zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Fraunhofer IOF

Lukas Dehling,

Dezentes Display für die Datenbrille

Datenbrillen sind bislang groß und klobig. Eine neue Technologie von Fraunhofer-Forschern ermöglicht es nun, die Augengläser klein und unauffällig zu gestalten. Selbst Sehfehler kann das System kompensieren.

Das near-to-eye Display mit Durchsichtfunktionalität ermöglicht einen kleineren und unauffälligeren Aufbau als bisherige Displaytechnologien.

© Fraunhofer IOF

"Wir haben unsere Brille so gestaltet, dass sie einen kleinen, unauffälligen Aufbau erlaubt", sagt Dr. Peter Schreiber, Gruppenleiter in der Abteilung Mikrooptische Systeme am IOF. Übliche Modelle bestehen aus einem Mikrodisplay, das ein Bild erzeugt, und einer Optik, die das Bild an die gewünschte Stelle projiziert. Beide Einheiten sind am Brillenbügel befestigt. Zwar ist das Mikrodisplay der neuen Brille mit 8 mal 15 mm ähnlich groß wie herkömmliche Modelle. Die Optik dagegen ist mit fünf Millimeter nur etwa ein Fünftel so lang wie bisherige Ausführungen. Denn statt einer langen Optik setzen die Wissenschaftler viele kleine Optiken nebeneinander – Experten nennen dies Array. "Wir erreichen so mit einem sehr viel kürzeren Aufbau das gleiche Ergebnis", erläutert Schreiber.

Infos direkt im Sichtfeld

Eine weitere Neuerung: Während handelsübliche Datenbrillen das Bild oft an den Rand des Sichtfelds projizieren – der Nutzer muss beispielsweise nach rechts oben schauen – sieht er die Infos beim neuen Modell genau dort, wo sie inhaltlich hinpassen, also etwa direkt neben dem Baudenkmal. Dazu bringen die Forscher eine – für das menschliche Auge unsichtbare – Gitterstruktur im Nanomaßstab auf die Brillengläser auf und funktionieren sie somit zum Lichtleiter um. Kurzum: Das Lichtbild wird durch ein Gitter in das Brillenglas eingekoppelt, bis zur gewünschten Stelle geleitet, dort ebenfalls durch ein Gitter ausgekoppelt und in das Sichtfeld des Trägers eingespiegelt. "Die entsprechenden Herstellungsverfahren sind massentauglich und werden in der Industrie bereits angewandt. Die Brille lässt sich einfach und kosteneffizient herstellen", sagt Schreiber.

Anzeige

Brille kompensiert Fehlsichtigkeit

Brauchen Menschen eine Lesebrille, hätten sie üblicherweise auch Schwierigkeiten, die eingeblendeten Informationen zu lesen. Deshalb gleicht die Brille Weitsichtigkeit aus. »Unser Multikanalansatz ermöglicht es die Bildschärfe individuell rein elektronisch einzustellen«, erklärt Schreiber. Für den Nutzer heißt das: Auf seinem Smartphone, das via Bluetooth die entsprechenden Inhalte und Informationen an die Brille sendet, gibt er in der entsprechenden App die Werte seiner Fehlsichtigkeit ein. Alles weitere geschieht automatisch: Die Brille verzerrt die eingeblendeten Bilder so vor, dass sie dem Anwender scharf erscheinen. Auch andere Sehfehler wie Astigmatismus oder Kurzsichtigkeit kann die Brille teilweise kompensieren.

Die Grundlagen für die Datenbrille haben die Forscher bereits erarbeitet. Auf der Messe Laser – World of Photonics vom 22. bis 25. Juni in München stellen sie ein Demonstrationsmuster vor (Halle B3, Stand 341). Die Anwendungsgebiete der Datenbrille sind keineswegs auf den Tourismus beschränkt: So könnte man sich beim Sport die persönlichen Belastungswerte und die Herzfrequenz anzeigen lassen. Auch den Arbeitsalltag könnte eine solche Brille erleichtern: Beispielsweise bräuchten Mechaniker, die große Maschinen warten oder reparieren, keine dicken Anleitungen wälzen, sondern sehen die Arbeitsschritte in ihr Sichtfeld eingeblendet.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Augmented Reality

Datenbrille im Feuerwehrhelm

Wissenschaftler der Technischen Universität Wien haben eine neue Anwendung für Datenbrillen entwickelt: Ein mit 3D- und Infrarotkameras ausgestatteter Helm soll Feuerwehrleuten künftig im Brandeinsatz die Orientierung erleichtern. Einen weiteren...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Fraunhofer IOF

Mobile 3D-Vermessung mit Roboterhund

Forschende des Fraunhofer IOF haben einen mobilen Sensor entwickelt, der eine hochauflösende 3D-Vermessung komplexer Objekte ermöglicht. Der Handscanner goSCOUT3D wurde nun mit einem Roboterhund der Marke Boston Dynamics gekoppelt.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Las Vegas

Neues von der CES 2017

Die CES ist eine der größten Fachmessen für die Unterhaltungselektronik und gibt immer wieder interessante Anstöße für die Industrie. Auch in diesem Jahr präsentierten die Unternehmen zahlreiche Innovationen - vor allem im Bereich des vernetzten...

mehr...

Intelligente Kameramodule

Das Facettenauge zum Vorbild

Lichtstarke Kameras mit großem Dynamikumfang sowie einer Baulänge von unter 3 mm - dieses Ziel setzt sich das Projekt 'Sitara' der Forschungsinitiative 'Integrierte Mikrophotonik'. Das Vorbild des Kamera-Moduls: Die Facettenaugen von Libellen oder...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren