Chinas 12. Fünf-Jahres-Plan
Die Auswirkungen auf den deutschen Maschinenbau
Die Impuls-Stiftung des VDMA hat am 11. Juli eine Studie veröffentlicht, die von der Droege Group China durchgeführt wurde. Sie geht der Frage nach, welche Chancen und Risiken der 12. Fünf-Jahres-Plan Chinas, an dessen Umsetzung und Detaillierung derzeit gearbeitet wird, für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau birgt.
Als der VDMA vor fünf Jahren eine Studie über Chinas Innovationsstrategien vorgestellt hatte, stand das Land noch auf Platz vier der Rangliste der weltgrößten Maschinenbauländer. „Inzwischen ist China mit einem Umsatz von 563 Milliarden Euro mit Abstand der weltweit größte Maschinenproduzent“, so VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner anlässlich der Vorstellung der Studie ‚Implications of the 12th Five-Year-Plan for German Machinery Manufactures‘. In den Jahren 2006 bis 2010 steigerte China das BIP um 115 Prozent. Treiber dieses Wachstums waren maßgeblich staatliche Infrastrukturmaßnahmen, nicht private Investitionen, nicht Innovationen und nicht Konsum.
„Dieses Verhalten hat weltweit zu spürbaren Überkapazitäten in Industrien wie zum Beispiel Stahl und Zement geführt“, berichtet Jörg Nürnberg von der Droege-Group-China, der die Studie im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA durchführte. Ziel Chinas sei es, bis 2015 Maschinen nicht mehr nur im unteren Preissegment anzubieten, sondern auch „State of the art“-Technologie zu liefern. Das würde auch den deutschen Maschinenbau treffen. „Auf dem Weg zu diesem neuen Niveau wird China, wie in der Vergangenheit, Überkapazitäten und landesinternen Wettbewerb schaffen, welcher auf den Weltmärkten für starke Verzerrungen sorgen wird“, betonte Nürnberg. „So ist China mittlerweile der größte Hersteller von Werkzeugmaschinen und hat deshalb seine Exportziele auf vier Milliarden US-Dollar für 2015 fixiert. Das ist acht Mal so viel wie im Jahr 2010.“
Sieben strategische Bereiche werden gefördert
Im Zeitraum bis 2015 wird China der Studie zufolge seine F&E-Investitionen mehr als verdoppeln. Sieben strategische Bereiche sollen mit 1,2 Billionen Euro gefördert werden, um globale Technologieführerschaft zu erreichen: Umweltfreundliche Fahrzeuge, neue Energiequellen, High-End-Equipment, Energieeffizienz, neue Materialien, Bio-Technologie und neue IT. Diese Schlüsselindustrien sollen der Studie zufolge jährlich um 33 Prozent wachsen und China so zur weltweit tragenden Säule machen.
Geplant ist zudem der verstärkte Aufbau nationaler Forschungszentren und der Anteil der F&E-Aufwendungen am Bruttoinlandsprodukt in China soll von 1,5 auf zwei Prozent steigen. Das sind 2015 rund 215 Milliarden Euro, rund dreimal so viel wie Deutschland heute für Forschung und Entwicklung ausgibt. „Die Schlüsselindustrien sollen regional konzentriert werden, zum Beispiel High-End-Equipment in Hunan oder neue Energien in Sichuan“, berichtete Lindner. Auch die Investitionen Chinas im Ausland sollen verstärkt werden, wobei Akquisitionen die bevorzugte Methode sind.
Chancen und Bedrohungen für den deutschen Maschinenbau
„Besonders die Förderung in den Bereichen Zulieferer für die Elektromobilität, Solar- und Windkraftindustrie, Luftfahrt, Hochgeschwindigkeitszüge und intelligente Ausrüstungen für die Produktionstechnik sind von großer Relevanz für den deutschen Maschinenbau“, betonte der VDMA-Präsident. „Für Teilbranchen wie Hütten- und Walzwerkeinrichtungen, Thermoprozesstechnik, Gießereimaschinen, Verfahrenstechnik, Fluidtechnik, Präzisionswerkzeuge, Werkzeugmaschinen oder Formenbau ergeben sich neue Marktpotenziale. Aber es entstehen auch staatlich geförderte mächtige neue Wettbewerber.“
Auf diese veränderten Bedingungen in China und auf dem Weltmarkt müssten sich die deutschen Maschinenbauer einstellen und die eigenen Strategien überprüfen und neu ausrichten. „Das kann sowohl verstärkte Produktion und Entwicklung in China heißen, Nachdenken über neue Kooperationen oder gesteigerte Innovationen, um den chinesischen Wettbewerb auf Distanz zu halten“, sagte Lindner. Im selben Atemzug betonte der VDMA-Präsident, dass es „fair“ zugehen müsse: „Es kann nicht sein, dass einerseits die Zentralregierung Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen massiv fördert, andererseits aber deutsche Unternehmen bei Engagements in China einschränkt“. Dies habe er kürzlich in einem Gespräch mit dem chinesischen Wissenschaftsminister Wan Gang bemängelt. „Wir sollten also die Aktivitäten unserer chinesischen Wettbewerber und der lenkenden Hand von Partei und Regierungsstellen noch genauer beobachten und analysieren, um böse Überraschungen zu vermeiden“, rät Lindner.
Die Studie zum Download
Die unter folgendem Link zum Download verfügbare Studie „Implications of the 12th Five-Year-Plan for German Machinery Manufactures“ gibt den deutschen Maschinenbauern konkrete Hinweise, welche Geschäftsmöglichkeiten sich erschließen, aber auch in welchen Bereichen ausländische Unternehmen oder Importeure in China vor verschlossenen Türen stehen werden.













