Konjunktur
Jedes dritte Unternehmen will 2026 Stellen abbauen
Die deutsche Wirtschaft hat auch im Jahr 2025 die erhoffte konjunkturelle Wende nicht geschafft. Nach einem kurzen Aufschwung im ersten Quartal ließ das Wachstum in den Folgemonaten wieder deutlich nach. Das zeigt die aktuelle IW-Konjunkturumfrage Herbst 2025, die unter Leitung von Prof. Dr. Michael Grömling am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erstellt wurde.
Hohe Baukosten infolge verteuerter Materialien überlagern die positiven Effekte sinkender Zinsen. Die Industrie leide unter Handelskonflikten, geopolitischen Verwerfungen und einer schwächeren Weltwirtschaft. Hinzu kommen „erneute Gefahren für die Rohstoff- und Materialversorgung sowie die geschwächte Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energie-, Regulierungs- und Arbeitskosten sowie Wechselkursaufwertungen“.
Die Dienstleistungswirtschaft, die rund 70 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung ausmacht, tritt ebenfalls auf der Stelle. Unternehmensnahe Dienste spüren die Schwäche von Industrie und Bau, konsumnahe Dienstleistungen bleiben wegen zurückhaltender Konsumausgaben schwach. Lediglich staatliche und soziale Dienstleistungen legen leicht zu.
An der aktuellen Umfrage im Oktober 2025 beteiligten sich 1.915 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe und privaten Dienstleistungen.
Die Industrie steht weiterhin am stärksten unter Druck
Die Geschäftslage der deutschen Unternehmen bleibt unverändert schlecht. Im Herbst 2025 liegt der Saldo aus positiven und negativen Lagebewertungen bei –20 Prozentpunkten, nur geringfügig besser als im Frühjahr (–22 Punkte). 19 Prozent der Unternehmen berichten von einer besseren Geschäftssituation als im Vorjahr, 39 Prozent von einer schlechteren.
Die Industrie steht weiterhin am stärksten unter Druck: Fast 46 Prozent der Industriebetriebe beurteilen ihre Lage schlechter als im Vorjahr, nur 20 Prozent sehen eine Verbesserung. Im Dienstleistungssektor hat sich die Stimmung ebenfalls eingetrübt – der Saldo verschlechterte sich von –12 auf –21 Prozentpunkte. Einzig die Bauwirtschaft zeigt leichte Entspannung: Der Anteil positiver und negativer Lagebewertungen ist dort nahezu ausgeglichen.
Auch bei Investitionen und Beschäftigung ergibt sich ein trübes Bild. 38 Prozent der Unternehmen melden gesunkene Investitionen, nur ein Viertel erhöhte Ausgaben. Ähnlich ist die Lage bei der Beschäftigung: Rund 20 Prozent der Unternehmen haben mehr Personal als im Vorjahr, 38 Prozent weniger.
Jedes dritte Unternehmen plant Stellenabbau
Nach einer kurzen Erholung im Frühjahr 2025 hat sich die wirtschaftliche Stimmung zuletzt wieder eingetrübt, wie eine neue IW-Unternehmensbefragung zeigt. Das hat direkte Folgen für den Arbeitsmarkt: 36 Prozent der Unternehmen planen, im kommenden Jahr Stellen zu streichen, nur 18 Prozent schaffen neue Jobs.
Vor allem in der Industrie sind die Aussichten trüb: 41 Prozent der befragten Unternehmen wollen Stellen abbauen, nur etwa jede siebte Industriefirma will neue Arbeitsplätze schaffen. Drei Viertel der befragten Unternehmen rechnen damit, 2026 weniger oder höchstens genauso viel zu produzieren wie derzeit.
„Stellenabbau statt Wirtschaftswende: Die Unternehmen leiden unter dem großen geopolitischen Stress“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. Dazu kommen hausgemachte Standortprobleme – hohe Kosten für Energie, Sozialversicherungen und Bürokratie. „Ohne staatliche Reformen wird es immer unwahrscheinlicher, dass die milliardenschweren Sonderprogramme der Bundesregierung die erhoffte und notwendige Wirkung entfalten.“
Wie sieht es mit der Investitionsbereitschaft aus?
Auch die Investitionsbereitschaft bleibt gering: Nur 23 Prozent der Unternehmen wollen im kommenden Jahr mehr investieren als 2025, 33 Prozent wollen weniger investieren. Damit verschärft sich die Investitionskrise in Deutschland weiter: Eine Phase negativer Investitionserwartungen über fünf aufeinanderfolgende Halbjahre gab es bei der IW-Konjunkturumfrage bisher nicht.
Produktionserwartungen? Industrie bleibt pessimistisch
Die Erwartungen für 2026 fallen erneut schwächer aus als im Frühjahr. Nur 25 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit steigender Produktion, 32 Prozent erwarten einen Rückgang. Der Negativsaldo ist damit auf –7 Prozentpunkte gestiegen.
Ein Stimmungsumschwung ist laut IW nicht in Sicht: „Auf Basis einer Einordnung der aktuellen Erwartungswerte in die Historie der IW-Konjunkturumfragen lässt sich eine Konjunkturwende mit einer ausgeprägten Aufschwungsqualität nicht erkennen.“
Vor allem in der Industrie bleiben die Aussichten trüb. 27 Prozent der Industriebetriebe rechnen mit höheren Produktionszahlen, 36 Prozent mit einem Rückgang. Besonders pessimistisch sind die Grundstoff- und Investitionsgüterbranchen.
Die privaten Dienstleister blicken ebenfalls skeptisch in die Zukunft: 22 Prozent erwarten ein Plus, 31 Prozent einen Rückgang. Der Handel zeigt sich dabei besonders verhalten. Die Bauwirtschaft hingegen stabilisiert sich – hier halten sich positive und negative Erwartungen mit jeweils rund einem Viertel die Waage.
Regionale Unterschiede
Regional zeigt sich ein differenziertes Bild: Nur Bayern und die Region Nord (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen) weisen einen positiven Erwartungssaldo auf. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegen im Bundesdurchschnitt. Besonders negativ sind die Aussichten im Nord-Osten (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt), wo fast die Hälfte der Unternehmen einen Rückgang der Produktion erwartet, nur 17 Prozent mit steigender Produktion rechnen.
Noch kein Aufschwung in Sicht
Die IW-Konjunkturumfrage Herbst 2025 zeichnet ein klares Bild: Weder Industrie noch Dienstleistungssektor erwarten für 2026 eine Wende zum Besseren. „Ein Stimmungsumschwung in den deutschen Unternehmen und eine Konjunkturwende mit einer ausgeprägten Aufschwungsqualität“ seien nicht zu erkennen, fasst Prof. Dr. Michael Grömling zusammen.
Trotz vereinzelter Lichtblicke – etwa in Teilen der Bauwirtschaft – bleibt die deutsche Wirtschaft vor großen Herausforderungen. Die Investitionsschwäche, der Fachkräftemangel und geopolitische Unsicherheiten setzen der konjunkturellen Entwicklung weiterhin zu.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW)










