Technik & Finanzen

Thomas Rappold | Andrea Gillhuber,

Digital und nachhaltig – Infrastruktur 4.0 neu gedacht

Die Digitalisierung und Dekarbonisierung unserer Wirtschaft stellt uns vor große Herausforderungen. Die Konsequenz ist, dass Infrastruktur neu gedacht werden muss. Ein Plädoyer für eine Neudefinition des Begriffs ‚Infrastruktur‘.

© vectorfusionart/adobe.stock.com

Innerhalb von zwei Jahren mussten wir uns als moderne Industriegesellschaft auf zwei unvorhersehbare Ereignisse einstellen: mit einer Pandemie und dem Ukraine-Krieg.

Mit der Covid-19-Pandemie mussten wesentliche Teile unseres privaten und berflichen Lebens auf digitale Prozesse und Plattformen umgestellt werden. National wie international gelang dies erstaunlich gut. Homeoffice und Homeschooling wurden zu geflügelten Worten. Dabei wurde deutlich, dass Datenautobahnen auf einmal wichtiger wurden als klassische Autobahnen, Brücken und Flughäfen. Die Investitionen der letzten Jahre und Jahrzehnte in unsere digitale Infrastruktur wie Breitbandglasfasernetze und Mobilfunkmasten haben sich in der Pandemie mehr als ausgezahlt, konnte so das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben durch die Verlagerung in den Digitalbereich aufrechterhalten werden.

Die veränderten Arbeitsformen und der Einsatz der Digitaltechnik hat uns auch vor Augen geführt, dass wir als Gesellschaft in der Lage sind, kurzfristig auf disruptive Ereignisse konsequent zu reagieren und vor allem auch nachhaltig. Auf einmal wurde deutlich, dass der tägliche Pendelverkehr zum Arbeitsplatz und viele Geschäftsreisen nicht zwingend notwendig sind, da Videokonferenzen und moderne Cloud-Kommunikationssoftware ein nahtloses Arbeiten unabhängig vom Arbeitsplatz möglich machen. Inzwischen gehört für eine Mehrheit an Büroarbeitenden das Arbeiten von zu Hause zu einem festen Bestandteil, dass eine stressfreiere Work-Live-Balance im Einklang mit dem Familienleben schafft. Das Stuttgarter Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO kommt in seiner aktuellen Studie „Homeoffice Experience 2.0“ zum Schluss, dass die Produktivität der befragten Mitarbeiter sowohl beim Arbeiten von zu Hause als auch im Büro weiter gestiegen ist.

Politische Rahmenbedingungen und „All Electric Society“

Die Ampel-Koalition hat sich in ihrem Regierungsprogramm ins Stammbuch geschrieben, eine „All-Electric Society“ für Deutschland umzusetzen. Um Klimaneutralität erreichen zu können, ist der Ausbau erneuerbarer Energien alternativlos. Der ZVEI schätzt, dass sich der zukünftige Energiebedarf in Deutschland zu 90 % aus Wind, Wasser, Sonne, Biomasse und Wasserstoff decken und sich der Primär-Energiebedarf bis 2045 um 40 % reduzieren lässt.

In der Vergangenheit wurden allerdings beim Ausbau der erneuerbaren Energien viele Fehler begangen. Die Förderung wurde einseitig auf die Erzeugung erneuerbarer Energien ausgerichtet. Mit der Konsequenz, dass der Zubau in Wind- und Solar-Anlagen unkontrolliert und ohne vorausschauende Systemintegration in intelligente Smart-Grids mit Koppelung von Speichersystemen mündete. Plakativ sind die Beispiele der „Verklappung“ von teuer produziertem Wind- und Solarstrom an Feiertagen ins Ausland zu Discountpreisen, da in Deutschland die Stromabnahme aus der Industrie an diesen Tagen nicht vorhanden ist.

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Intelligente Infrastrukturen schaffen

Die Politik hat erkannt, dass es ohne umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur für digitale und erneuerbare Energien nicht geht. Mit dem 750 Mrd. Euro schweren „Next Generation“-Fonds steht den Ländern der EU nun eine neue Finanzierungsfazilität zur Verfügung, die den Wandel hin zu einem „klimaneutralen, digitaleren und widerstandsfähigeren Europa“ unterstützen soll. US-Präsident Biden will gar mit einem zwei Billionen Dollar schweren Investitionsprogramm die marode Infrastruktur in den USA auf Vordermann bringen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Sanierung von Straßen und Brücken, sondern schwerpunktmäßig die Transformation der USA hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und dem massiven Ausbau erneuerbarer Energien. Anlässlich der „Zeitenwende“-Debatte im deutschen Bundestag gebrauchte der deutsche Finanzminister Christian Lindner gar den Begriff „Freiheitsdividende“ im Zusammenhang notwendiger Investitionen in eine Energiewirtschaft weg von fossilen Brennstoffen.

Mit dem Solactive Digital Infrastructure and Renewable-Index (ISIN: DE000VV1HD38) von Vontobel können Anleger über ein Indexzertifikat in die 20 wichtigsten Aktien führender Unternehmen im Bereich Digitaler Infrastruktur und erneuerbarer Energien Infrastruktur investieren. Dabei deckt der Index die gesamte Wertschöpfungskette mit Unternehmen aus den Sektoren Erzeuger von erneuerbarer Energie, intelligenter Netzbetreiber, elektrische Ladeinfrastruktur, digitale Infrastrukturausrüstung, Betreiber von Mobilfunkmasten, Betreiber von Rechenzentren und Anbieter von digitalen Breitbandnetzen.

© Solactive/Thomas Rappold

In den vergangenen zehn Jahren ist die weltweite Nachfrage nach elektrischer Energie um 33 % gestiegen, bis 2050 dürfte dieser Bedarf um mehr als 50 % weiter steigen. Dabei spielen die Digitalisierung – und die Elektrifizierung vieler Branchen eine entscheidende Rolle – von Rechenzentren über Systeme für erneuerbare Energien bis hin zu Unterhaltungselektronik und Elektrofahrzeugen. Die Elektrifizierung unseres Lebens macht damit die Dekarbonisierung umso dringlicher, also die Erzeugung von Strom aus CO2-freien Quellen. Intelligente Netze sind der Schlüssel für eine nachhaltige Energiewende. Was bisher allerdings fehlt ist eine intelligente Netzsteuerung, eine Art Betriebssystem für den Ökostrom und intelligente Stromspeicher.

Der aktuelle Report „Global Mobile Economy Report 2022“ der Standardisierungsbehörde GSMA kommt zu dem Schluss, dass bisher keine Mobilfunkgeneration so schnell eingeführt wurde wie der neue Mobilfunkstandard 5G. Weltweit sind demnach knapp 200 5G-Mobilfunknetze in 70 Ländern in Betrieb. Die Zahl der Verbindungen soll noch in 2022 die Marke von einer Milliarde überschreiten. Der Netzwerkanbieter Cisco Systems stellt zwischen 2017 und 2022 eine 3,7-fache Steigerung des Internetverkehrs auf 350 Exabytes pro Monat fest. Hinweis: Ein Exabyte entspricht einer Milliarde Gigabyte. Für das Jahr 2023 rechnet Cisco mit 5,3 Milliarden Internetnutzern, die jeweils im Schnitt 3,6 internetfähige Geräte nutzen. Alleine diese Zahlen untermauern die Notwendigkeit des massiven Ausbaus digitaler Infrastruktur.

Verantwortlich dafür, dass die neuen digitalen Arbeitsformen technisch nahezu reibungslos verliefen, war das Cloud-Computing. Immer mehr Rechenleistung und Dienste werden aus der Cloud heraus skalierbar angeboten. Die digitale Infrastruktur besteht zukünftig aus einem intelligenten Zusammenspiel von Edge Computing, 5G/6G, Breitbandkommunikation und Digitalen Datencentern in der Cloud.

Infrastruktur 4.0 aus Anlegersicht

Der Autor: Thomas Rappold ist Experte für Technologieinvestments, FinTech-Unternehmer und internationaler Bestsellerautor.

© I&S Internet & Security

Infrastruktur im Generellen ist ein Wachstumsmarkt. Der aggregierte Infrastruktur-Investitionsbedarf bis 2030 summiert sich auf 49 Billionen Dollar. Der hohe Kapitalbedarf macht deutlich, dass diese Summen nicht alleine von Regierungen gestemmt werden können. Der Finanzindustrie in Form von institutionellen und privaten Anlegern kommt eine große Bedeutung zu. Für Privatanleger in Zeiten volatiler Aktienmärkte und niedriger Verzinsungen bieten innovative Infrastrukturanlagen vier wesentliche Chancen:

  • Partizipation an den Megatrends Digitalisierung und erneuerbare Energien
  • Investieren in nachhaltige Anlageformen
  • Vorteile klassischer Infrastruktur mit Chancen der Wachstumsmärkte kombinieren
  • Profitieren von stabilen Cashflows und Dividenden. 
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