CNC-Steuerungen
EMO 2009: Siemens kündigt neue Sinumerik-Baureihe an
Anfang Oktober findet in Mailand die EMO 2009 statt. Im Vorfeld dieses Messe-Höhepunktes der Werkzeugmaschinen-Branche hat Siemens eine Reihe neuer Produkte angekündigt – angefangen bei Motoren, über die CNC-Bedienung bis hin zu einer neuen CNC-Steuerung in der „Kompaktklasse“, die zwischen dem bisherigen Einstiegsmodell 802D und der High-end-CNC 840D angesiedelt ist.
Die Vorzeichen für die diesjährige EMO sind alles andere als rosig. Dessen ist sich Uwe Frank, CEO der Business-Unit Motion Control Systems von Siemens, durchaus bewusst. So werde der aktuell schrumpfende Markt wird kurz- oder mittelfristig zwangsläufig zu einem Verdrängungswettbewerb im internationalen Maschinenbau führen. Die deutschen Hersteller sieht Frank hier in einer guten Ausgangsposition, denn: „Allein über den Preis ist der Kampf um die verbleibenden Investitionsbudgets nicht zu gewinnen.
Die wichtigste Waffe ist vielmehr der Know-how-Vorsprung". Und an dem fehle es hierzulande kaum: „Technologisch und strategisch haben die meisten europäischen Maschinenbauunternehmen in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht. Und so können sie gerade in diesen Zeiten mit funktional und technologisch überlegenen Lösungen punkten, die neben hoher Produktivität auch niedrige Life-Cycle-Costs und damit und minimierte Total-Costs-of- Ownership erwarten lassen", so Frank.
In der Rolle des Automatisierungstechnik-Ausrüsters will Siemens seinen Teil dazu beitragen, dass der Werkzeugmaschinenbau gestärkt aus der Krise hervorgeht, und wartet diesbezüglich zur EMO mit diversen Neuheiten auf:
Mit dem breiten Leistungsbereich, dem Drehzahlbereich von bis zu 20000 U/min und dem Baukastenprinzip eignet sich die 1PH8-Motorenreihe als Standardantrieb für die konventionelle Werkzeugmaschinen-spindel.
Eine davon ist die neue Motorenreihe 1PH8. Die Motoren sind als Hauptantriebe konzipiert und sowohl in Asynchron- als auch in Synchronausführung verfügbar. Neben einer verbesserten Rundlauf- und Schwinggüte als Grundlage für einen exakten Betrieb der Werkzeugmaschinenspindel hat Siemens das Leistungsspektrum gegenüber den Vorgängervarianten 1PH7, 1PH4, 1PM6 und 1PM4 erweitert; die Motoren gibt es mit Leistungen von 2,8 kW bis 1340 kW. Für Anwendungen, bei denen besonders hohe Kompaktheit im Vordergrund steht, sind 1PH8-Motoren auch in Synchronausführung einsetzbar. Mit dem 1FN6 hat Siemens darüber hinaus einen Linearmotor ohne Magneten im Sekundärteil entwickelt.
Das Primärteil hat innenliegende Wicklungen und Magnete, ist selbstkühlend ausgelegt und verfügt über getrennte Steckanschlüsse für konfektionierte Signal- und Leistungskabel. Nicht zuletzt wurde die bisherige Servomotorenreihe 1FK7 um eine High-Inertia Variante ergänzt. Das erhöhte Eigenträgheitsmoment verleiht ihnen nach Aussage von Uwe Häberer, Leiter des Geschäftsfeldes Werkzeugmaschinen bei Siemens, ein äußerst robustes Regelverhalten, so dass sie sich besonders für Anwendungen mit hohen und variablen Lastträgheiten eignen.
Bedienoberfläche grundlegend überarbeitet
Als ein Highlight dem Gebiet der CNC-Steuerungen zeigt Siemens in Mailand die gesamte Sinumerik-Systemplattform mit einer grundlegend überarbeiteten, durchgängigen Bedienoberfläche. Hierzu wurden die bisherigen Oberflächen HMI Advanced, ShopMill und ShopTurn unter einem Dach vereint und mit einer Vielzahl neuer Funktionen ausgestattet. Dies ermöglicht die Verbindung von Arbeitsschrittprogrammierung und Hochsprachenprogrammierung unter einer Systemoberfläche - und dies im modernen Windows-Style sowie unter Verwendung grafisch animierter Bilder.
Als weitere Innovation in punkto Bedienoberfläche nennt Häberer die Komplettbearbeitung mit der CNC-Systemplattform Sinumerik. Sie hat sämtliche Funktionalitäten für die Bearbeitung von Bauteilen auf einem Bearbeitungszentrum „im Bauch" - auch in Wechsel zwischen unterschiedlichen Technologien wie Dreh-Fräsen und Fräs-Drehen.
Auch unter der sichtbaren Oberfläche bietet die CNC-Software Neues: etwa die intelligente Bewegungsführung beim Fräsen, welche im Rahmen der EMO erstmals zu sehen sein wird. Ein optimierter "lookahead" trägt hierbei zu höherer Genauigkeit und gesteigerter Geschwindigkeit bei. Der ebenfalls durchoptimierte Kompressor sorgt für exakte Konturgenauigkeit und eine intelligente Ruckbegrenzung schont zugleich die Mechanik der Maschine. Last but not least setzen auch eine neue Momentenvorsteuerung sowie die ProgramSYNC-Funktion, die nun beschleunigungsabhängig reagiert, auf der neuen Bewegungsführung auf und verbessern so die Bearbeitungsqualität in kritischen Fertigungssituationen.
Technologiepakete für 3- und 5-Achs-Fräsmaschinen
Mehr als nur die reine Software beinhaltet das neue Technologiepaket MDynamics für Fräsanwendungen, welches auf der EMO ebenfalls Premiere hat. Es bündelt die CNC-Hardware, intelligente CNC-Funktionen und die durchgängige CAD/CAM/CNC-Prozesskette für Branchen mit sehr hohen Anforderungen an Oberflächengüte, Präzision und Bearbeitungsgeschwindigkeit. Mit MDynamics zielt Siemens insbesondere auf für Applikationen im Automobil- und Flugzeugbau, in der Energie- und Medizintechnik, der Werkstattfertigung und im Werkzeug- und Formenbau. Das Paket wird es in zwei Varianten geben: eine für 3-Achs-, und eine andere für 5-Achs-Fräsmaschinen.
Das 3-Achs-Technologiepaket für die Sinumerik 840D sl umfasst zum Beispiel neben der optimierten Bewegungsführung auch Funktionen für das Einrichten, wie etwa die neue Werkzeug- und Programmverwaltung. Das Programmieren von Werkstücken wird durch neue Funktionen und das ShopMill-Arbeitsschritt-Modul vereinfacht. Technologiezyklen, Automatikmesszyklen, die 3D-Simulation zur Unterstützung bei Programmierung und Angebotskalkulation sowie High-Speed-Cutting-Funktionen sind ebenfalls integriert. Neue HMI-Funktionen, einfaches Daten- und Programmhandling mit zusätzlichem CF-Card-Speicher, die Spline-Interpolation sowie die Werkstücksimulation für Mehrseitenbearbeitung runden das Paket ab.
Das 5-Achs-Paket ist ergänzt um die automatische Restmaterialerkennung und den Kinematikmesszyklus Cycle996. Auch die 3D-Radiuskompensation und die erweiterten 5-Achs-Funktionalitäten wie die integrierte Programmierung TRAORI (Kinematik Transformation Tool Center Point) sind im Fräspaket enthalten. Ebenfalls integriert ist der neue HighSpeed-Setting-Cycle832 sowie der Zyklus für Trochoidal- oder Tauchbohrfräsen.
Die CNC für den Midrange-Bereich
Blicken trotz Krise optimistisch auf die bevorstehende EMO: Uwe Häberer (links), Leiter Geschäftsfeld Werkzeugmaschinen, und Uwe Frank, CEO Business Unit Motion Control Systems bei Siemens.
Weit weniger Details, als zu den bisher genannten Neuheiten, gibt Siemens bis dato über die angekündigten Neuzugänge in der Sinumerik-Familie preis. Nur soviel: Sie werden sowohl preislich als auch leistungstechnisch zwischen der bisherigen Einstiegsklasse 802 D für Standardmaschinen und der High-end-CNC 840 D angesiedelt sein. Die neue CNC-Generation wir aus zwei Varianten bestehen - eine für das Drehen, eine für das Fräsen - und als Komplettpaket, bestehend aus Steuerung, Umrichter und Motor, angeboten.
Laut Uwe Häberer will Siemens damit künftig vor allem im Midrange-Bereich beziehungsweise Job-Shop-Umfeld eine gewichtigere Rolle spielen - oder wie der Leiter des Geschäftsfeldes Werkzeugmaschinen es salopp ausdrückt: „Mit der neuen CNC definieren wir einen neuen Standard in der ‚Golf-Klasse'". Mit Details will Siemens Anfang August an die Öffentlichkeit gehen.












