VDMA-Studie

Andrea Gillhuber | Davina Spohn,

7,9 Mrd. Euro Schaden durch Produktpiraterie

Der VDMA hat eine Studie zur Produktpiraterie 2014 veröffentlicht. Er beziffert darin den Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau auf 7,9 Mrd. Euro pro Jahr. 71 Prozent der Unternehmen sind betroffen. Erschreckend: Auf Platz 2 der Herkunftsländer von Plagiaten liegt Deutschland, dicht gefolgt von der Türkei.

Kampf den Produktpiraten

© Fotolia

Alle zwei Jahre führt der VDMA eine Studie zur Produkt- und Markenpiraterie durch. Für die diesjährige Studie befragte der Branchenverband seine Mitglieder und bekam 337 Rückmeldungen. Die Datenerfassung erfolgte vom 3. Februar bis 10 März 2014.

Die Ergebnisse der siebten Umfrage sind alarmierend: 71 Prozent der Unternehmen sind von Produktpiraterie betroffen; 2012 waren es noch 67 Prozent. Laut VDMA sei dies der höchste Wert seit Beginn der Umfrage und zeige, dass die derzeitigen Maßnahmen von Bund und der Europäischen Kommission nicht ausreichen. Der geschätzte Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau beträgt geschätzt 7,9 Mrd. Euro jährlich. Dieser Umsatzverlust entspricht knapp 38.000 Arbeitsplätzen (2012: 37.000 Arbeitsplätze). Einen Rückgang der Plagiate können leider nur ein Prozent der Unternehmen vermelden. Am stärksten von Produktpiraterie betroffen sind Holzbearbeitungsmaschinen, Textilmaschinen und die Landtechnik .

Der Kunde als Fälscher

Interessant ist auch, dass der Wettbewerber mit 71 Prozent der am häufigsten von Unternehmen genannte Produktfälscher ist; mit 27 Prozent folgen sogenannte Underground Factories. Den Kunden als Fälscher nennen bereits 23 Prozent der Unternehmen, 18 Prozent finden den Plagiateur in ihrer Lieferkette. Die Tendenz ist weiter steigend!

Wie kommen die Fälscher an die Informationen?

Mit über 70 Prozent ist Reverse Engineering die häufigste Ursache, gefolgt von Know-how-Abfluss durch ehemalige Mitarbeiter. Rund 19 Prozent sind von Industriespionage betroffen.

Am häufigsten werden mit 64 Prozent Komponenten gefälscht. Ein enormer Zuwachs ist bei den Designplagiaten zu vermelden: Seit 2010 hat sich die Zahl auf 56 Prozent verdoppelt. Ganze Maschinen folgen auf Rang 3 mit 51 Prozent. Ein Rückgang ist in keinen der genannten Sparten zu vermelden. Die einzelnen Ergebnisse der VDMA-Studie finden sich in der Bilderstrecke.

Anzeige

Deutschland auf Platz 2 im Piraten-Ranking

Natürlich ist die Volksrepublik China mit 72 Prozent weiterhin unangefochten auf Platz 1 der Herkunftsländer bei Produkt- und Markenpiraterie. Im Piraten-Ranking verteidigt Deutschland jedoch Platz zwei mit 23 Prozent vor der Türkei. Die Plagiate aus der Türkei haben sich jedoch nahezu verdoppelt, nämlich von 12 auf 20 Prozent. Als Plagiateur bzw. Auftragsgeber für Plagiate sind Wettbewerber, Kunden und Zulieferer auf den ersten fünf Plätzen zu finden.

Größter Einzelmarkt für Fälschungen ist mit 42 Prozent nach wie vor China (2012: 37 Prozent), auf Platz zwei folgt der weltweite Vertrieb. Drittstärkster Absatzmarkt ist Deutschland.

Aufmerksam auf Plagiate werden knapp vier von fünf Unternehmen durch eigene Marktkenntnisse, zwei Drittel werden durch Kunden aufmerksam gemacht. Auf Platz drei und vier folgen Messen und Internet. Kein Wunder also, dass manche Messe mit der örtlichen Justiz zusammenarbeitet, um gleich während der Messe Unterlassungen zu erwirken.

Genutzte rechtliche und technische Schutzmaßnahmen

Aus der VDMA-Studie geht hervor, dass jedes vierte Unternehmen mit ungerechtfertigten Reklamationen durch Plagiate zu kämpfen hat. Doch was kann eine Firma gegen Produkt- und Markenrechtsverletzungen tun?

Mehr als 80 Prozent der Unternehmen setzten auf Schutzrechte als präventives Mittel, sprich: auf Patente, Marken & Co. Nachdem Plagiate entdeckt wurden, geht die Mehrheit der Unternehmen zivilrechtlich oder aber auch außergerichtlich gegen die Missetäter vor. Gegen Plagiateure vorzugehen, ist jedoch keine billige Angelegenheit. Daher wundert es nicht, dass nur 41 Prozent der Unternehmen gegen die Produktpiraten aktiv werden. Je kleiner das Unternehmen, desto weniger wird gegen Plagiateure vorgegangen.

Neben rechtlichen gibt es auch technische Schutzmaßnahmen. Die VDMA-Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz hat einen Branchenführer herausgebracht, in dem 41 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Protect-ing ihre Lösungen aus den Bereichen Produktkennzeichnung, Detektion, Tracking und Tracing, Embedded Security, technischer Know-how-Schutz sowie Engineering und Beratung vorstellen. Einblick in den Branchenführer 'Produkt- und Know-how-Schutz' bekommen Sie auf der Seite des VDMA.

Hier erfahren Sie mehr über das VDMA-Engagement gegen Produktpiraterie.

Eine andere Möglichkeit ist, den Fälscher an den Pranger zu stellen. Die 'Aktion Plagiarius' zeichnet jährlich öffentlichkeitswirksam dreiste Produktpiraten und ihre Vertriebspartner mit dem Plagiarius aus.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

'Plagiarius 2015'

Produktfälscher am Pranger

Produktfälschungen bescheren dem Maschinen- und Anlagenbau einen Schaden in Milliardenhöhe. Auch den Konsumer-Markt durchdringen immer mehr Plagiate, wie die "Preisträger" des nun verliehenen Negativpreises 'Plagiarius' zeigen.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren