Vernetzung (News)

Günter Herkommer,

Upgrade auf Ethernet

Unbestritten ist: Industrial Ethernet ist das kommende Kommunikationsmedium in der Automatisierungstechnik. Das heißt aber nicht, dass die etablierten Feldbusse damit schon zum alten Eisen gehören. Vielmehr sind Lösungen gefragt, welche die Stärken beider Welten ideal kombinieren. Wie dies gehen kann, zeigt das Beispiel von CANopen und Ethernet Powerlink.

Christian Schlegel

 

CANopen zählt heute zu den populärsten anwendungsschichtbasierenden Protokollen für CAN-Netzwerke. Grund hierfür sind Einfachheit und Flexibilität, die sich unter anderem in der großen Anzahl von Geräten, Schnittstellen-Komponenten und Anwendungsprofilen widerspiegelt, die für dieses Protokoll erhältlich sind. Immer größer werdende Applikationen und Systeme und der Bedarf nach immer höherer Bandbreite setzen den Einsatzmöglichkeiten von CANopen allerdings zunehmend Grenzen. So ist zum Beispiel die maximale Baudrate bei CAN auf 1 MBit/s beschränkt. Diese Grenze hängt direkt mit der verfügbaren Bandbreite für die Datenübertragung zusammen und stellt besonders für solche Anwendungen eine Einschränkung dar, die entweder auf zyklischer und synchroner Datenübertragung beruhen – wie etwa bei Motion-Control-Applikationen – oder aber auf die Übertragung großer Datenpakete angewiesen sind.

 

Eine weitere Einschränkung von CANopen betrifft die maximale Netzwerk-Ausdehnung, welche direkt von der für das CAN-Netzwerk gewählten Datenübertragungsrate abhängt. Das heißt: Systeme mit einer Baudrate von 125 kBit/s, 500 kBit/s oder 1 MBit/s dürfen maximale Leitungslängen von 500 m, 100 m beziehungsweise 25 m besitzen. Für viele Anwendungen, wie etwa Liftsteuerungen in der Gebäudetechnik, größere Maschinenanlagen oder Mess-Einrichtungen, kann dies schon zu kurz sein. Zwar lassen sich durch den Einsatz von Repeatern außer der üblichen Linien-Topoplogie andere Topologien wählen, und mit CAN-to-CAN-bridges ist die Leitungslänge prinzipiell beliebig verlängerbar; allerdings wachsen in diesen Fällen die Verzögerungszeiten derart an, dass eine synchrone Datenübertragung nicht mehr gewährleistet ist.

Zusätzlich zu diesen beiden einfachen Möglichkeiten einer Größenausdehnung des CAN-Netzwerkes gibt es das neue Schnittstellenprofil CiA400 „Multilevel Networking“. Diese Spezifikation beschreibt, wie sich ein CANopen/CANopen-Gateway für den Zusammenschluss mehrerer CANopen-(Sub-)Netzwerke nutzen lässt und wie der Austausch von Prozess- und Servicedatenobjekten zwischen den Systemen funktioniert.

 

Wenn eine Applikation mit mehreren Subsystemen zu realisieren ist, so benötigt der verbindende Backbone eine höhere Bandbreite und idealerweise eine längere Ausdehnung. Ergo wäre hier ein Kommunikationssystem sinnvoll, das über eine höhere Bandbreite verfügt, größere Entfernungen überbrücken kann und dabei über dieselben Mechanismen verfügt wie CANopen. Ethernet mit seiner Übertragungsrate von 100 MBit/s oder gar 1 GBit/s und seiner Fähigkeit zur weiträumigen Auslegung, die bei Verwendung von Switches theoretisch unbegrenzt ist, brächte diese Fähigkeiten mit. Außerdem unterstützen fast alle 32-Bit-CPUs diese bewährte Technik. Trotzdem sprechen handfeste Gründe gegen den Einsatz von Standard-Ethernet für die genannten Zwecke: Ethernet verzögert die Datenübertragung aufgrund seiner Kollisionskontrolle und Switch-Technik auf eine Weise, die eine statische Bandbreite und festkalkulierbare Verzögerungen in der Datenübertragung verhindern. Außerdem mangelt es Ethernet an einer passenden Anwendungsschicht mit den hierfür nötigen Protokollen.

 

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CANopen-Upgrade auf Ethernet

Mit der Entwicklung von Powerlink hat der österreichische Automatisierungsanbieter B&R im Jahr 2001 eine Lösung entwickelt, welche nach wie vor die CANopen-Mechanismen nutzt, gleichzeitig aber von den Vorteilen des Mediums Ethernet profitiert, ohne dabei jedoch die genannten Nachteile in Sachen Determinismus in Kauf nehmen zu müssen. Das heißt: Powerlink basiert zwar auf Fast Ethernet gemäß IEEE802.3, verwendet jedoch ein spezielles Verfahren zur Vermeindung von Datenkollisionen, bei dem das Buszugriffsrecht (Senderecht) von einem zentralen Knoten koordiniert wird. Hierauf aufsetzend definiert die Powerlink-Spezifikation eine Anwendungsschicht als Träger der CANopen-Mechanismen, zu denen das Objektverzeichnis, Prozessdatenobjekte (PDO), Servicedatenobjekte (SDO) und Netzwerkmanagement (NMT) zählen.

In der Praxis ergibt sich damit folgende Konstellation: Powerlink-Geräte und -Vorrichtungen müssen sich in einem separaten Echtzeit-Ethernet-Segment des Netzwerks befinden. Um Datenkollisionen auszuschließen, dürfen hier keine Standard-Ethernet-Geräte installiert sein. Im Powerlink-Segment arbeitet ein Gerät als Managing Node, die anderen Geräte als Controlled Nodes. Die Verbindung der Geräte mit dem Netzwerk erfolgt über Hubs. Da keine Kollisionen auftreten können, ist die Anzahl der Hubs in einem Segment – und damit letztlich auch die Größe eines Powerlink-Systems – nicht begrenzt. Lediglich die maximale Entfernung zwischen zwei Hubs ist auf etwa 100 Meter beschränkt. Der Datenaustausch der Geräte im System basiert auf einem Kommunikationszyklus, der sich in eine synchrone und eine asynchrone Phase aufteilt: In der synchronen Phase erfolgt das zyklische Versenden aller zeitkritischen Daten, in der asynchronen Phase findet die Übertragung aller zeitunkritischen Daten wie Netzwerkmanagementdaten und -dienste, Parameter oder TCP/IP-Frames statt.

 

Bild 1: Eine Powerlink-Domäne ist vom übrigen Netzwerk über ein Gateway getrennt und von „außen”œ über genau eine IP-Adresse erreichbar

Auf der Anwendungsschicht stellt Powerlink ein Objektverzeichnis sowie PDOs, SDO-Dienste und Protokolle zur Verfügung. Das Objektverzeichnis besitzt dieselbe Struktur wie das CANopen-Objektverzeichnis. Somit lassen sich alle CANopen-Applikationen und Geräteprofile direkt mit Powerlink nutzen. Lediglich der Indexbereich 1000h bis 1FFFh enthält keine CANopen-, sondern reine Powerlink-Daten (Kommunikationsparameter). Prozessdatenobjekte (PDO) werden in den Frames der PollRequests und PollResponses in der synchronen Phase übermittelt. Ein Prozessdatenobjekt kann aus bis zu 1490 Bytes bestehen.

Controlled Nodes verfügen über ein Sende-PDO, empfangen können sie bis zu 253 PDOs. Ein Managing-Node hingegen kann 253 PDOs senden und ebenso viele empfangen. Servicedatenobjekte (SDO) werden in der asynchronen Phase übertragen und nutzen entweder Powerlink- oder UDP/IP-Frames. Im Gegensatz zu CANopen kann ein Powerlink-Gerät jederzeit jedes andere Powerlink-Gerät über SDO ansprechen. Mit dem UDP/IP-basierten SDO-Protokoll ist es mit einem speziellen Router auch möglich, SDOs über Standard-Ethernet zu senden. Auf diese Weise können beispielsweise ebenso Standard-PCs Zugriff auf Powerlink-Geräte erhalten. Kurzum: Für die Anwendung macht es keinen Unterschied, ob sie auf einem Powerlink-Stack oder auf einem CANopen-Stack läuft.

Neue System-Architekturen

Eine Lösung, um die Einschränkungen durch CANopen zu umgehen, liegt in der kompletten Umstellung auf Powerlink. Für viele bestehende Systeme kommt dies aber aus Kostengründen für die Verkabelung, Hardware und für die Systemintegration nicht in Frage. Oft ist es sinnvoller, statt einer Komplett-Umstellung eine Systemstruktur mit Subnetzwerken in Betracht zu ziehen, die über CANopen/ Powerlink-Gateways verbunden werden. Hierbei sind grundsätzlich zwei Systemarchitekturen möglich

Bild 2: Schema der Software-Architektur von CANopen und Powerlink: CANopen befindet sich als Anwendungsprotokoll auf Layer 7. CAN und Ethernet bilden für CANopen quasi nur ein austauschbares „Transportmittel”œ

> Powerlink als Haupt- oder als Backbone-System mit CANopen-basierten Unternetzwerken. Dieses Systemkonzept erlaubt die schnelle Verteilung, Verwaltung und Protokollierung der Prozessdaten für die CANopen-Subsysteme. Zudem lässt sich mit dieser Struktur eine räumlich weit ausgedehnte Architektur realisieren.

> CANopen als Haupt- oder als Backbone-System mit Powerlink-basierten Unternetzwerken. Eine solche Netzwerkstruktur bietet sich an, wenn die Unterfunktionen extrem kurze Zykluszeiten, wie bei hochperformanten Motionsystemen üblich, oder eine große Bandbreite benötigen. Typisches Beispiel hierfür könnte ein Subsystem für Messungen sein, welches Messwerte speichert und berechnet und nur Resultate sowie Kontrolldaten an das übergeordnete CANopen-System weiterleitet.

Bild 3: Software-Architektur bei einem Powerlink/CANopen-Gateway: Die gleiche Struktur von CANopen und Powerlink ”“ zum Beispiel was die Verwendung eines Objektverzeichnisses betrifft ”“ erlaubt den Zugriff beider Protokolle auf einen gemeinsamen Speicher

Die zentrale Funktion eines CANopen/ Powerlink-Gateway besteht darin, die Prozessdaten im PDO-Format von einem Netzwerk an das andere weiterzuleiten. Da nicht alle Prozessdaten des einen Netzwerks auch für das andere von Bedeutung sind, muss sich im Gateway festlegen lassen, welche Prozessdaten es weiterleiten soll. Außerdem ist es erforderlich, auch mit SDOs auf Geräte zugreifen zu können, die sich hinter Netzwerkgrenzen befinden. Da der Zugriff durch SDOs ein Mechanismus ist, der Server/Client-Strukturen voraussetzt, ist weiterhin eine Methode vonnöten, die in der Lage ist, einzelne Geräte in unterschiedlichen Netzwerksegmenten zu adressieren. CANopen hat diesbezüglich mit dem Schnittstellenprofil CiA400 die Netzwerk-ID eingeführt. Für Powerlink besteht die Adressierungsmöglichkeit bereits durch die Kombination der IP-Adressen mit der NAT-Funktion (Network Address Translation). Weitere Forderungen an das Powerlink/ CANopen-Gateway betreffen die Weiterleitung von Fehlermeldungen aus den Subsystemen an das Hauptsystem und den Zugriff des Hauptsystems auf die Subsysteme zur Durchführung des Netzwerkmanagements.

 

Die Gateway-Realisierung

Ein typisches Powerlink/CANopen-Gateway lässt sich durch Verwendung einer Standard-CPU mit integriertem CANController und MAC realisieren. Um akzeptable Latenz- und Reaktionszeiten zu erreichen, ist eine 32-Bit-CPU mit durchschnittlicher Leistung zu wählen. Grundsätzlich müssen ein Powerlink- und ein CANopen-Stack implementiert sein. Zwischen den Stacks ist eine „System Control Task“ für den Fernzugriff via SDO und die Weiterleitung von NMT-Meldungen und Fehlerinformationen zuständig.

Der Austausch von Prozessdaten läuft über das Prozessabbild, das auf einen gemeinsamen Speicher beider Stacks zurückgreift. Auf Grundlage der Netzwerk-Variablen, wie sie in den Spezifikationen CiA302 und CiA405 definiert sind, können die RxPDOs (eingehenden Prozessdaten) flexibel auf die TxPDOs (ausgehenden Prozessdaten) abgebildet werden. Innerhalb des Speicherbereiches A000h bis A8FFh verweist jeder Objekteintrag mit festgelegtem Index mittels Datentyp-Definition und Address-Offset auf einen bestimmten Speicherbereich im Input- beziehungsweise Output-Prozessabbild.

Um mit einem Gateway SDO-Zugangsdienste nutzen zu können, ist eine Erweiterung der bestehenden SDO-Protokolle nötig. Für CANopen wurden mit dem „SDO Network Indication Protocol“ die entsprechenden Erweiterungen bereits mit der Spezifikation CiA400 eingeführt. Was die Erweiterung der SDO-Protokolle oder SDO-Dienste seitens Powerlink betrifft, gilt es, zwei Szenarien zu unterscheiden:

Bild 4: Beispiel für die einfache Struktur beziehungsweise Hardware-Architektur eines Powerlink/CANopen-Gateways

1.) Das Gerät, auf das via SDO zugegriffen werden soll, befindet sich in einem Netzwerk, das ohne den Umweg über ein CANopen-Netzwerk erreicht werden kann.

2.) Das Gerät befindet sich in einem Netzwerk, das nur über ein CANopen-Netzwerk zu erreichen ist.

 

Im ersten Fall antwortet das Gateway auf die CANopen-eigene „SDO-Network-Indication“-Anfrage und wartet auf die darauf folgende SDO-Zugangsanfrage. Diese Anfrage wird dann an den neuen „SDO Remote Read by Index“ von Powerlink oder an den Dienst „SDO Remote Write by Index“ weitergeleitet. Beide Dienste nutzen die Parameter „net_id“ und „node_id“, um auf das entsprechende Gerät zu verweisen.

Im Fall 2 ist das „SDO Network Indication Protocol“ über das Powerlink-Netzwerk zu routen. Hierzu wurde der neue Powerlink-Dienst „SDO Network Indication“ eingeführt. Dieser Dienst arbeitet genauso wie der CANopen-Dienst, was bedeutet, dass das Gateway die Powerlink-SDO-Network-Indication-Anfrage zum nächsten Powerlink/CANopen-Gateway überträgt und auf die Antwort wartet. Nach Erhalt der Antwort übermittelt es die SDO-Network-Indication-Antwort an sein CANopen-Interface.

Für beide Fälle gilt: Das Gateway benötigt eine Übertragungsstabelle, die Informationen darüber enthält, ob ein Netzwerk direkt – also ausschließlich über Powerlink – zugänglich ist, oder ob noch CANopen-Netzwerke dazwischen liegen. Diese Übertragungsstabelle lässt sich über Einträge in das Objektverzeichnis konfigurieren.

Ein CANopen-Master oder ein Managing-Node bei Powerlink kann aufgefordert werden, NMT-Dienste, wie in CiA302 definiert, für CANopen unter Verwendung von Objekt 1F82h zu senden; für Powerlink unter Verwendung von Objekt 1F9Fh.

 

Fehlermeldungen, deren Übertragung bei CANopen in Form einer Ereignismeldung (emergency message) und bei Powerlink über den Fehlersignal-Mechanismus (error signaling mechanism) erfolgt, lassen sich vom Gateway zu einem anderen Netzwerk mittels eines dedizierten Fehlercodes weiterleiten. Dieser Fehlercode zeigt an, dass der Fehler in einem anderen Netzwerk aufgetreten ist. In einem zusätzlichen Informationsabschnitt der Fehlermeldung ist die Fehlerquelle durch Netzwerk-ID, Knoten-ID und dem originalen Fehler-Code beschreibbar. Zusätzlich Objekteinträge im Gateway ermöglichen eine Konfiguration dahingehend, welche Fehler an andere Netzwerke weitergeleitet werden sollen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Powerlink/CANopen-Gateways ermöglichen Systemdesigns, bei denen je nach Anwendung die angemessene Kommunikationslösung entweder durch Powerlinkoder durch CANopen-basierte Subsysteme umgesetzbar sind. Außerdem erlauben Router und eine große Vielfalt von gemischten Netzwerkarchitekturen, mit denen sich neue Anwendungsgebiete erschließen lassen.

Autor:
Christian Schlegel ist technischer Geschäftsführer der Firma Ixxat Automation

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