CNC-Steuerungen
828D – die neue Sinumerik-Generation von Siemens
Lange hat sich Siemens mit Details zur neuen CNC-Steuerung, die auf der EMO in Mailand erstmals dem breiten Messepublikum präsentiert werden soll, zurückgehalten. Jetzt sind erste Informationen zur neuen 828D verfügbar, mit der die Erlanger ihren Marktanteil im Midrange-Bereich ausbauen wollen.
Über vier Jahre hat Siemens laut Aussage von Uwe Häberer, Leiter des Geschäftsfeldes Werkzeugmaschinen, an der neuen CNC-Steuerung entwickelt. Nach ihrer Erstvorstellung in Mailand soll sie Siemens helfen, den bis dato überschaubaren Marktanteil bei den Kompaktsteuerungen beziehungsweise bei Werkzeugmaschinen für das Job-Shop-Umfeld zu steigern. Preislich und technologisch ist die neue CNC, mit der Siemens insbesondere gegen Anbieter wie Fanuc und Heidenhain antritt, zwischen der bisherigen Einstiegsklasse 802D – der CNC für low-cost- und einfache Standardanwendungen – sowie der High-end-CNC 840D angesiedelt.
Die neue Sinumerik 828D: eine kompakte Einheit aus Bildschirm, CNC-Tastatur und CNC-Elektronik, die es wahlweise im Hoch- oder Querformat gibt
© SiemensDie Sinumerik 828 gibt es in zwei Ausführungen – eine für das Drehen, eine für das Fräsen – und jeweils nur als Komplettpaket inklusive der dazugehörigen Antriebe und Motoren. Durch Verzicht auf Verschleißteile wie Lüfter oder Festplatte ist die Steuerung laut Hersteller völlig wartungsfrei. Auch eine Pufferbatterie ist nicht nötig. Auf der Basis modernster Prozessortechnik und Softwarearchitektur arbeitet die Sinumerik in Kombination mit den Sinamics-Antrieben mit einer Rechengenauigkeit von 80 bit. Damit, so Häberer, „kommen wir in eine bislang unerreichte Dimension was die Präzision in der Bahnführung betrifft“.
Den Worten des Werkzeugmaschinen-Experten zufolge ist die Herstellung von Formenbauwerkstücken von jeher eine der größten Herausforderungen für eine CNC-Steuerung. Die 828D stellt sich dieser mit Advanced Surface – einem besonderen Rechenverfahren zur Verbesserung der Werkstückoberfläche bei gleichzeitig deutlich reduzierter Bearbeitungszeit. Neuartige vorausschauende mathematische Algorithmen berechnen dabei die Bahnbewegungen in Vor- und Rückwärtsrichtung vollkommen identisch. „Somit lassen sich beim reversierenden Abzeilen von Formen spiegelglatte Werkstückoberflächen realisieren“, so Häberer.
Im Grundumfang ist die Kompakt-CNC mit 3 oder 5 Mbyte CNC-Speicher ausgestattet. Sollte dennoch mehr Speicher nötig sein, beispielsweise für große Formenbauprogramme, so lässt sich der Speicher über das Stecken einer CF-Karte in die frontseitige Schnittstelle einfach erweitern. Zur Datenübertragung stehen zusätzlich eine frontseitige USB-Schnittstelle zur Verfügung sowie eine Ethernet-Schnittstelle, über die sich per „RCS-Commander“ die Dateien via Drag & Drop zwischen Notebook und CNC austauschen lassen. Über eine weitere 100Base-T-Ethernet-Schnittstelle ist die CNC zudem ins Firmennetzwerk integrierbar; und dies ohne zusätzliche Software-Protokolle.
828D - auf der EMO an elf Maschinen zu sehen
Uwe Häberer, Leiter Geschäftsfeld Machine Tools: „Mit der neuen 828D werden wir zum Vollsortimenter im Bereich CNC-Steuerungen“.
© Bild: SiemensDie Programmierung der 828D kann entweder in Hochsprache mit der Sinumerik-CNC-Programmiersprache oder auf klassischem per ISO-Dialekt erfolgen. Zudem ist es möglich, beide Programmierarten zu mischen. Ein weiteres nützliches Feature ist der „programGUIDE“. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Sinumerik-CNC-Programmiersprache und der Parametrierung von Technologiezyklen.
Das heißt: Der Anwender braucht lediglich einen vorhandenen Technologiezyklus (Tieflochbohren, Gewindebohren, Kreistasche fräsen, Gewindefräsen, Gravurzyklus, etc.) per Knopfdruck auswählen und dann die gewünschten Parameter eintragen, was letztlich zur Reduzierung der Programmierzeit beiträgt. Mit ShopMill/ShopTurn ist die Sinumerik 828D darüber hinaus mit einem sehr einfachen CNC-Programmeditor ausgestattet. Bearbeitungen wie Bohren, Zentrieren, Einstechen oder Taschenfräsen werden hierbei in Form von Arbeitsschritten dargestellt. Damit sind CNC-Programme – selbst für komplizierte Bearbeitungen – sehr kompakt und einfach lesbar.
Was die Eingabeunterstützung der neuen Steuerung betrifft, hat sich Siemens stark an den Standards der PC-Welt orientiert – Stichwort interaktive Eingabe und animierte Elemente. Zu jedem Eingabefeld der Bedienmasken blendet die 828D automatisch eine Hilfe in Form eines „Cursor-Texts“ ein. Wenn dies nicht genügt, dann stellt die CNC ein komplettes Hilfesystem mit weiteren Details und Grafiken zur Verfügung. Mittels „Easy Message“ ist der Anwender zudem und überall über auf dem Laufenden: Braucht Maschine Nr. 3 in Halle 2 neue Rohteile, oder ist der Fräser von Maschine Nr. 7 in Halle 1 noch im Toleranzbereich? Die CNC teilt ihm den Prozessstatus in Form einer SMS auf das Handy mit.
Auf der EMO wird die neue Sinumerik bereits an elf Maschinen zu sehen sein. Bei acht Pilotkunden ist sie bereits seit rund einem Jahr im Testeinsatz. „Damit ist sichergestellt“, so Häberer, „dass wir in Mailand definitiv eine ‚reife Banane’ präsentieren.“ Der Gesamtmarkt, auf den die neue Steuerung passen könnte, beziffert der CNC-Experte auf rund 120000 Werkzeugmaschinen pro Jahr.
Vor rund 50 Jahren entwickelte Siemens seine erste numerische Maschinensteuerung - ein Blick auf die Sinumerik-Historie.












