3S-Smart Software Solutions
Update in Sachen Codesys
Seit Wochen ist Stuxnet in der Automatisierungsbranche in aller Munde. – Ein Virus, der es gezielt auf Siemens-Steuerungen abgesehen hat. Können sich die Anwender anderer SPS-Systeme also beruhigt zurücklehnen? Zu dieser und weiteren Fragen äußerte sich in Nürnberg Dieter Hess, Geschäftsführer von 3S-Smart Software Solutions.
Herr Hess, lässt Sie als Anbieter der IEC-61131-Programmier- und Laufzeitumgebung Codesys die Diskussion um Stuxnet kalt?
Hess: Derzeit haben wir keine konkreten Hinweise darauf, dass irgendeine Gefährdung von mit Codesys programmierbaren Steuerungen vorliegt. Trotzdem nehmen wir das Thema Security an sich sehr ernst. So haben wir noch vor der Berichterstattung über Stuxnet damit begonnen, zusammen mit der auf Schutzsysteme spezialisierten Firma Wibu eine umfassende Lösung vorzubereiten, die neben Security die Bereiche Know-how-Schutz und Nutzungskontrolle abdeckt. Auf unserem Messestand können wir bereits zeigen, wie ein mit Codesys programmierbares Gerät über diese Lösung abgesichert werden kann.
Beim Thema Security liegt das Stichwort Funktionale Sicherheit nicht fern. Wie steht es aktuell um die Safety-Lösung von Codesys V3?
Hess: Im vergangenen Jahr haben wir uns entschieden, die bestehende Entwicklung von Codesys-Safety einem Redesign zu unterwerfen. Damit erreichen wir eine bessere Integration in Standard-Codesys sowie eine deutlich verbesserte Wartbarkeit. Außerdem ist die Safety-Lösung aufgrund der Umstellung jetzt plattformunabhängig. Das heißt, Gerätehersteller können diese wie alle Codesys-Laufzeitsysteme relativ einfach auf unterschiedliche CPUs und Plattformen ohne beziehungsweise mit sicheren Betriebssystemen portieren. Hier in Nürnberg zeigen wir die geänderte Version mit voller Funktionalität. Die Zertifizierung nach dem neuen Konzept wird bis Ende 2011 erfolgen.
Sie haben im Jahr 2006 die erste Version von Codesys V3 freigegeben. Wie hat sich seither das Verhältnis verkaufter 2.x-Lizenzen zu 3.x-Lizenzen entwickelt?
Hess: Für neue Steuerungen führt mittlerweile kein Weg mehr an der Version 3 vorbei und nahezu alle unserer wichtigen OEM-Kunden bereiten neue Produkte mit Codesys V3 vor. Zudem konnten wir aufgrund der neuen Möglichkeiten, die sich mit V3 ergeben, in letzter Zeit auch interessante Neukunden gewinnen – zum Beispiel Hitachi oder Schneider Electric. Aber um Zahlen zu nennen: Etwa ein Viertel aller verkauften Lizenzen sind bereits V3-Lizenzen.
Welche Themen stehen nach der Fertigstellung von der Version 3 auf der Entwicklungs-Roadmap von 3S?
Hess: Unser oberstes Anliegen ist nach wie vor, die Arbeit mit dem Tool zu vereinfachen und zu beschleunigen – sprich die Usability zu verbessern. Hier sehen wir zwei unterschiedliche Zielrichtungen: Zum einen erwarten Applikationsprogrammierer zunehmend unterstützende Funktionen, wie sie in der IT-Welt eingeführt sind. Wir denken dabei an neue Komponenten wie UML, um die Möglichkeiten der Objektorientierung besser ausnützen zu können, oder Funktionen zur Code-Analyse wie Profiler oder LINT. Alle neuen Komponenten sollen nahtlos in Codesys integriert werden.
Mindestens genauso wichtig ist die Forderung der Anwender, Serienmaschinen viel einfacher als bisher konfektionieren zu können. Dafür entwickeln wir gerade an einer maßgeschneiderten Lösung, bestehend aus einem Applikationskonfigurator und einem Satz von Standardbausteinen zur effizienten Erzeugung von Anwendungen. Eine Vorschau auf beide Zielrichtungen zeigen wir bereits auf der SPS/IPC/Drives, im nächsten Jahr wollen wir mit Beta-Kunden in erste Feldtests gehen.
Zur Messe hat 3S auch das neue ‚Device Directory’ freigeschaltet. Was hat es damit auf sich?
Hess: Viele Anwender kontaktieren uns, um Unterstützung bei der Auswahl von passenden Geräten für die jeweilige Steuerungsaufgabe zu erhalten. Das neue Geräteverzeichnis ist eine Antwort auf dieses Anliegen: Es soll einerseits einen Überblick über die mit Codesys programmierbaren Steuerungen geben. Andererseits kann der Anwender eine Vorauswahl für die in Frage kommenden Geräte treffen, indem er Filter auf deren technische Eigenschaften setzt. Zudem kann er die ausgewählten Geräte gegenüberstellen sowie direkt auf die beim Hersteller hinterlegten Zusatzinformationen zugreifen. Derzeit sind knapp 400 Geräte im Verzeichnis, wobei wir davon ausgehen, dass das bis jetzt nur ein Bruchteil aller verfügbaren Geräte ist.










