Simatic Steuerungen

Meinrad Happacher,

Umrüsten von S5 auf S7

Zentis plant, bis Ende 2012 das Werk Aachen komplett von S5- auf S7-Steuerungen umzurüsten. Die ersten Steuerungen sind inzwischen ausgetauscht - ein Erfahrungsbericht.

© Vipa

Frank Cüpper: „Mit der Anschaltung haben wir einen Lösungsweg gefunden, für den es in dieser Form am Markt keine Alternative gibt.“

Tag für Tag laufen die Anlagen im Zentis-Werk in Aachen rund um die Uhr. Bei dem größten fruchtverarbeitenden Betrieb Europas ist überwiegend Steuerungstechnik aus der Simatic-S5-Reihe im Einsatz.

„Etwa 75 bis 80 % der Anlagen laufen noch mit S5-Steuerungen, vorwiegend S5-155U", erläutert Frank Cüpper, Leiter der Abteilung Elektro-Engineering im Werk Aachen. Zukünftige Anforderungen an die Produktionsanlagen können diese Steuerungen nicht mehr erfüllen. Daher plant Zentis, bis Ende 2012 das Werk Aachen komplett auf S7-Steuerungen umzustellen. Ein Investitionsvolumen im zweistelligen Millionenbereich wäre erforderlich, um alle Anlagen komplett umzurüsten. Ein großer Teil der Kosten würde hierbei auf den Austausch der digitalen und analogen Peripheriebaugruppen entfallen. Neben den eigentlichen Hardwarekosten ist hier vor allem der Aufwand für Montage, Verdrahtung und Dokumentation zu berücksichtigen. Hinzu kommen Stillstandzeiten und damit verbundene Produktionsausfälle.

Die Peripherie bleibt unberührt

Kosten sparende Umrüstung: Die vorhandenen S5-Baugruppen werden mit Hilfe der IM306DP über Profi bus-DP an die übergeordnete S7-Steuerung angekoppelt.

Da ein Austausch der Peripherie aus technischer Sicht nicht erforderlich ist, suchte Zentis nach einer Lösung, um die erforderlichen Umbaumaßnahmen möglichst einfach - ohne Austausch der Peripherie - durchführen zu können.

„Die Vipa-Anschaltung IM306DP ist genau die Lösung, die wir gesucht haben", gibt Frank Cüpper an. Die vorhandenen digitalen und analogen S5- Baugruppen können beibehalten und mit Hilfe der IM306DP über Profibus DP an die übergeordnete Steuerung angekoppelt werden. Dadurch entfällt auch der immense Aufwand für Montage, Neuverdrahtung und Dokumentation. Mittels der Lösung lassen sich bei Zentis die Kosten für die erforderlichen Maßnahmen um mehr als 85 % reduzieren, schätzt Cüpper.

Hinzu kommt, dass sich die Umbaumaßnahmen deutlich schneller durchführen und Stillstandzeiten somit minimieren lassen. In der Regel reicht jetzt ein Wochenende für den Umbau einer Linie aus: Die S7-Steuerungsebene wird komplett vorbereitet, beim eigentlichen Umbau werden nur noch die S5-CPU und die IM-Anschaltungen aus den Racks entfernt und stattdessen die IM306DP gesteckt.

Dass die Ankopplung über Profibus- DP erfolgt, ist für Zentis ein weiterer großer Vorteil dieser Lösung: Eine Erweiterung der I/O-Ebene kann jederzeit problemlos durch Ankopplung weiterer Profibus-Stationen erfolgen. Anlagen-Erweiterungen sind dadurch genauso einfach wie ein eventuell erforderlicher Austausch defekter S5-Racks. Standard-S5-I/OModule der 115er- und 135/155er-Serien sind zudem weiterhin bei Vipa erhältlich. Notfalls lassen sich auch die S5-Baugruppen schnell und komfortabel durch neue I/O-Module am Profibus ersetzen. „Die bereits mit Vipa umgebauten Anlagen laufen problemlos, die Baugruppe wird auch bei weiteren Umbauten zum Einsatz kommen", äußert sich Frank Cüpper abschließend zufrieden.

Anzeige

Alternative Lösung mit Step7-fähiger CPU

Zur gezeigten Lösung gibt es Alternativen: Bei der Umrüstung von Anlagen lässt sich die alte S5-CPU auch durch eine STEP7-fähige Vipa-CPU ersetzen. Mit den CPUs des Systems 300S hat Vipa nach eigenen Angaben das weltweit schnellste mit Step7 programmierbare Steuerungssystem am Markt. Es sind bis zu 10 000 Anweisungen pro ms möglich. Von Vorteil ist die vielen Anwendern bekannte Bauform der S7/300 von Siemens, die zusammen mit der weitgehenden Step7-Kompatibilität einen Umstieg auf die Vipa-Speed7-Technologie erleichtert.

Das bestehende Step7-Programm kann bis auf wenige Anpassungen im Simatic-Manager weiter verwendet werden. Allen Vipa-Speed7-CPUs gemeinsam ist ein flexibles Speichermanagement. Der Speicher für Programm und Daten ist in den CPUs bereits integriert, sodass der Betrieb der CPUs auch ohne zusätzliche Speicherkonfigurationskarte möglich ist. Ein Ausbau des Speichers ist mit Hilfe der MCC-Speichererweiterungskarte möglich, je nach CPU-Variante bis auf 8 MByte. Ein Austausch der CPU ist dabei nicht notwendig.

„Imitator war gestern" - Vipa-Chef Wolfgang Seel im Interview

Vipa - ein Unternehmen, das in 25 Jahren Firmengeschichte vor allem als Imitator der Siemens-Steuerungen bekannt wurde. Wie Firmenchef Wolfgang Seel nicht nur das Image, sondern auch die technologische Ausrichtung des Unternehmens verändert hat und in Zukunft weiterhin verändern will, erläutert er im Interview.

 

Wolfgang Seel: „Wir wollen unter die Top-5-Anbieter der Steuerungstechnik.“

Herr Seel, Vipa gilt als Imitator von Siemens-Produkten - von der gleichen Optik bis hin zur Produktbezeichnung!

Seel: Das Imitator-Image entstand in einer Phase, in der wir uns stark auf rein kompatible Baugruppen fokussierten. - Das war in den Jahren 1997 bis 2002. Ich bin aber der Meinung, dieses Image haben wir schon lange abgelegt. Denn eine reine Me-too-Strategie ist langfristig gesehen nicht erfolgreich. Das heißt, wir versuchen schon seit den S5-Zeiten mit unseren Technologien Lösungen anzubieten, die Siemens in dieser Form nicht hat. Wobei wir uns nach wie vor zugegebenermaßen mit der teilweisen Bauformgleichheit und der Softwarekompatibilität in die Siemens-Familie einreihen.

Wie kamen Sie auf die Idee, eigene Baugruppen und dann ganze Steuerungssysteme zu bauen?

Seel: Die ursprüngliche Geschäftsidee von Vipa basiert auf der eines klassischen Systemintegrators. Im Laufe der Jahre entwickelten wir uns vom Engineering im Siemens-Umfeld zum Hersteller eigener Komponenten. Dieser Schritt wurde notwendig, weil damals wichtige Produkteigenschaften einfach fehlten, wie etwa eine Echtzeituhr oder flexible Kommunikationsmöglichkeiten. Wir entwickelten damals den ersten Inrack-PC, serielle Kommunikationsprozessoren und TCP/IP-Anschaltungen für eine Simatic-S5. In der weiteren Folge entwickelten sich daraus komplette Steuerungssysteme, basierend auf der Siemens-Programmieroberfläche.

Wie würden Sie die Beziehung zu Siemens definieren?

Seel: Da hat sich vieles verändert! Vor ziemlich genau zehn Jahren wurden wir von einer Klagewelle seitens Siemens überschwemmt. Ich glaube, es waren 21 Klagen. Davon waren sieben relevant, auf die wir uns konzentriert haben. Alle Klagen wurden zu unserer Zufriedenheit entschieden. Ein letztes Verfahren aus dieser Zeit ist noch anhängig, eine Entscheidung hierzu wird erst 2012 erwartet. Für unser Geschäft und unsere Weiterentwicklung ist dies jedoch ohne Relevanz. Insbesondere in den letzten Jahren hat sich das Verhältnis zu Siemens allerdings normalisiert und wir werden heute als ernsthafter Wettbewerber wahrgenommen.

Wie sieht das Unternehmen Vipa der Zukunft aus?

Seel: In den letzten Jahren haben wir uns ganz gezielt weg vom Komponenten- und hin zum Systemlieferanten entwickelt. Diesen Weg werden wir konsequent weiter erfolgen. Klar, in erster Linie verkaufen wir heute weltweit mehr als 30.000 Steuerungen im Jahr, die Hälfte davon ins Ausland. Wir denken aber auch über neue, modernere und anwenderfreundlichere Softwareplattformen und Alternativlösungen nach, in welchen sich der Step7-Anwender wiederfindet und in die sich bereits existierende Programme leicht importieren und weiter verwenden lassen. Somit wird sich Vipa zukünftig als Komplettanbieter eindeutig eigenständiger positionieren, ohne dabei das Geschäftsmodell der Siemens-Kompatibilität komplett zu verlassen. 

Auf dem Weg zum Systemlieferanten - heißt das auch, in Bereiche wie etwa in das Drives- oder Safety-Segment zu expandieren?

Seel: Rund um unsere Kernkompetenz „Control" sind wir dabei, das Produktportfolio zu vervollständigen. Dazu gehört natürlich auch das Thema „Safety". Konkret werden wir auf der SPS/IPC/Drives die ersten Safety-I/OModule und im nächsten Jahr einen auf Step-7-basierenden Safety-Controller präsentieren. In puncto „Drives" kooperieren wir sehr eng mit namhaften Antriebsherstellern. Gemeinsam werden komplexe und individuelle Kunden- und Projekt-Lösungen entwickelt.

Wie sieht Ihre Firmen-Vision aus?

Seel: Wir wollen uns im Markt der Automatisierungstechnik weltweit als einer der Top 5 positionieren. Sprich, wir wollen mitspielen in der Liga der Anbieter wie Siemens, Rockwell Automation, Mitsubishi und Schneider Electric und uns in unserem Bereich als Technologieführer etablieren. Das soll nicht nur eine Vision bleiben! Deshalb arbeiten wir momentan an der Umsetzung der Unternehmensstrategie „Vipa 2020". Einen ersten Meilenstein von Vipa 2020 haben wir im Juli dieses Jahres mit der Zertifi zierung nach ISO 9001/2008 abgeschlossen. Nächste wichtige strategische Ziele sind jetzt die weitere Internationalisierung, die Erschließung neuer Marktsegmente und die stetigen Ergänzungen unseres Produktportfolios auf Basis der Speed7-Technologie. Somit werden wir im Jahr 2011 Speed7-Steuerungen auch im Segment der Klein- und Mikro-Steuerungen im Markt einführen.

Welche Umsatzziele gehen mit Ihrer Vision einher?

Seel: Wir wollen mittelfristig 150 000 Steuerungen pro Jahr verkaufen. Das bisherige Wachstum der letzten Jahre von rund 20 % pro Jahr vorausgesetzt, werden wir nur im Steuerungsbereich einen Umsatz von 150 bis 200 Mio. Euro im Jahr 2020 anstreben. 

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Grossenbacher Systeme

Embedded KI als Servicetechniker

Teure Ausfallzeiten und Servicetickets gehören zu den zentralen Herausforderungen eines effizienten Fertigungsbetriebs. Embedded KI kann dazu beitragen, Kosten zu senken und die "Overall Operating Effectiveness (OEE)" zu verbessern, indem sie im...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren