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Artikel und Hintergründe zum Thema

Technik & Finanzen

Thomas Rappold / Andrea Gillhuber | Andrea Gillhuber,

Zukunftschance Homeoffice

Die digitale Infrastruktur bildet das Rückgrat der Arbeitswelt im 21. Jahrhundert. Industrie-4.0-Unternehmen schaffen Voraussetzungen als agile und attraktive Arbeitgeber.

© WEKA Fachmedien

Homeoffice wird zum ‚New Normal‘ und unverzichtbarer Bestandteil der neuen Arbeitswelt. Digitale Infrastruktur wird zum ‚must have‘ für die Aufrechterhaltung der Weltwirtschaft.

Der Trend weg vom Büro zu mehr dezentralem Arbeiten hat sich durch die Coronakrise verstärkt und beschleunigt. Die aufgezwungene Erfahrung der Unternehmen mit Homeoffice während des Lockdown haben gewiss geholfen, einige Vorbehalte zu beseitigen. Auf der anderen Seite haben die Mitarbeiter gewisse Vorzüge von gelegentlichem Homeoffice schätzen gelernt und erwarten auch in Zukunft eine flexiblere Einstellung ihres Arbeitgebers in dieser Hinsicht.

 

Schub für die Digitalisierung

Thomas Rappold: »Für die ­Infrastruktur- und Software-Anbieter ent­stehen her­vorragende Zukunftschancen.«

© Thomas Rappold

Es weichen bereits Büroflächen zugunsten von Investitionen in neue Technologien, denn die dezentrale Arbeitsform erfordert digitale Infrastruktur in Form von Cloud-Technologie, Netzwerk-Infrastruktur, Dokumentenverwaltung und Cyber Security. Der Austausch mit den Kollegen (Lesetipp!) und Vorgesetzten findet notgedrungen über digitale Kommunikationsmittel statt. So ersetzen Videokonferenzen Sitzungen vor Ort, Veranstaltungen werden via Livestream durchgeführt und Zweiergespräche finden via Skype statt. Kein Zweifel – durch die Pandemie wurde der Digitalisierung ein kräftiger Schub verliehen. 

Wie bei vielen Digitalisierungsbemühungen hat sich Deutschland auch in Sachen Homeoffice und Remote Work in der Vergangenheit schwer getan. Doch Covid-19 wirkte in den vergangenen Wochen und Monaten wie ein gigantischer Digitalisierungsbeschleuniger. Eine aktuelle Umfrage des ‚ZEIT für Unternehmer‘-Magazins ermittelte, dass heute 89 % der Unternehmen glauben, „dass sich Home-office in größerem Umfang ohne Nachteile realisieren lässt“.

 

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Flexibilisierung der Arbeitswelt

Eine aktuelle Studie des mit vorbörslich 3 Mrd. Dollar bewerteten Internet-Entwicklungs-Unternehmens Gitlab, welches mit über 1500 Mitarbeitern als eines der größten reinen Remote-Work-Unternehmen gilt, zeigt, dass die Vorteile der Homeoffice-Arbeit mannigfaltig und die Flexibilisierung der Arbeitswelt heute zwingender denn je sind, um private und berufliche Interessen gleichermaßen unter einen Hut zu bringen. 

Der Studie zufolge gelten die angelsächsischen Länder wie die USA, Großbritannien, Canada und Australien mit einem Homeoffice-Anteil von rund 30 % der Erwerbsbevölkerung als Vorreiter. Mehr als 80 % der Befragten sehen in Remote Work die Zukunft und würden es Freunden weiterempfehlen.

Als Hauptvorteile der Studienteilnehmer wurde die flexible Zeitplanung, die Reduktion der Fahrten an den Arbeitsplatz, weniger Stress und vor allem mehr Zeit für die Familie (Kinder, Altenbetreuung) genannt. Selbst bisherige Skeptiker – wie Volkswagen-Vorstand Ralf Bandstätter – wurden eines Besseren belehrt. In einem WELT-Interview betonte er: „Über Nacht ist die digitale Kommunikation zum Alltag geworden. Dass die dezentrale, digital vernetzte Arbeit so gut funktioniert, hätten wir noch vor kurzer Zeit nicht gedacht.“

Für die Attraktivität von Arbeitgebern für junge und anspruchsvolle Bewerber der Generation Y und Z, die als Digital Natives aufgewachsen sind, gehören flexible Arbeitsstrukturen und modernste Kommunikationsmittel zum selbstverständlichen Repertoire einer neuen Arbeitswelt. 

Wirtschaftlicher Handlungsdruck

Der Solactive Home Office Technology Index (ISIN: DE000VP796R4, WKN: VP796R ) zeigt die Wertentwicklung von 25 Unternehmen aus den wichtigsten digitalen Infrastrukturbereichen im Zusammenhang mit Homeoffice.

© Solactive

Viele Wirtschaftszweige stehen in der Corona-Krise finanziell unter Druck. Schonungslos wurden Defizite in den Geschäftsmodellen der Unternehmen offengelegt und manche bisher als notwendig erachtete Kostenblöcke werden obsolet. Banken haben in der Corona-Krise ihre Filialen geschlossen und gleichzeitig wurden von der Bevölkerung die digitalen Angebote für Banktransaktionen, aber auch für den Abschluss und Kauf von Finanzprodukten genutzt. Folgerichtig planen die Filialbanken wie Deutsche Bank und Commerzbank erhebliche Einschnitte in ihrem Filialnetz. Doch dabei bleibt es nicht: Die Deutsche Bank will mit mehr Heimarbeit Büroraum reduzieren. Nach Informationen der Wirtschaftswoche arbeitet die Führungsspitze an einem neuen ‚Hybrid-Modell‘, sprich: einer Aufteilung der Arbeitszeit zwischen Büro und Homeoffice. Ziel der Deutschen Bank ist die dauerhafte Reduktion des Büroraums, um Miete einzusparen.
Immerhin gab das Bankinstitut im vergangenen Jahr 1,7 Mrd. Euro für Mieten aus. Allein in New York soll bereits kommendes Jahr die Bürofläche um ein Drittel reduziert werden. Die Fondstochter DWS hat in London bereits preiswertere Büroflächen bezogen.

Auch die Finanzdienstleister NordLB, BayernLB und die DekaBank rechnen mit einer Reduktion der genutzten Bürofläche von 25 bis 30 %. Industrieunternehmen dürften dem Trend der Banken folgen: Die Transformation zu Industrie 4.0 und digitalen Geschäftsmodellen mit neuen Wertschöpfungsketten begleitet mit hohem Kostendruck und schnelleren Entwicklungszyklen sind schlagende Argumente für flexiblere und digitalere Arbeitsmodelle.

 

Investitionsfokus digitale Infrastruktur

Die Einsparungen auf Unternehmensseite in Bezug auf Mieten und Büroimmobilien dienen den Unternehmen dazu, ihre Profitabilität zu steigern aber vor allem auch, um die notwendigen Investitionen in die digitale Infrastruktur für Homeoffice-Services und Remote Work zu finanzieren. Aktuelle Umfragen unter den IT-Verantwortlichen (CIOs) in den Unternehmen zeigen, dass Covid-19 zu starken Verschiebungen bei zukünftigen IT-Investitionen führen wird. Investitionsschwerpunkte sehen die IT-Manager in den Segmenten Mitarbeiter-kommunikation und Kollaborationssoftware, Mobile Geräte wie Smartphones, Tablets, Laptops und Konnektivität, Breitbanddienste, Security Software und Cloud-Hosting-Dienste.

 

Profiteure des Homeoffice-Trends

Konkret handelt es sich um die folgenden Segmente und exemplarischen Unternehmen: 

• Collaboration und Application Software, die die digitale Zusammenarbeit unter Mitarbeitern fördert. Als Beispiele sind Teams von Microsoft, Jira und Confluence von Atlassian oder Teamviewer zu nennen.

• Cloud-Technologie mit Cloudbasierten Angeboten. Beispiele sind Cloudbasierte Angebote von Dell EMC und VMware.

• Netzwerk-Infrastruktur, beispielsweise Router, Switches, Netzwerk-Software, Netzwerk-Sicherheitsprodukte von Arista und Juniper.  

• Dokumentenverwaltung wie etwa Cloud-Storage, Dateisynchronisation, Verwaltung von Unternehmensinhalten, zum Beispiel Box, Dropbox, Citrix.

• Cyber Security: Beispiele sind Sicherheit im Internet und beim Datentransfer von NortonLifeLock und Okta.

• Weitere Nutznießer dieses Trends sind Videokonferenzanbieter wie Zoom Video oder Cloud-Firmen wie Alphabet und Nutanix. 

Dass die intensive Nutzung von digitalen Plattformen und Dienstleistungen der Cyber Security eine besondere Rolle zukommen lässt, versteht sich von selbst. Je mehr sich die Interaktionen auf digitale Kanäle verlagern, desto besser müssen sie vor Angriffen geschützt werden. Außerdem sind neue Kommunikationsmittel gefragt, welche die klassische E-Mail ersetzen. 

Kollaborative Werkzeuge wie Videokonferenzen und Projektmanagement in virtueller Umgebung dürften kommen.

Bei der Entwicklung und Ausgestaltung von mobilen und flexiblen Arbeitsformen stehen wir erst am Anfang. Covid-19 hat gezeigt, dass ein großer Teil der Arbeitnehmer innerhalb kurzer Zeit ihre Arbeit von ihrem Homeoffice mit hervorragenden Produktivitätsraten nachkommen könne. Entsprechend entstehen für die Infrastruktur- und Software-Anbieter hervorragende Zukunftschancen.

Zum Autor: Thomas Rappold schreibt für Computer&AUTOMATION und ist Finanz-/Börsenexperte, Buchautor (Silicon Valley Investing) und Gründer zahlreicher Internet-Start-ups.

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