Vision 2011

Stefan Kuppinger,

Bildverarbeitungsbranche auf Rekordkurs

Die Bildverarbeitungsbranche und die Vision als ihre Leitmesse stellen 2011 alle bisherigen Rekorde ein. Die stärksten Treiber: Die Automobilindustrie und China.

© VRmagic

„Mit 32 Prozent Umsatzzuwachs auf den Spitzenwert von 1,26 Milliarden Euro hat die Branche 2010 die höchste jemals registrierte Wachstumsrate hingelegt und konnte den Einbruch innerhalb nur eines Jahres überwinden“, betonte Dr. Olaf Munkelt, Vorsitzender des Vorstandes VDMA Industrielle Bildverarbeitung, auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Vision 2011 in Mannheim. Und auch 2011 ist bislang keine Abschwächung zu spüren: Das Wachstum liegt weiterhin über 20 Prozent, so dass der Verband für 2011 von einem Umsatzvolumen über 1,5 Mrd. Euro ausgeht. „Wir haben sogar noch etwas Luft nach oben“, sagt Munkelt.

Treiber der Entwicklung in den letzten 1,5 Jahren ist der Export, der um 40 Prozent gegenüber 2009 anstieg (Inland: +23 Prozent). Inzwischen liegt die Exportquote der Bildverarbeiter bei 56 Prozent. „Der absolute Shooting-Star war China, das den Umsatz verdreifachte“, betonte Munkelt. Als Ursache für den rasanten Zuwachs sieht er die steigenden Qualitätsanforderungen und zunehmende Automatisierung von Fertigungsprozessen infolge von Lohnsteigerungen. Neben China hat sich auch der amerikanische Markt mit einem deutlichen Umsatzplus von 45 Prozent zurückgemeldet.

Vision 2011 - Rekordjahr übertrumpfen

Analog zur Bildverarbeitungsbranche entwickelt sich auch deren jährliche Nabelschau – die Vision vom 8. bis 10 November in Stuttgart. „Wir gehen davon aus, die Rekordwerte von 2010 nochmals übertreffen zu können“, so Thomas Walter, Bereichsleiter Industrie & Technologie der Messe Stuttgart. Bereits heute zeichnet sich ab, dass die Fachmesse für Bildverarbeitung, das Rekordergebnis des vergangenen Jahres mindestens wiederholen, wenn nicht sogar überbieten wird. „Sowohl bei der Anzahl der Anmeldungen als auch bei der Ausstellungsfläche liegen wir derzeit gegenüber 2010 im zweistelligen Plus“, betont Walter. Ziel ist es nach 323 in 2009 mindestens 330 Aussteller (+ zwei Prozent) zu gewinnen, die ihre Kameras, Vision-Sensoren, Framegrabber, Softwaretools, Beleuchtungssysteme, Objektive sowie komplette Systeme, Anwendungslösungen und Dienstleitungen präsentieren.

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Vision erstmals mit Medical Discovery Tour

Die Leistungsschau flankiert ein umfangreiches Rahmenprogramm. Ein Beispiel hierfür ist die erstmals stattfindende Sonderschau „Medical Discovery Tour“ zum Thema Medizintechnik. Dazu Walter: „Aufgrund von Besucher- und Ausstellerbefragungen hat sich herauskristallisiert, dass das Interesse am Thema Bildverarbeitung in der Medizintechnik wächst.“ Aussteller schätzen die Medizintechnik mittlerweile als fünftwichtigste Besucherbranche ein, nach der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer, der Halbleiter-Industrie und der Elektrotechnik.

Rund acht Prozent der Besucher ordnen sich bereits der Medizintechnik zu. Die Messe Stuttgart und der VDMA als ideeller Träger der Veranstaltung reagieren auf dieses Ergebnis mit der „Medical Discovery Tour“, einer Art Medizintechnik-Parcours: Messestände, die zu diesem Themenschwerpunkt Produkte, Applikationen oder Dienstleistungen anbieten, werden mit einem Logo gekennzeichnet. Zudem gibt es innerhalb der Industrial Vision Days Vorträge zu diesem Schwerpunkt.

Bildverarbeitung in der Medizintechnik

Bildverarbeitung wird in der Medizintechnik in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Zum Beispiel in Bildgebungs- und Auswertungsverfahren zur Diagnostik oder in der patienten-individuellen Simulation und computergestützten Planung und Durchführung von Operationen durch Roboter oder unterstützende Navigationssysteme. Ein weiteres Anwendungsfeld für Bildverarbeitung sind Virtual- und Augmented-Reality-Simulatoren, mit der sich das Mannheimer Unternehmen VRmagic seit 2001 beschäftigt. Dessen Kernkompetenz ist die Entwicklung von Soft- und Hardware für Virtual-Reality-Anwendungen. Dazu gehören auch die Entwicklung von leistungsstarken Kamerasystemen und optisches Echtzeit-Tracking. „Seit 2003 entwickeln wir in einem zweiten Geschäftsbereich USB-Kameras für Industrie und Wissenschaft“, zeigt Dr. Markus Schill, Vorstand der VRmagic, die Schnittstelle zwischen Industrie und Medizintechnik auf. Inzwischen reicht das Produktportfolio von externen Analog-Digital-Konvertern über FPGA-Komponenten mit integrierter Bildverarbeitung bis zu programmierbaren, intelligenten Kameras.

Für 3D-Applikationen hat das Unternehmen eine Multisensor-Kamera mit bis zu vier abgesetzten, pixelsynchronen Sensoren und 3D-Flächensensoren entwickelt, die Bilder als komplette 3D-Datensätze ausgibt. Diese Multisensor-FPGA-Kamera basiert auf vier abgesetzten Global-Shutter-Sensoren, die pixelsynchrone Bilder liefern. Nach einer parallelen Vorverarbeitung der Bilddaten im FPGA der Kamera, kann der verlustfrei komprimierte Datenstrom über ein einziges USB-Kabel an den Computer weitergeleitet werden. Dort erfolgt die weitere Auswertung des Datenstroms. Das System erreicht dabei Update-Raten von über 30 Hz. Die Anwendungsfelder für solche Kameras und optische Trackingsysteme sind vielfältig: Neben der industriellen Mess- und Regeltechnik, Robotik, Automation und Qualitätssicherung, kommen die Bildverarbeitungskomponenten auch in nicht-industriellen Anwendungen zum Einsatz, beispielsweise wenn biometrische Daten, Gesten oder Blicke interpretiert werden sollen, um Maschinen zu steuern oder wenn die Lage, Position und Orientierung von Objekten erfasst werden muss.

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