EMVA-Studie

Andreas Knoll | Günter Herkommer,

Europäische Bildverarbeitungsbranche übertrifft eigene Erwartungen

Die europäische Bildverarbeitungsbranche hat sich von den Folgen der globalen Finanz- und Wirtschaftkrise erholt - schneller, als von der Branche selbst erwartet. Grund war die hohe Nachfrage aus den klassischen Industrien. Dies zeigt die aktuelle Ausgabe der jährlichen Studie »European Vision Technology Market Statistics« des Branchenverbands EMVA (European Machine Vision Association).

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Der Anteil der wichtigsten Kundenbranchen der europäischen Bildverarbeitungsindustrie am Gesamtumsatz mit Systemen 2009 bis 2010

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Regional verzeichnete die europäische Bildverarbeitungsbranche im vergangenen Jahr laut der Studie den stärksten Umsatzanstieg in Asien. Exporte in asiatische Länder gingen vor allem nach China, Japan, Südkorea und Taiwan und übertrafen wieder einmal den Umsatz mit Nord- und Südamerika. Auch in Europa, Nord- und Südamerika und allen anderen Ländern gab es im vergangenen Jahr ein starkes Umsatzwachstum. Mit fast 68 Prozent des Gesamtumsatzes blieb Europa mit Abstand der größte Markt für europäische Bildverarbeiter. Allerdings rutschte der Umsatzanteil des Heimatkontinents erstmals unter die 70-Prozent-Marke. Knapp ein Drittel des gesamten Umsatzes wurde also durch Exporte in Länder außerhalb Europas realisiert.

Industrielle Kunden sind investitionsfreudig

Der weltweite wirtschaftliche Aufschwung und die damit verbundene Zunahme der industriellen Produktion steigerten der Studie zufolge im vergangenen Jahr die Nachfrage von Kunden aus traditionellen Fertigungsindustrien nach Bildverarbeitungstechnik stark. Im Jahr eins nach der Krise machte der Umsatz mit Industriekunden den Großteil des Gesamtumsatzes aus. Der Absatz von Bildverarbeitungssystemen an die Automobilindustrie als größtem Abnehmer schnellte nach einem tiefen Einbruch im Krisenjahr wieder nach oben. Zweistellige Zuwachsraten wurden auch mit dem Verkauf von Systemen an die Pharma- und Kosmetikindustrie, die Elektro- und Elektronikindustrie, die Verpackungsindustrie, die Gummi- und Kunststoffindustrie sowie die Hersteller medizinischer Geräte realisiert.

Dagegen blieb der absolute Umsatz der Bildverarbeiter mit allen nicht-industriellen Kundenbranchen nahezu unverändert, so dass diese Sparten wegen der starken Zunahme des Umsatzes mit dem produzierenden Gewerbe relativ an Boden verloren. »Dennoch haben die Bildverarbeitungstechnik-Anbieter, die ihre Wurzeln mehrheitlich in der traditionellen, industriellen Produktion haben, die nicht-verarbeitenden Branchen als ein bedeutendes Geschäftsfeld zementiert«, erläutert Andreas Breyer, Leiter Marktforschung der EMVA. »Bildverarbeitungsanwendungen werden sich in Bereichen wie Sicherheit, Verkehrsüberwachung, Marktforschung, Umwelttechnik sowie Sport- und Unterhaltungselektronik weiter etablieren.«

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Anwendungen und Produkte

Die Entwicklung des Gesamtumsatzes der europäischen Bildverarbeitungsbranche 2009, 2010 und (Prognose) 2011

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Die Inspektion von Teilen blieb gemäß der Studie auch im vergangenen Jahr die dominierende Applikation von Bildverarbeitungssystemen. Dagegen ging der Anteil der Inspektion von Endlosmaterial am gesamten Systemumsatz zurück. Dies schob die 3D-Messtechnik knapp auf den zweiten Platz der umsatzmäßig größten Systemanwendungen. Allerdings war bei ihr die Entwicklung im Hauptmarkt Deutschland und in Resteuropa uneinheitlich: Während der Umsatz in Deutschland praktisch stagnierte, wuchsen die Verkäufe in allen anderen Ländern zweistellig.

»Für die Stagnation im deutschen Markt dürften mehrere Gründe verantwortlich sein«, führt Breyer aus. »Dazu gehört, dass in der 3D-Messtechnik vermehrt Standardprodukte verfügbar sind, die dementsprechend preisgünstiger sind. Darüber hinaus werden 3D-Anwendungen außerhalb der Messtechnik nicht separat von der Studie erfasst. Nicht zuletzt spielen auch zyklische Effekte eine Rolle, besonders für hochpreisige anwendungsspezifische Systeme mit entsprechend langer Lieferzeit.«

Die Zusammenführung der beiden Produktarten Smart Cameras / Kompaktsysteme und Vision-Sensoren in der aktuellen Ausgabe der Studie spiegelt Breyer zufolge die Marktentwicklung wider, die eine Abgrenzung zwischen den beiden Produktarten zusehends erschwert. »In beiden Richtungen, also bei der Nutzung kompakter Systeme für kostengünstige Anwendungen und beim Ersatz von Lösungen auf PC-Basis, ist eine wachsende Nachfrage zu erwarten«, sagt er. Wie in den Vorjahren hatten technisch aufwändige Bildverarbeitungssysteme und Kameras 2010 den größten Anteil am Gesamtumsatz. Kameras verzeichneten unter allen Produktarten die höchste Zuwachsrate. Im Vergleich zu 2009 verbuchten aber alle Produktarten deutlich zweistellige Umsatzsteigerungen.

»Die weitere Vereinfachung der Bedienung von Bildverarbeitungssystemen wird künftig neue Kundenbranchen erschließen und zur Miniaturisierung der Systeme beitragen«, stellt Breyer fest. »Durch die Miniaturisierung und den Einsatz von LED-Beleuchtungen in großem Maßstab wird sich zudem die Energieeffizienz der Systeme weiter verbessern. Bei industriellen Anwendungen folgt die Branche zunehmend dem Wunsch der Kunden nach Komplettlösungen - einschließlich deren Integration in die Produktionsstätte schon während des Planungsprozesses.«

Kleine und mittlere Unternehmen dominieren weiter

Die durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter pro Unternehmen hat sich laut der Studie während der Boomphase im vergangenen Jahr nicht wesentlich verändert. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Mehrzahl der europäischen Bildverarbeiter ihr Personal im Jahr der Krise unterproportional zum Rückgang des Umsatzes reduziert hat. Das zahlt sich jetzt aus, weil Personallücken nicht mit viel Aufwand wieder geschlossen werden müssen. Bei einer durchschnittlichen Unternehmensgröße von 29 Mitarbeitern ist die Branche in ganz Europa weiterhin von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) geprägt. Europaweit melden fast die Hälfte der Bildverarbeiter eine Mitarbeiterzahl zwischen 1 und 10 und können somit als »klein« bezeichnet werden.

Französische Bildverarbeitungsbranche ist zweitgrößte Europas

Erstmals beleuchtet die aktuelle Ausgabe der Studie mit einem detaillierten Länderreport Frankreich, den zweitgrößten europäischen Markt für Bildverarbeitungstechnik. »Im Zuge der Recherche erwies sich der französische Markt als dynamischer und facettenreicher als zunächst angenommen«, betont Breyer. »Der Länderreport zeigt eine Reihe signifikanter Unterschiede des französischen Marktes zu anderen großen europäischen Bildverarbeitungsmärkten wie etwa Deutschland und Italien. Dazu gehören die Struktur der Unternehmen und Unternehmenstypen sowie die Spezialisierung auf bestimmte Kundenbranchen.«

Auch 2011 zweistelliges Wachstum angepeilt

Die traditionellen produzierenden Abnehmerindustrien werden laut Breyer auch weiterhin das Rückgrat der europäischen Bildverarbeitungsbranche bleiben. »Dies zeigen der außergewöhnliche Aufschwung im vergangenen Jahr in der Automobilindustrie sowie konstante Wachstumsraten in konjunkturzyklischen Industrien wie etwa der pharmazeutischen«, führt er aus. »Auch die ökologische Bedeutung von Bildverarbeitungslösungen wird zunehmend wahrgenommen. Individuelle wirtschaftliche Notwendigkeiten wie Wettbewerbsfähigkeit und Gewinnmaximierung stehen keineswegs in Konflikt mit den grünen Ergebnissen, die praktisch alle Bildverarbeitungsanwendungen liefern.« Klimawandel, wachsende Weltbevölkerung und Verstädterung seien drei Mega-Trends, mit denen die Menschheit heutzutage konfrontiert sei. »’Green-Vision’-Lösungen können bereits jetzt und werden zukünftig vermehrt einen wichtigen Beitrag zur Lösung vieler Probleme leisten«, ergänzt Breyer. »Hierzu zählen etwa die Regelung von Verkehrsströmen und die ressourcenschonende Produktion von Nahrungsmitteln. Darüber hinaus wird - allein schon wegen der schier unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten - der Umsatz mit Bildverarbeitungstechnik im nicht-verarbeitenden Gewerbe im laufenden Jahr wieder ansteigen.«

Für das Jahr 2011 erwartet die EMVA für die europäische Bildverarbeitungsbranche eine leichte Abkühlung des Umsatzwachstums, das jedoch weiterhin dynamisch bleiben und bei 20 Prozent liegen wird.

EMVA-Marktstudie: Umfassender Überblick - jährlich neu

Die »European Vision Technology Market Statistics« sind eine jährlich von der European Machine Vision Association (EMVA) durchgeführte Branchenstudie. Die Basis der Studie bildet eine schriftliche Befragung der Bildverarbeitungsunternehmen in ganz Europa, die durch Experteninterviews ergänzt wird. Die aktuelle Ausgabe wurde um einen länderspezifischen Report für Frankreich erweitert und umfasst damit neben der gesamteuropäischen Auswertung vier länderspezifische Kapitel. Die Studie kann zum Preis von 1490 Euro bezogen werden unter [email protected].

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