Plagiarius 2016
Dreiste Fälscher aufgedeckt
Zum 40. Mal stellt der Verein 'Aktion Plagiarius' Fälscher und Nachahmer an den Pranger. Auf der Messe Ambiente zeichnete er die neuen "Preisträger" aus. In diesem Jahr mit dabei: Kugellager, Küchenwerkzeuge und Windwesten.
Bereits seit 1977 macht der Verein Aktion Plagiarius auf die Geschäftspraktiken von Plagiatoren aufmerksam. Von Produktpiraterie betroffene Unternehmen melden die Nachahmungen für den Negativpreis an; sie reichen das Originalprodukt, die Fälschung und auch eine Dokumentation der ersten Schritte gegen den Plagiator ein. Die Aktion Plagiarius nimmt dann selbst nochmals Kontakt zu Nachahmern auf und fordert eine Stellungnahme. Manchmal reicht dies aus, damit die Händler das Plagiat vom Markt nehmen oder den Namen des Herstellers nennen.
Doch nicht nur die Nachahmer von Konsumgütern stellt der Verein an den Pranger: Im Jahr 2009 wurde der Nachahmer von Festos Zahnriemenachse DGE "ausgezeichnet"; im selben Jahr ging auch ein "Sonderpreis für eine Fälschung" an den Fälscher eines Druckmessgeräts von Wika. Das Unternehmen hatte jedoch auch weiterhin mit Plagiatoren zu kämpfen: 2014 werhielt der Fälscher des Druckmessgeräts 111.11.-B den Negativpreis. Für den Plagiarius 2011 meldete sich Rittal bei der Aktion Plagiarius: Dem Fälscher des Schaltschranks TS8 wurde ein Zwerg mit goldener Nase übergeben. Eine weitere Industriekomponente war Opfer einer Fälschung, wie in der Bilderstrecke zu sehen ist.
Wie die Aktion im Rahmen der Verleihung klar stellte, will sie mit der Auszeichnung nichts darüber aussagen, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Die Aktion Plagiarius will lediglich auf die Probleme betroffener Firmen aufmerksam machen und die Meinung äußern, "dass plumpe 1:1 Nachahmungen einfallslos und moralisch verwerflich sind". In dem Zusammenhang betont der Verein "dass legale Wettbewerbsprodukte, die einem Trend folgen, sich aber optisch und technisch ausreichend vom Original unterscheiden und somit fairen
Wettbewerb beleben, ausdrücklich erwünscht sind".
Unternehmerisches Risiko muss sich lohnen
Ob Markenfälschung, Designplagiat, Technologieklau oder Raubkopie – die Erscheinungsformen von Produkt- und Markenpiraterie sind vielfältig. Man findet sie mittlerweile in allen Preis- und Qualitätsabstufungen: von gefährlichen Billigimitaten bis hin zu qualitativ hochwertigen Kopien, die dann aber auch kaum günstiger als das Original sind. Für Verbraucher sind Nachahmungen häufig nur ein Kavaliersdelikt, für die betroffenen Designer, Hersteller oder Händler bedeuten sie enorme, teils existenzbedrohende Schäden. Die Aktion Plagiarius setzt sich daher auch für mehr Wertschätzung und Respekt seitens der Käufer für die hinter dem Produkt steckende Leistung ein. Denn: Von einer ersten Idee bis hin zum marktreifen Endprodukt ist es ein langwieriger und kostenintensiver Prozess, bei dem die Entwickler bzw. Markeninhaber regelmäßig finanziell in Vorleistung gehen. Um auch zukünftig Fortschritt und Arbeitsplätze sichern zu können, muss sich dieses unternehmerische Risiko lohnen. "Das funktioniert aber nicht, wenn skrupellose ideenarme Trittbrettfahrer erfolgreiche Produkte ungeniert kopieren, diese als eigene Leistung ausgeben, zu einem vermeintlich günstigeren Preis anbieten und so unberechtigterweise Marktanteile und Gewinne des Originalherstellers abgreifen", so die Aktion Plagiarius.
Fälschungen im Internet auf dem Vormarsch
Das Internet bietet Möglichkeiten für Wachstum und Kundenbindung. Erkannt haben das auch unseriöse Anbieter und nutzen die Vorteile des Online-Handels für ihre Zwecke. Nicht nur gefühlt sind Plagiate und Fälschungen im Internet "omnipräsent", so die Aktion Plagiarius. Internationale Behörden wie Europol und Interpol lassen jährlich zehntausende Websites wegen Handels mit gefälschten Produkten erfolgreich schließen. Dennoch ist das Angebot rechtswidriger Marken- und Designprodukte ungebrochen hoch. "Oftmals verstecken sich die Anbieter hinter der Anonymität des World Wide Web und setzen ihr Geschäft binnen kürzester Zeit unter neuem Firmen- und Domainnamen fort", so die Mahnung der Aktion Plagiarius. Die Mehrheit der Fälscher ist global bestens vernetzt und sehr versiert im Umgang mit digitalen Medien: So setzen sie neben gefälschten Markenwebseiten zunehmend auch auf eCommerce-Plattformen und Social-Media-Netzwerke.
Preis-Leistungsverhältnis ist entscheidend
Die Aktion Plagiarius betont, dass Original und Fälschung meist nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich sind: "Verbraucher dürfen sich nicht blauäugig der Illusion hingeben, Ziel der Nachahmer sei es, ihnen hochwertige Markenfälschungen zum 'fairen' Schnäppchenpreis zu bieten." Viele Fälscher setzen nach wie vor auf schnelle Gewinnmaximierung. Sie verwenden etwa minderwertige Materialien, verzichten auf Qualitäts- und Sicherheitskontrollen, produzieren unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und setzen billigend die Gesundheit der Menschen in den Fabriken sowie der Konsumenten aufs Spiel. Da Märkte sich über Angebot und Nachfrageregeln, trage jeder Konsument eine erhebliche Verantwortung.













