Maschinen- und Anlagenbau
Studie: Sechs Thesen zur Bewältigung der Rezession
Die internationale Managementberatung Oliver Wyman hat im Zeitraum März/April 50 ausgewählte Vorstände und Geschäftsführer aus der Industrie zur Einschätzung der gegenwärtigen Krise befragt und die Ergebnisse zu sechs Rezessionsthesen verdichtet.
Die weltweite Rezession hat den Maschinen- und Anlagenbau voll im Griff. „Die Stimmung in der Industrie ist derzeit deutlich schlechter als noch vor einigen Monaten, als wir kurz nach Ausbruch der Krise eine ähnliche Befragung durchgeführt haben", so Lutz Jäde, Partner und Restrukturierungsexperte von Oliver Wyman. Die Aussagen der befragten Manager lassen sich in sechs Thesen zur Rezession und ihrer Bewältigung zusammenfassen.
1. Volles Ausmaß der Krise wird erst im zweiten Halbjahr 2009 sichtbar
Der deutsche Maschinenbau verzeichnete im Mai 2009 einen Auftragseinbruch von fast 50 % gegenüber dem Vorjahresmonat, einzelne Segmente wie Zulieferer für die Nutzfahrzeugbranche sogar von mehr als 80 %. Dieser Absturz wirkt sich aufgrund der typischen Auftragszyklen der Branche verzögert auf Umsätze und Produktionsvolumina aus. Da der Zahlungseingang typischerweise nach 70 bis 80 Tagen erfolgt, wird der Rückgang im Volumen erst im zweiten Halbjahr 2009 voll auf die Liquidität durchschlagen.
2. Die Krise dauert länger als erwartet
Die aktuelle Rezession steht unter ähnlichen Vorzeichen wie die Krise im deutschen Maschinenbau zu Beginn der 90er Jahre. Damals folgte auf Jahre kräftigen Wachstums abrupt ein starker Einbruch. Das Produktionsvolumen war zwei Jahre lang rückläufig. Erst nach fünf Jahren wurde das Niveau der Vorjahre wieder erreicht. Übertragen auf die aktuelle Krise bedeutet dies, dass die Märkte im Maschinen- und Anlagenbau bis 2010 rückläufig sein werden. Entsprechend erwarten fast 40 % der befragten Manager das Ende der Rezession erst für 2011 oder später.
3. Der Markt bleibt mittelfristig um 20 bis 30 % kleiner als im Jahr 2008
Im Rekordjahr 2008 lag die Produktion im deutschen Maschinenbau im Durchschnitt rund 30 % über dem langfristigen Trend. Fast alle Marktbeobachter rechnen nach dem starken Abschwung mit einer nur langsamen Erholung und Rückkehr zum historischen Trend. Das Marktvolumen wird in diesem Szenario mittelfristig etwa um 20 bis 30 % kleiner sein als 2008. „Unternehmen müssen sich auf ein nachhaltig reduziertes Marktvolumen einstellen und ihre Strukturen und Kapazitäten entsprechend anpassen", so Berater Jäde.
These 4 bis 6 der Wyman-Studie
Mit Hilfe einer gezielten Rezessionsagenda aus der Krise – lautet der Ratschlag von Berater Lutz Jäde an die Unternehmen.
4. Radikale Strukturanpassungen sind jetzt notwendig
Vor diesem Hintergrund agieren die meisten Unternehmen noch viel zu defensiv und mit oft zu kurzfristigen Maßnahmen wie Kurzarbeit und Auflösung von Leiharbeitsverträgen. Dies wird jedoch nicht ausreichen. Zusätzliche strukturelle Veränderungen wie eine Anpassung der Standortstruktur und die Reduktion der Fixkosten um 20 bis 30 % sind notwendig, um bei geringeren Umsätzen weiterhin einen positiven Cashflow zu erwirtschaften. Als ihre wichtigste Herausforderung auf der Kostenseite bezeichnen die im Rahmen der Studie befragten Manager einen zu großen Overhead und Überkapazitäten. Insbesondere stark fremdfinanzierte Unternehmen sind ohne Strukturanpassungen kaum überlebensfähig.
5. Die Krise bietet finanzstarken Unternehmen zahlreiche Chancen
Für die befragten Manager sind die größten Chancen in der Krise das Durchsetzen von gravierenden Veränderungen, der Gewinn von Marktanteilen durch antizyklische Investitionen, das Ausscheiden von Wettbewerbern oder auch die Senkung von Einkaufskosten. Unternehmen mit hoher Finanzkraft und guter Bonität haben jetzt die einmalige Gelegenheit, ihre strategische Position durch Akquisitionen weiter auszubauen, da die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einer deutlichen Abwertung von Unternehmen geführt hat. In den Schwellenländern sind die Bewertungen um rund zwei Drittel gesunken und zahlreiche Player suchen derzeit aktiv nach Partnern aus westlichen Industrienationen. Aber auch in den etablierten Märkten gibt es mehr Möglichkeiten, günstig zu akquirieren. Unternehmen, die aufgrund von Finanzierungsproblemen zum Verkauf stehen, sind zum Teil für die Hälfte ihres normalen Werts zu erwerben.
6. Deutsche Unternehmen sind gut positioniert
Die meisten Unternehmen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind gut für die Krise gerüstet. Im Jahr 2008 verfügte beispielsweise die Mehrzahl der Unternehmen über eine Eigenkapitalausstattung von mehr als 30 % und eine EBIT-Rendite von über fünf Prozent. Zudem konnten viele Unternehmen in den letzten Jahren ihre Flexibilität verbessern und eine führende Position im internationalen Wettbewerb erreichen. „Mithilfe einer gezielten Rezessionsagenda können rund 40 % der Unternehmen durch ihre gute Eigenkapitalposition und ihre hohe Ertragskraft vor der Krise zu den Gewinnern zählen", prognostiziert Experte Jäde. „Umgekehrt werden zirka 15 % der Unternehmen aufgrund hoher Schulden und nicht gelöster Profitabilitätsprobleme ums Überleben kämpfen müssen."












