Technik & Finanzen

Andrea Gillhuber | Andrea Gillhuber,

Programmiert auf Krypto

Schwache Rendite treibt private Anleger ebenso wie Unternehmen um. Alternativen sind gefragt. Kryptowährung ist die neue Asset-Klasse der Stunde. Welche Kryptowährungen gibt es, was zeichnet sie aus und welche Auswirkungen hat die Alternativwährung auf Industrie 4.0?

© Computer&AUTOMATION

In Zeiten von Nullzinsen oder gar Strafzinsen sind Privat- wie Institutionelle Anleger auf der Suche nach Rendite. Auf dem Girokonto ist bekanntlich nichts mehr zu holen. Auch Unternehmer und Firmen werden inzwischen für hohe Bargeldbestände auf Bankkonten von ihren jeweiligen Instituten mit teils nicht unerheblichen Gebühren belastet. Gleichzeitig droht uns eine signifikante Inflationswelle. Rohstoffe wie Holz, Metalle und Baumaterialien wie Zement werden zu knappen Gütern und deren Preise gehen durch die Decke. Grund dafür sind die gigantischen Konjunkturprogramme dies- und jenseits des Atlantiks, aber auch in Asien. Die synchrone Nachfragebelebung führt zur Verknappung der Güter und folglich zu starken Preisanstiegen. Auch Anleger müssen sich darauf einstellen und ihre Ersparnisse möglichst inflationssicher anlegen.

Krypto-Anlagen schlagen alle anderen Anlagen

Ein Blick auf die Wertentwicklung der letzten zehn Jahre zeigt folgendes Bild: Anlagen in Rentenpapieren konnten im Schnitt um 0,9 % pro Jahr zulegen, die Reallöhne wuchsen im selben Zeitraum in gleicher Höhe. Gold, die Fluchtwährung bei Inflation schlechthin, konnte immerhin um 2,4 % pro Jahr an Wert gewinnen. Deutschlands liebstes Kind, die Anlage in Immobilien, weist ein Zuwachs von 6 % pro Jahr aus. Noch besser entwickelte sich der DAX mit einem jährlichen Anstieg von durchschnittlich 6,5 %. Doch über allem steht die Kryptowährung Bitcoin mit einer jährlichen realen Rendite von 156,8 %. Kryptowährungen scheinen aktuell das Nonplusultra zu sein und wie aus dem Nichts werden innerhalb kürzester Zeit märchenhafte Gewinne erzielt. Immer wieder gibt es solche ‚Boom&Bust‘-Zyklen, bei denen Anlageklassen von euphorischen Anlegern in die Höhe getrieben werden. Erinnert sei an die größte aller Blasen, die Tulpenmanie in den Niederlanden. Sie führte im Jahre 1637 zum ersten und größten Absturz an einer Börse in der Weltgeschichte. Die Eine-Million-Dollar-Frage lautet nun erneut: Ist diesmal alles anders?

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Krypto – Eine neue Asset-Klasse?

Mit dem neuen Smart Crypto Index (ISIN: DE000VQ8SSC7) von Vontobel können Anleger nun weltweit erstmals über ein Indexzertifikat in die 20 wichtigsten Aktien des Krypto-Sektors sowie die fünf bedeutendsten Kryptowährungen investieren. Dabei deckt der Index die gesamte Wertschöpfungskette mit Unternehmen aus den Sektoren der Miner, Chip Designer, Börsen, eCommerce-, Bezahl- und Blockchain-Plattformen, Investment-, Retail-Banken, Broker sowie Asset Manager und Verwahrstellen ab.

© Thomas Rappold

Die renommierte Investmentbank Goldman Sachs überschrieb kürzlich eine Studie zum Thema Kryptowährungen mit dieser Frage und brachte es damit auf den Punkt. Bitcoin, Ether, Litecoin, XRP, die Fantasy-Währung Dogecoin und weitere Hunderte von Währungen bringen es zusammen auf eine Marktkapitalisierung von rund 2 Billionen Dollar. Eine Stange Geld, mit der man auch ein Unternehmen wie Apple – immerhin der gewinnträchtigste Tech-Konzern überhaupt – kaufen könnte. Allein Bitcoin bringt es auf einen Gesamtwert von über eine Billion Dollar. Die Fans von Bitcoin sehen darin eine der wenigen einheitlichen Wertaufbewahrungsmittel der Welt (engl. ‚Store of Value‘). Es ist inzwischen der am weitesten verbreiteten Vermögenswert in der Geschichte außerhalb des Dollars und des Euros; 140 Millionen Menschen besitzen Bitcoins. Im Gegensatz zu Gold ist Bitcoin leicht zu lagern und zu transportieren. Wertaufbewahrungen sind soziale Konstrukte: Sie haben einen Wert, weil wir glauben, dass sie einen haben. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind das ‚Digitale Gold‘ der Generation Z und Y. Nicht ohne Grund betonte der CEO der Consorsbank, einer der größten deutschen Direktbroker, dass jeder dritte Kunde der Bank am Krypto-Handel Interesse bekundet habe. In unserer modernen, globalisierten Gesellschaft, in der ein erheblicher Teil der sozialen Interaktion und des Handels online stattfindet – vor allem bei jüngeren Menschen –, muss es auch digital sein.

Bitcoin ist daher ein plausibles alternatives Wertaufbewahrungsmedium zu Gold und aufgrund seiner breiteren gesellschaftlichen Akzeptanz mit ähnlicher Struktur im Moment der beste Kandidat unter den Kryptowährungen. Nourel Roubini, Wirtschaftsprofessor an der New York Stern School of Business, Bestsellerautor und in der Fachwelt auch als ‚Dr. Doom‘ bekannt, sieht dies ganz anders. Seiner Meinung nach ist es falsch, Kryptos als Währungen zu bezeichnen: „Denn Währungen müssen vier Eigenschaften haben: Sie müssen eine Rechnungseinheit, ein Zahlungsmittel, ein stabiles Wertaufbewahrungsmittel und ein einziges Zahlungsmittel sein. Bitcoin und die meisten anderen Kryptowährungen haben keine dieser Eigenschaften“, so der renommierte Ökonom. Auch handele es sich nicht um Vermögenswerte. Diese zeichneten sich entweder durch einen Cashflow (Dividenden bei Unternehmen oder Zinskupons bei Anleihen) aus oder durch einen Nutzen wie dies bei Rohstoffen wie Öl und Kupfer der Fall sei. Immerhin ist auch Gold ein wichtiger Rohstoff für die Elektronik- und Schmuckindustrie.

Kryptowährungen als strategische digitale Infrastruktur

Die drei stärksten Bewegungen im Krypto-Ökosystem, nämlich Zahlungen, dezentralisierte Finanzen (DeFi) und die Verpackung von Werten in sogenannte Tokens (NFT), werden größtenteils auf Ethereum aufgebaut. Dabei handelt es sich um eine Art programmierbare Währung, die auf der Ethereum-Blockchain aufbaut und mittels der Softwareentwickler digitale Anwendungen in Form sogenannter ‚Smart Contracts‘ schreiben können. Die Blockchain-Technologie verbunden mit dazu programmierbaren Währungen hat das Potenzial, das globale Finanzwesen aber auch den industriellen Sektor nachhaltig zu verändern und zu disruptieren. Der Verkauf digitaler Kunst ist erst der Anfang.

Kontext Industrie 4.0

Thomas Rappold ist Experte für Technologieinvestments, FinTech-Unternehmer und internationaler Bestsellerautor.

© Thomas Rappold

Nachdem Deutschland die erste Halbzeit der Digitalisierung verloren hat, muss es nun seine Stärken im Bereich industrieller Software ausspielen. Dabei bedarf es eines Schulterschlusses der Paradebranchen Automobil und Maschinenbau, die beide vor großen Transformationsprozessen im Bereich der Digitalisierung stehen und durch ihre gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen stark voneinander abhängen. Deutschland hat bei den Themen Blockchain und Kryptowährungen eine exzellente Ausgangsposition: Die Bundesregierung hat die Bedeutung der Blockchain erkannt und einen konkreten Fahrplan mit dem Ziel verabschiedet, die Chancen der Blockchain-Technologie zu nutzen und ihre Potenziale für die digitale Transformation zu mobilisieren.

Zudem steht die deutsche Industrie beim Einsatz von 5G an vorderster Front, bietet der neue Mobilfunkstandard doch mit seinen ultrakurzen Latenzzeiten erstmalig eine echtzeitfähige M2M-Kommunikation, die sich in Kombination mit der Blockchain- und Kryptotechnologie hervorragend für die Etablierung neuer Geschäftsmodelle eignet. Wie die Digitalwirtschaft kann auch der Maschinenbau mittels Kryptowährung neue Erlösmodelle in Richtung flexibler Abonnement- und Pay-Per-Use-Modelle einsetzen.

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