Werkzeugmaschinenbau

Jan Bihn,

Positive Auftragsentwicklung

Im zweiten Quartal 2010 stieg der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenhersteller um 71 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Trotzdem bleibt der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V.) bei einer negativen Umsatzprognose für das Gesamtjahr.

© Bosch Rexroth AG

Während sich der Auftragseingang bereits kräftig erholt, zeichnet sich beim Umsatz die Trendwende erst ab. Im ersten Halbjahr 2010 sank der Umsatz um 19 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

© VDW

„Auf den steilsten Absturz in der Geschichte der Werkzeugmaschinenindustrie folgen nun die höchsten Zuwachsraten seit den frühen 70er Jahren", kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, die neuen Auftragszahlen. Besonders erfreulich wertet er den Zuwachs von 81 % bei der Inlandsnachfrage im zweiten Quartal. Dies zeige, dass die Produktion in weiten Teilen der deutschen Industrie wieder Tritt gefasst habe.

Auch andere Kennzahlen weisen nach oben. Die Kapazitätsauslastung der Werkzeugmaschinenhersteller ist vom Tiefstand Mitte des vergangenen Jahres (66 %) auf 76 % im Juni dieses Jahres geklettert. Der Auftragsbestand hat sich seit seinem Tiefstand von 5,6 Monaten im Oktober 2009 auf 6,9 Monate im Juni erholt. Ende des ersten Halbjahres beschäftigte die Branche rund 63.800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Das entspricht einem Rückgang von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den letzten Monaten ist jedoch eine Stabilisierung erkennbar.

VDW-Geschäftsführer Schäfer plädiert trotz positiver Anzeichen für Nüchternheit in der Lagebeurteilung. Nach wie vor gebe es Unsicherheiten, wie die Rückschläge im US-Markt, die erwartete Wachstumsverlangsamung in China und Risiken im Finanzmarkt. Außerdem sprächen drei Aspekte dafür, dass trotz des verbesserten Umfeldes über das Jahr ein Minus im Umsatz bleibt. Zum einen seien die Auftragspolster in den Unternehmen nach wie vor dünn. Die hohen Zuwachsraten resultierten außerdem auch daher, dass das Bestellvolumen im ersten Halbjahr 2009 ein Minus von 66 % aufwies. Sprich: Die Vergleichbasis ist schwach.

Und schließlich stelle sich die Frage, wie schnell sich der vorhandene Auftragseingang im Umsatz widerspiegelt. Universalmaschinenhersteller konnten meist ihre Komponentenlager füllen, sind schnell lieferfähig und können im laufenden Jahr noch Umsatz erzielen. Die Mehrzahl der Sonderanlagenhersteller hingegen benötige längere Durchlaufzeiten. Bei ihnen würde sich die Kasse erst im kommenden Jahr wieder füllen. „Die VDW-Prognose zum Umsatzrückgang von zwölf Prozent bleibt bestehen", bestätigt Schäfer.

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