Unternehmensorganisation
Risikomanagement wird falsch verstanden
Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und die P3 Ingenieurgesellschaft haben in einer gemeinsamen Studie festgestellt, dass deutsche Industrieunternehmen die Potenziale von Methoden des präventiven Risikomanagements noch nicht effektiv nutzen.
Für die Studie mit dem Titel „Technisches Risikomanagement“ befragten Fraunhofer IPT und P3 produzierende deutsche Unternehmen aus den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrtindustrie, Elektrotechnik, Medizintechnik sowie Lebensmittelindustrie. Die meisten der 180 Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, setzen ihr Risikomanagement (RM) nicht präventiv ein, sondern handeln erst, wenn die Fehler aufgetreten sind. Sie betreiben also allenfalls Krisenmanagement.
Dessen ungeachtet sind mehr als zwei Drittel der Teilnehmer davon überzeugt, dass RM einen großen Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat. Ebenfalls gut zwei Drittel glauben aber auch, dass RM in ihrem Unternehmen nicht richtig umgesetzt wird. „Das Ergebnis bestätigt unsere Erfahrungen aus der Beratungspraxis“, kommentiert Prof. Dr. Thomas Prefi, Geschäftsführer von P3. „Die Unternehmen sind sich durchaus darüber bewusst, dass sie RM brauchen, am Ende fehlt aber oft die Konsequenz, die Zeit oder das Personal, die Methoden effektiv in die Produktionsprozesse zu integrieren.“
Die Herausforderung für Unternehmen bestehe darin, ihr RM so zu gestalten, dass wesentliche Risiken frühzeitig erkannt, gegebenenfalls eingegangen oder mit geringem Aufwand behoben werden. Das haben nach den Ergebnissen der Studie auch viele Unternehmen erkannt. 55 Prozent der Unternehmen bezeichnen die frühzeitige Vermeidung von Produktionsplanung oder Produktfehlern in der Entwicklung als Ziel ihres RM, 57 Prozent messen den Erfolg ihres RM an der Abwesenheit von Fehlern. Dennoch handeln die meisten Unternehmen eher reaktiv, wenn die Fehler aufgetreten sind. Ungefähr 62 Prozent gaben an, dass sie eine Risikoanalyse erst beim Auftreten von Fehlern am Produkt oder Prozess durchführen.
Lücken in der Organisation
Insgesamt 70 Prozent der Unternehmen haben einen eigenen RM-Prozess definiert, der die Abläufe, die Organisation und die Verantwortlichkeiten definiert. Doch die Studie offenbart zugleich, dass die definierten Prozesse nicht konsequent zu Ende geführt werden. So hat etwa nur die Hälfte der Unternehmen festgelegt, wie die identifizierten Risiken unternehmensweit kommuniziert werden. Zu 38,5 Prozent wird es den Mitarbeitern selbst überlassen, ob sie die Risiken im Unternehmen besprechen. In vielen Fällen wird zudem das identifizierte Risiko nicht auseichend kontrolliert. Als Gründe nannten die Unternehmen unter anderem, die Risikokontrolle sei zu aufwändig (rund 55 Prozent) oder der Nutzen sei zu gering (rund 39 Prozent).
Die Organisationslücken setzen sich in der Dokumentation fort. Lediglich 45 Prozent speichern die Risikodaten in einer zentralen unternehmensweiten Datenbank. „Wir beobachten sehr häufig, dass der nachhaltige Nutzen von Risikoanalysen verloren geht, da die Erkenntnisse nicht eindeutig genug festgehalten werden. Wichtiges Know-how zur Absicherung und effizienten Gestaltung zukünftiger Entwicklungsprojekte geht daher verloren,“ meint Prof. Dr. Schmitt.
Die befragten Unternehmen setzen am häufigsten die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) ein, um Risiken zu identifizieren und zu analysieren. Dabei kritisieren jedoch circa 46 Prozent den hohen Aufwand der FMEA und den großen Raum für Interpretationen der Ergebnisse. Die größte Herausforderung bei der Analyse der Risiken besteht darin, die Kosten der Risiken zu berechnen. Lediglich rund 21 Prozent der Befragten gaben an, eine konkrete Kostenberechnung durchzuführen. 64 Prozent schätzen die Kosten nur und rund 28 Prozent bewerten sie gar nicht.
Die vollständige Studie ist zu einem Preis von 199 Euro über Anton Czech ([email protected]) oder Thomas Zentis ([email protected]) zu beziehen.








