Werden da zu viele kluge und innovative Köpfe aus Gründen kurzfristiger Umsatzerwägungen aus der Entwicklung in den Verkauf geholt?)

5. Die Wahl der Ausbildungsstätte spielt weiterhin eine wichtige Rolle.

Corinne Schindlbeck, Markt&Technik

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