Jahrespressekonferenz 2026
Pilz verzahnt Safety und Security
Mit Blick auf die neue Maschinenverordnung richtet Pilz sein Portfolio stärker auf die Verzahnung von Safety und Security aus. Neue Dienstleistungen, die ‚Myzel Lifecycle Platform‘ sowie Lösungen für Identification and Access Management sollen Maschinenbauer und Betreiber bei der Umsetzung künftiger Anforderungen unterstützen.
Safety und Security müssen künftig gemeinsam gedacht werden. Diese Botschaft stellte Automatisierungsspezialist Pilz in den Mittelpunkt seiner internationalen Online Pressekonferenz. Hintergrund sind die bevorstehende Maschinenverordnung, die NIS 2 Richtlinie sowie der ‚Cyber Resilience Act‘, die Security stärker als bislang zu einer Voraussetzung für den Betrieb und den Marktzugang von Maschinen in Europa machen. Thomas Pilz, geschäftsführender Gesellschafter, bezeichnete Security als verbindlichen Bestandteil moderner Maschinensicherheit. Safety und Security seien zwei eigenständige, aber untrennbar miteinander verbundene Dimensionen.
Aus diesem Grund baut Pilz sein Angebot gezielt aus: Neben der Anpassung eigener Produkte an die neuen regulatorischen Anforderungen sollen Maschinenbauer und Betreiber mit Lösungen für Industrial Security sowie neuen Dienstleistungen unterstützt werden. Mitte 2026 will das Unternehmen weltweit die modular aufgebauten Services ‚Security Evaluation of Machinery (SEM)‘ und ‚Security Assessment of Machinery (SAM)‘ einführen. Sie sollen Unternehmen bei der Bewertung von Security Risiken und der Identifikation von Schwachstellen an Maschinen unterstützen.

Sicherheit und Transparenz im Maschinenlebenszyklus
In jeder Phase des Lebenszyklus einer Maschine entstehen spezifische Anforderungen an die Sicherheit und damit an Produktionsleiter, Sicherheitsverantwortliche oder auch das Management. Wichtig für eine transparente und normgerechte Produktion ist die Verbindung von Menschen, Maschinen und Daten.
Ergänzt wird das Portfolio durch ein mehrstufiges Trainingsprogramm für Industrial Security sowie das ‚Identification and Access Management (I.A.M.)‘, das den sicheren und nachvollziehbaren Zugriff auf Maschinen regeln soll. Darüber hinaus setzt Pilz auf cloudbasierte Anwendungen und KI. Herzstück ist die ‚Myzel Lifecycle Platform‘, mit der Maschinen, Prozesse und Personaldaten über den gesamten Lebenszyklus digital verwaltet werden können. Nach Unternehmensangaben entsteht damit ein durchgängiges Sicherheitskonzept von der Planung bis zum Betrieb einer Maschine.
Maschinenverordnung erfordert neue Sicherheitskonzepte
Ein weiterer Schwerpunkt der Pressekonferenz war die Umsetzung der neuen Maschinenverordnung, die ab Januar 2027 gilt. Wie Jürgen Bukowski, Senior Manager Global Services bei Pilz, erläuterte, müssten Hersteller Security künftig bereits bei der Konstruktion berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem Schutz vor Manipulation, geregelte Update Prozesse, digitale Dokumentation sowie Konzepte für Fernzugriffe und Diagnosefunktionen. Wer Safety und Security von Beginn an gemeinsam betrachte, könne die regulatorischen Anforderungen nicht nur erfüllen, sondern sich auch Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Wie sich diese Anforderungen technisch umsetzen lassen, zeigte Andreas Willert anhand des Prinzips ‚Zones and Conduits‘. Sicherheitsrelevante Funktionen sollten konsequent von der Standardautomatisierung getrennt werden, um Angriffsflächen zu reduzieren und gleichzeitig Diagnosefunktionen zu ermöglichen. Grundlage dafür bilden unter anderem die Normen IEC 62443 sowie die derzeit entstehende EN 50742.
In Bezug auf KI im Spannungsfeld Safety und Security erläuterte Thomas Pilz: „Genau das ist das zentrale Thema der funktionalen Sicherheit: Wie stelle ich sicher, dass sich eine KI nicht unkontrolliert weiterentwickelt und dadurch plötzlich Unfälle verursacht? Dieses Thema wird derzeit auch im Leitfaden zur neuen Maschinenverordnung behandelt. Bei Pilz setzen wir KI bereits seit Langem ein, allerdings immer getestet und innerhalb klar definierter Grenzen. So stellen wir sicher, dass das erwartete Verhalten der Sicherheitsfunktion jederzeit gewährleistet ist. KI ist eine Technologie, die beherrscht werden muss. Das Beispiel zeigt deutlich: In der funktionalen Sicherheit darf sich eine KI nicht irren. Deshalb möchte ich abschließend festhalten: Pilz gehört bei der Nutzung von KI zu den Vorreitern. Die von uns eingesetzte KI ist secure. Sie ist sicher.“
Myzel Plattform unterstützt Compliance und Betrieb
Mit der Myzel Lifecycle Platform will Pilz zudem den steigenden Aufwand rund um Compliance digital unterstützen. Die Plattform bündelt Asset Management, Dokumentation, Workflows und Zugriffsverwaltung. Ergänzend präsentierte das Unternehmen KI Funktionen zur Unterstützung der Risikobeurteilung. Die KI analysiert Maschinenbilder und schlägt mögliche Gefährdungen sowie Schutzmaßnahmen vor. Die finale Bewertung erfolgt jedoch weiterhin durch qualifiziertes Fachpersonal. Nach Angaben von Pilz verbleiben sämtliche Daten dabei in der geschützten Kundenumgebung und werden nicht zum Training von KI-Modellen verwendet.
In der anschließenden Fragerunde riet Bukowski Unternehmen, die Vorbereitungen auf die Maschinenverordnung jetzt abzuschließen. Viele Anforderungen ließen sich bereits heute umsetzen, etwa durch getrennte Automatisierungsstrukturen oder klar geregelte Zugriffsrechte. Schulungen und Dienstleistungen könnten den Einstieg zusätzlich erleichtern.
Zur neuen Norm EN 50742 erklärte Andreas Willert, sie werde zwei Umsetzungswege vorsehen. Neben einem spezifischen ‚Safety Related Security Level‘ könne alternativ auf die IEC 62443 aufgebaut werden. Beide Ansätze kombinierten technische und organisatorische Maßnahmen.
Auch Fragen zum Datenschutz der Myzel Lifecycle Platform beantworteten die Referenten. Zugriff auf personenbezogene Daten und Audit Trails erhielten ausschließlich berechtigte Personenkreise. Die KI unterstütze die Risikobeurteilung lediglich, ersetze aber keine fachkundige Bewertung durch qualifiziertes Personal.
Mit dem erweiterten Portfolio positioniert sich Pilz als Anbieter eines ganzheitlichen Sicherheitsansatzes für die industrielle Automation. Ziel ist es, Maschinenhersteller und Betreiber bei der Umsetzung der neuen regulatorischen Anforderungen sowie beim sicheren Betrieb vernetzter Maschinen über deren gesamten Lebenszyklus zu unterstützen.










