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Artikel und Hintergründe zum Thema

nachgehakt! bei Michael Blass, Igus

Inka Krischke,

Der Kunststoff-Recycler

Ende 2019 hat Igus das ‚green chainge recycling program‘ ins Leben gerufen. Wie sich dieses Recycling-Programm für Energie- und Schleppketten aus Kunststoff bewährt hat, verrät Michael Blass.

Michael Blass, Geschäftsführer E-Kettensysteme bei Igus

© Igus

Herr Blass, können Sie bitte kurz das ‚green chainge recycling program‘ skizzieren?
Michael Blass: In den meisten Fällen werden Energieketten am Ende ihrer Lebensdauer mit anderen Kunststoffabfällen einfach entsorgt und verbrannt. Mit dem ‚green chainge recycling program‘ bieten wir eine Alternative an: Anwender können ihre Kunststoffketten zum Recycling an Igus schicken. Vor Ort trennen wir das Material sortenrein und verarbeiten das für unsere Produktion nutzbare Material zu Regranulat.
Kunden sparen somit Entsorgungs- kosten und erhalten zusätzlich einen Wertgutschein für den Einkauf bei Igus. So profitieren sowohl die Kunden als auch die Umwelt gleichermaßen.

Zum Programm-Start haben Sie ausrangierte, gereinigte Kunststoffketten völlig unabhängig von deren Hersteller angenommen, ohne Ausschlusskriterien für die Annahme ausrangierter Kunststoffketten. Ist das immer noch so?
Ja, das ist der große Vorteil des chainge Programms: Wie nehmen Schlepp- und Energieketten unabhängig vom Hersteller zurück. Dies gilt auch weiterhin.

Wie wurde das Programm im Markt angenommen?
Die Mengen, die recycelt werden, steigen von Jahr zu Jahr deutlich. Wir haben durch das chainge-Programm bereits 32,3 Tonnen Material gesammelt und recycelt. Aufgrund dieser Erfahrung gehen wir davon aus, dass wir die bisher erzielten Ergebnisse 2022 mindestens verdoppeln können.

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Wie erfolgt die Weiterverwertung der recycelten Kunststoffe? Wofür lässt sich das Regranulat nutzen?

Kommen die Ketten zu Igus, werden die Kunststoffe nach Material- typen sortiert, gereinigt, geschreddert und verpackt. Danach können sie von Igus – oder, wie geplant ist, auch von anderen Unternehmen für die Produktion hochwertiger technischer Produkte wiederverwendet werden.

Gestartet wurde das Recycling-Programm in Deutschland – bietet Igus es inzwischen auch in anderen Märkten an?

Bisher haben sich an dem Programm 13 Länder beteiligt: Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Polen, Frankreich, China, Italien, Brasilien, Malaysia, Ungarn, Kroatien, Tschechien und Spanien. Der größte Teil der Rücklieferungen kommt dabei aus Deutschland und China.

Anfang 2020 hat Igus die Re- ycling-Aktivitäten weiter ausgebaut und in einen Pionier des Chemical Recycling investiert, die Firma Mura Technology. Wie ist hier der aktuelle Stand der Dinge?

Mit der von Mura Technology entwickelten neuartigen Technologie HydroPRS (Hydro Plastic Recycling Solution) lassen sich Kunststoffabfälle in nur 20 bis 25 Minuten wieder zu Rohöl umwandeln – und das lediglich mit Druck, hoher Temperatur und Wasser. Die erste Großanlage soll in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres am Standort von Wilton International in Teesside im Nordosten Englands in Betrieb gehen. Die Arbeiten daran gehen mit Hochdruck voran.

Welche weiteren Pläne in Sachen Recycling gibt es bei Igus?

Wir nutzen die recycelten Kunststoffe in verstärktem Umfang selbst für unsere motion plastics. Auf unserer virtuell-realen Messe IMPS und später auf der Hannover Messe stellen wir aktuell ganz neue Produkte vor, die zu 100 Prozent aus recycelten Materialien bestehen – darunter mit der ‚cradle-chain E2.1.CG‘ die weltweit erste Energiekette aus recyceltem Kunststoff. Das Katalogprogramm umfasst fünf Serien mit 28 Kettentypen – und der Anwender erhält die gleichen technischen Eigenschaften und Belastungsgrenzen wie bei der ‚klassischen‘ Energiekette aus Standardmaterial igumid G.

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