nachgehakt! – bei Andreas Faath, VDMA

Andrea Gillhuber,

Das Datenraum-Portal

VDMA und Innovalia entwickeln gemeinsam ein Datenraum-Portal, das den sicheren Datenaustausch erleichtern und die Nutzung datenbasierter Anwendungen in der Industrie beschleunigen soll. Im nachgehakt!-Interview erläutert Andreas Faath vom VDMA Einzelheiten. 

© VDMA

Das Portal soll als „neutraler Einstiegspunkt“ dienen. Was bedeutet das konkret und welche Unternehmen sollen sich angesprochen fühlen?

Das Portal bildet bewusst die gesamte Breite des Data Space-Ökosystems ab, ohne einzelne Anwendungsfälle oder technische Implementierungen zu bevorzugen. Es richtet sich an Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und umfasst vier zentrale Segmente: Maschinen als Datenquellen, Datenräume zur Organisation der Datenbereitstellung und -nutzung, Datenprodukte, etwa kuratierte Datensätze aus Simulationen oder Aufzeichnungen, sowie Datenanwendungen wie Analyseplattformen oder KI-Agenten. Aufgenommen werden ausschließlich Lösungen, deren Interaktion und Kommunikation auf offenen, interoperablen und international etablierten Standards basiert, etwa OPC UA oder dem IDSA Dataspace Protocol. Damit schafft das Portal Transparenz und Orientierung für alle Marktteilnehmer, unabhängig von Größe oder Branche.

Können Sie anhand eines Beispiels erläutern, wie und aus welchen Gründen Unternehmen das Portal nutzen?

Das Portal richtet sich sowohl an Unternehmen, die neu in das Themenfeld Data Spaces einsteigen, als auch an bereits aktive Akteure.
Einsteiger stehen häufig vor der Herausforderung, verfügbare Lösungen und geeignete Partner zu identifizieren. Sie nutzen das Portal, um sich einen strukturierten Überblick zu verschaffen, potenzielle Kooperationspartner zu finden und deren Angebote besser zu verstehen. Über die hinterlegten Kontaktmöglichkeiten treten sie anschließend direkt, außerhalb des Portals, mit den relevanten Unternehmen in Kontakt. Das Portal senkt damit die Einstiegshürde und beschleunigt den Weg in die praktische Umsetzung.

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Unternehmen, die bereits in Data Spaces aktiv sind, nutzen das Portal gezielt, um bestehende Partnerschaften auszubauen oder ergänzende Lösungen für konkrete Use Cases zu finden. Gleichzeitig hilft es, potenzielle Kunden zu identifizieren und parallele oder redundante Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Allen gelisteten Lösungen ist gemeinsam, dass sie definierte Anforderungen erfüllen müssen, insbesondere die Nutzung interoperabler Standards. Für Produktionsdaten bedeutet das beispielsweise die Verwendung von OPC UA Companion Specifications.

Ein typisches Szenario: Ein Maschinenbetreiber sucht eine Datenanwendung für Predictive Maintenance. Über das Portal findet er geeignete Anwendungen. Meldet er seine Maschine an einen Data Space an, kann der Anbieter der Anwendung, nach Freigabe, über den Datenraum auf die Maschinendaten zugreifen und diese analysieren. Dank interoperabler Standards ist keine individuelle technische Integration erforderlich. Die sichere und automatische Identifikation von Unternehmen und Endgeräten erfolgt über den Data Space. Umgekehrt kann ein Anwendungsanbieter seine Predictive-Maintenance-Lösung testen, indem er über das Portal aufgezeichnete, relevante Datenprodukte findet und über einen Datenraum darauf zugreift. Gleiches gilt für Anbieter von KI-Agenten, die Trainingsdaten benötigen.

Maschinenbetreiber können selbst Daten aufzeichnen und als Datenprodukt anbieten. Endanwender wiederum, die neue Maschinen beschaffen und in Betrieb nehmen wollen, können über das Portal eine optimale Kombination aus Maschinen, Datenräumen, Datenprodukten und Anwendungen zusammenstellen und verschiedene Optionen vor einer Investitionsentscheidung vergleichen.

Wie wird der digitale Reifegrad eines Unternehmens gemessen, und welche Konsequenzen hat diese Bewertung für den Zugang zu bestimmten Funktionen oder Partnern?

Der digitale Reifegrad der angebotenen Lösungen bemisst sich an der Einhaltung relevanter internationaler Standards. Die Portalbetreiber setzen dabei auf transparente Informationen der Teilnehmer zu den technischen Eigenschaften ihrer Komponenten und Lösungen.

Eine Zertifizierung kann über die jeweiligen Standardisierungsorganisationen oder spezialisierte Dienstleister erfolgen. Die OPC Foundation bietet beispielsweise Zertifizierungen für OPC UA-konforme Systeme an. Das Portal selbst fungiert jedoch ausschließlich als Schaukasten für Data-Space-geeignete Lösungen und führt keine eigene Zertifizierung durch. Die Verantwortung für die Angaben und Eigenschaften der jeweiligen Lösungen verbleibt vollständig beim Lösungsanbieter.

Wie wird Datensouveränität technisch umgesetzt, etwa durch Zugriffskontrollen, Verschlüsselung oder föderierte Architekturen?

Das IDSA Dataspace Protocol definiert klare Vorgaben für eine sichere Identifikation der Teilnehmer sowie für die geschützte Kommunikation innerhalb eines Data Spaces. Der Ansatz ist vollständig transparent und föderiert: Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, wo die notwendigen Komponenten betrieben werden – in der Cloud, bei spezialisierten souveränen Dienstleistern oder in der eigenen IT-Infrastruktur.

Ergänzend stellen semantische Interoperabilitätsstandards wie OPC UA die notwendigen Mechanismen für eine sichere, vertrauliche und standardisierte Datenkommunikation bereit. Zusammengenommen ermöglichen diese Technologien Datensouveränität ohne zentrale Abhängigkeiten.

Welche Kosten entstehen für Unternehmen bei der Nutzung des Portals?

Für die Nutzung des Portals entstehen zunächst keine Kosten.

Andreas Faath
ist Abteilungsleiter VDMA Machine Information Interoperability, verantwortet das für den Maschinen- und Anlagenbau relevante Ökosystem der Interoperabilität. Er ist Vorstandsmitglied des IDTA e.V., LNI 4.0 e.V., sowie der OPC Foundation. Er ist für den internationalen Maschinen- und Anlagenbau ein wichtiger Ansprechpartner für das Themenfeld Interoperabilität und intelligente, zukunftsfähige Wertschöpfung, sowie die OPC UA Standardisierung. Durch die enge Zusammenarbeit seines Bereichs mit zahlreichen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus vertritt er deren Wünsche. Durch die starken internationalen politischen Netzwerke des VDMA ist es Herrn Faath gelungen, die OPC UA Aktivitäten weltweit in der Unternehmenspraxis zu verankern. Vor seiner Tätigkeit im VDMA studierte Herr Faath Maschinen- und Anlagenbau und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Darmstadt mit den Schwerpunkten Digitalisierung und IIOT. Anschließend arbeitete er in der Forschung und Entwicklung zur Prozessoptimierung und Digitalisierung im Bereich der Fahrzeugerprobung bei General Motors.
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