Web-Visualisierung / Scada

Bernhard Böhrer | Stefan Kuppinger,

Silverlight und HTML5 im Bundle

Im Bereich Prozessvisualisierung gibt es Diskussionen, welche Technologie sich besser für Web-Anwendungen eignet: Microsofts Silverlight oder das herstellerunabhängige HTML 5. Eine Analyse der Firma Webfactory.

© Webfactory

Für Scada/HMI-Systeme zeichnet sich ab, dass es kein Entweder-Oder geben wird. Während die Silverlight-Technologie für komplexe Business-Anwendungen mit hohen Ansprüchen an Sicherheit und Komfort das Mittel der Wahl ist, bietet sich bereits heute HTML5 für den mobilen Zugriff auf Management-Informationen an – obwohl die endgültige Standardisierung von HTML5 noch ein paar Jahre dauert.

Der Vorteil der HTML5-Technologie liegt in deren Betriebssystem-Unab­hängig­keit: Applikationen laufen auf allen Web­browsern und unterstützen die heute üblichen Smartphone-Funktionen wie Sprachsteuerung, Zoomfunktion, Multitouch oder eine automatische Bildanpassung.

Komplexe Visualisierung effektiv erstellen

Je nach verwendetem Browser kann es Unterschiede im Rendering geben: Aussehen und Darstellung von Schieberegler, Eingabefenster und deren Positionen variieren.

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Moderne, webbasierte Scada/HMI-Systeme, die für eine effektive Prozessvi­sualisierung heute unerlässlich sind, arbeiten mit großen Datenmengen. Bei solchen komplexen Anwendungen setzt Silverlight bereits seit einigen Jahren Maßstäbe in puncto Benutzer-Ergonomie. Beispielsweise lassen sich damit Maschinen, Anlagen oder Gebäude realitätsnah abbilden. Das Ergebnis ist eine ansprechende und intuitive Bedienoberfläche. Ob Datenbank, Webservice oder XML-Datei, das Prinzip bleibt immer gleich und insbesondere für Anwendungen mit grafischen Bedienoberflächen ist Silverlight nicht zu schlagen.

Silverlight bietet dazu eine Vielzahl von Controls und genügt allen Ansprüchen an ein modernes User-Interface. Unterstützt werden Features wie Eingabe-Validierung, Drucker-Unterstützung, Drag&Drop, 3D-Animationen, Webcam und Mikrofon. Entwicklungsumgebungen wie Visual-Studio und Expression-Blend erleichtern es, Internet-Anwendungen zu erstellen; der Lernaufwand für den Entwickler hält sich in Grenzen, da im Prinzip Kenntnisse in C# und XAML (Extensible Application Markup Language) ausreichen. Die Grafiken sind vektor­basiert und passen sich somit den unterschiedlichen Bildschirmauflösungen und Anzeigeformaten an. Die notwendigen Plugins gibt es für alle gängigen Browser, zum Beispiel Firefox, Chrome oder Internet Explorer. Da die Zugriffsrechte übers Internet in der Regel auf einen bestimmten Personenkreis begrenzt sind, verursacht die Installation der entsprechenden Plugins auf den Endgeräten keine Schwierigkeiten beziehungsweise keinen zu großen Aufwand. Zumal nicht das gesamte .Net-Framework installiert werden muss. Allerdings unterstützen Web­browser, die nicht unter Windows-Betriebssystemen laufen, Silverlight nur begrenzt oder im Fall von Linux-basierten Betriebssystemen überhaupt nicht oder nur über Moonlight. Dies erweist sich als Nachteil, wenn Bediener von mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablet-PCs auf die Prozessvisualisierung zugreifen wollen. Hierfür stehen schlichtweg keine entsprechenden Plugins zur Verfügung.

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HTML5 macht Daten mobil

Deshalb ist HTML 5 die richtige Lösung, um von unterwegs auf Daten zuzugreifen. Der angehende Standard des W3C-Consortiums ermöglicht plattformunabhängige Web-Apps und damit größtmögliche Flexibilität. Als offener Standard benötigt HTML5 auch keine Plugins. Der Anwender ist vollkommen unabhängig vom Betriebssystem und dem verwendeten Gerät, da HTML5-Applikationen in allen aktuellen Webbrowsern funktionieren. Egal ob iOS, Android oder BlackBerry OS – HTML5 unterstützt viele Funk­tionen wie Sprachsteuerung, Zoomfunk­tionen oder eine automatische Bildan­passung auf den heute üblichen Smartphones.

Die auf allen Microsoft-Plattformen durchgängig einsetzbare Scada/HMI-Software Webfactory wurde für den mobilen Zugriff auf Informationen um ein HTML5-Modul ergänzt.

© Webfactory

Wenn auch die Spezifikation von HTML5 noch nicht abgeschlossen ist – vermutlich wird sich der Prozess noch bis 2014 oder 2015 hinziehen – so beinhaltet sie doch bereits alle notwendigen Features, etwa eine einfache Integration von Multimediadaten oder Offline-Caching. Allerdings gibt es je nach verwendetem Browser noch Unterschiede im so genannten Rendering: Daher kann ein Button in einem Browser wie programmiert blinken, im anderen nicht. Letztlich spielt das aber nur eine untergeordnete Rolle, wenn sich der Schichtleiter während eines Meetings lediglich über den Status der Produktion informieren will und Trends oder ähnliches abruft. Für den mobilen Zugriff wurde die Scada/HMI-Visualisierungssoftware Webfactory 2010 deshalb um ein entsprechendes HTML5-Modul ergänzt.

Für komplexe LoB-Anwendungen (ERP-, MES- oder Scada-Software) kommt dagegen weiterhin die vektorbasierte und objektorientierte Silverlight-Technologie zum Einsatz. Bei solchen Applikationen kann HTML5 gleich aus mehreren Gründen Probleme bereiten.

Die Schattenseite

HTML-basierte Web-Anwendungen lassen sich inzwischen zwar auch mit interaktiven Elementen versehen, setzen aber einen hohen Wissensstand in mehreren Technologien voraus: Ein Entwickler muss dazu HTML, JavaScript, CSS (Cascading Style Sheets) und die Programmiersprache auf der Serverseite beherrschen. Im Vergleich zu Silverlight bleiben die grafischen Möglichkeiten dennoch begrenzt. Unter anderem fehlen Funktionen für komfortable Benutzer-Interfaces.

Außerdem: Das für die Interaktivität von HTML-Seiten unabdingbare JavaScript lässt sich nicht compilieren. Sogar Manipulationen sind nicht auszuschließen, da man den Quelltext einsehen, ändern oder kopieren kann. Gerade bei aufwendigen Applikationen ist das hinsichtlich des Know-how-Schutzes problematisch. Im Gegensatz dazu wird bei Silverlight die komplette Applikation durch das Compilieren geschützt. Aus diesen Gründen setzt Webfactory weiterhin Silverlight bei komplexen Anwendungen ein, nutzt aber die Vorteile von HTML5 für Zugriffe von unterwegs.

Autor: Bernhard Böhrer ist Geschäftsführer der Firma Webfactory in Buchen.

Scada/HMI-Software: Von ganz klein bis riesig

Webfactory 2010 ist eine webbasierte Scada/HMI-Software für komplexe Anwen­dungen im Maschinen- und Anlagenbau, in der Gebäudeautomatisierung oder der dezentralen Energieversorgung, bei denen es neben dem Bedienen und Beobachten um umfangreiche Aufzeichnungen und Auswertungen von Prozesswerten und Alarmen geht. Aufgrund einer modularen Architektur lässt sich das System für unterschiedlichste Projekte skalieren. Die Bandbreite reicht von Einzelplatz-Anwendungen bis hin zu Anwendungen mit mehreren Servern. Durch den konsequenten Einsatz von Standardtechnologien lässt sich die Visualisierungssoftware in die bestehende Infrastruktur eines Unternehmens integrieren.

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