Produktpiraterie
Forscher entwickeln Kopierschutz-Maßnahmen
Der deutsche Maschinenbau fällt immer mehr der Produktpiraterie zum Opfer. Forscher des Fraunhofer AISEC schätzen den jährlichen Schaden durch illegale Nachahmung von Produkten weltweit auf 650 Milliarden US-Dollar. Sie arbeiten an Lösungen für den Produktschutz.
Bei etwa zwei Drittel aller Unternehmen im deutschen Maschinenbau schlägt die Produktpiraterie laut den Fraunhofer Forschern zu. Darunter sind insbesondere Hersteller von Textilmaschinen, Kompressoren und Anlagen für die Kunststoffverarbeitung. "Die meisten Unternehmen wissen gar nicht, wie leicht ihre Produkte kopiert werden können", spitzt Bartol Filipovic die Lage zu. Filipovic ist Leiter der Abteilung für Produktschutz an der Fraunhofer-Einrichtung für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC in Garching bei München.
Produktpiraten kentern im Maschinenbau laut dem Fraunhofer Institut vom Gehäusedesign bis zur Bedienungsanleitung alles. Insbesondere die 'inneren Werte', wie elektronische Schaltungen und Software gehören dazu. Dabei machen sich die Fälscher laut den Forschern die Hände selbst nicht mehr schmutzig: Sogenannte Anbieter von 'Reverse Engineering' spielen stellvertretend den Entwicklungsprozess der betroffenen Produkte in umgekehrter Reihenfolge nach. Sie analysieren den Aufbau der Hardware und fertigen Schaltpläne des Originalproduktes an. Anschließend lesen sie die Software aus und rekonstruieren daraus die Steuerungen und die Funktionen der Maschine und damit das Kern-Know-how des Herstellers.
Bereits in der Produktentwicklung zu beachten
Laut dem Fraunhofer AISEC reagieren viele Firmen auf die Produktpiraterie erst, wenn auf dem Markt Fälschungen eigener Produkte auftauchen. Der Nachbau lässt sich dann aber nicht mehr verhindern, so die Garchinger Wissenschaftler. Das Fraunhofer Institut rät dazu, bereits bei der Entwicklung einer neuen Produktgeneration geeignete Schutzmechanismen in der Hardware zu verankern. "Im günstigsten Fall nimmt der Kunde bereits in der Entwicklungsphase für eine neue Produktgeneration mit dem Produktschutz-Team am AISEC Kontakt auf", heißt es in einer Äußerung des AISEC. Unter Wahrung der Diskretion analysieren die Forscher die möglichen Schwachstellen des geplanten Hardwareaufbaus, der Schaltpläne und der Software. Sie geben dem Unternehmen Empfehlungen, wie das Produkt sicherer gemacht werden könnte.
Beispiele für technische Schutzmaßnahmen
Eine technische Schutzmaßnahme ist etwa eine so genannte PEP-Schutzfolie, die fest mit der Hardware (Platine) verschweißt wird. Möglich wäre außerdem der Einbau von Kryptochips, die die Daten in der Maschine verschlüsseln. Sie erzeugen den Schlüssel aus den Laufzeiten elektrischer Signale auf dem Mikrochip. Bei einem anderen Chip – sogar aus derselben Produktion – sind die Laufzeiten etwas anders, und der Schlüssel lässt sich nicht nutzen.
Eine weitere Option besteht darin, das Steuerungsprogramm fest in der Hardware zu verdrahten. Diese eigens entworfene Chips machen es laut dem AISEC dem Angreifer schwer, die Software auszulesen und in einem kopierten Produkt auf Standardchips laufen zu lassen.
Die Fraunhofer Forscher nennen jedoch auch Kopierschutz-Maßnahmen fern von spezieller Hardware: Die Unternehmen können sich etwa Verschleierungsverfahren zu Nutze machen. "Eine Analyse und die Entwicklung entsprechender technischer Schutzmaßnahmen lohnt sich für das Unternehmen auf jeden Fall", bekräftigt Bartol Filipovic. Ziel der Beratung sei es, dem Unternehmen ein möglichst großen Zeitvorteil zu verschaffen: Mindestens fünf bis zehn Jahre Ruhe vor Produktfälschern haben Kunden bei einer Umsetzung der Empfehlungen, so Filipovic. Diese Zeitspanne sei nötig, um die teuren Investitionen zu schützen. "Anders als bei Konsumgütern veraltet das technologische Know-how bei Investitionsgütern wie Maschinen nicht so schnell", führt Filipovic aus. "Für einen Fälscher kann es sich also durchaus auszahlen, eine Maschine zu kopieren, die seit fünf Jahren auf dem Markt sind." Bei eingebauten Schutzvorkehrungen beißen die Fälscher jedoch auf Granit.













